Bärenwirt hält eine alte Riedener Tradition wach
Zur Wurstsuppn kräftig ausgeteilt

Der Zapf Wastl mit seiner Trommel und der Fischer Andreas mit der Teufelsgeige senkten den Altersdurchschnitt der Musikanten gewaltig.
Kultur
Rieden
11.01.2016
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Eine Faschingsveranstaltung der besonderen Art hält seit 25 Jahren in Rieden eine alte Tradition wach - das Wurstsuppnfoahrn beim Bärenwirt. Auch diesmal war der Saal wieder proppenvoll.

Ziach und Teufelsgeige


Zur Einstimmung gab es eine "ganz ordinäre" aber - trotzdem oder gerade deshalb - schmackhafte Wurstsuppn. Dann kam Leben in die Bude, als sieben urige Musikanten einzogen. Voran der Reindl Toni und der Zapf Richard mit ihren Ziehharmonikas. Der Zapf Wastl bearbeitete seine kleine Trommel, der Fischer Andreas die Teufelsgeige und der Richthammer Erhard ein Tamburin. Der Pilhofer Ernst und der Lochner Walter setzten mit ihren Quetschn noch eins drauf. Zünftig spielten sie auf: Zwiefache, Bairische, Polka, Walzer und Landler.

"Mir kommen aus der Fern, mir ham g'hört, dass g'schlacht is worn, beim Bärn", psalmodierte Richthammer mit der Kraxn auf dem Buckl. Er versprach: "Ihr wollt heut' an netten Abend erlebn - wir wollen unser Bestes gebn." Und stellte das Menü vor: "Es gibt Fleisch und Wurst und Sauerkraut, roh, gekocht, zur Not auch vorgekaut."

Alles war so wie früher, wenn zur Hausschlachtung beim Bauern ab und zu, manchmal auch verkleidet, die Wurschtsuppnfahrer, begleitet von einem Quetschnspieler, kamen. Mit lustigen Reimen bettelten sie um eine Suppe. Die war erst so richtig gut, wenn der Wursterer einmal nicht aufgepasst hatte und einige Würste platzten. Ein Stück Kesselfleisch mit Sauerkraut oder eine Blut- und Leberwurst dazu - das war natürlich etwas ganz Besonderes in schlechten Zeiten für die Noudign, die ärmeren Leute.

Das Kalte von der Sau


Bevor es beim Bärenwirt an die Fleischtöpfe ging, mussten sich die Gäste von Erhard Richthammer einiges gefallen lassen. So erfuhr eine Gruppe aus Berghausen, "aus 'm Holzschlegelland", dass ihre Fliegnkirwa so heiße, "weil, da brauch' i a net lügn, wo's viele Rindviecha gibt, gibt's a viele Fliegn". Über eine Gruppe aus Dietldorf wusste der Bärenwirt: "Hot der Weiß für sie nix mehr zum Essen, kummas af Riedn zum Fressen."

Über Gäste aus Weiden, Vilshofen und auch Rieden wusste Richthammer noch einiges, bis er alle aufforderte: "Haut' eich nur voll und lasst's es eich schmecka, dann kinnt's eich wieda d' Goschn ablecka." Das ließ sich keiner zweimal sagen, denn die Bärenwirts-Susanne und ihre Mutter fuhren auf, was sie in ihrer Kuchl aus der Sau gezaubert hatten: Sur- und Kesselfleisch, knusprige Ripperl, Schweinsbraten, Schnitzel, Fleischpflanzerl, saure und gebratene Würstl, Leber-, und Blutwürst. Dazu Dotsch, Bratkartoffeln, Kartoffelstampf und Sauerkraut. "G'schmeckt hat's - guat war's", waren sich alle nach Durchprobieren und Nachfassen einig.

Ein Schnapserl zur Verdauung gab's natürlich auch und später noch "das Kalte von der Sau": Presssack-, Schmalz- und Streichwurstbrot. Eine reichhaltige Tombola und die weiter zünftig aufspielenden Musikanten rundeten den Abend ab.
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