AfD plant Rede der Bundesvorsitzenden in Festhalle Rieden - Kundgebungen in Amberg und Kreuth geplant [Aktualisierung]
Auftritt von Frauke Petry in Kreuth macht die Pferde scheu

In der Riedener Festhalle soll am Samstag, 1. Oktober, AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry sprechen. Ein breites Bündnis versucht, das zu verhindern. Bild: Wolfgang Steinbacher
Politik
Rieden
22.09.2016
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AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry. Bild: dpa

Was haben Frauke Petry, Flüchtlinge und Pferde gemeinsam? Sie alle treffen am 1. Oktober in der Oberpfalz aufeinander. Nach einem Auftritt in der Meistersingerhalle in Nürnberg am Nachmittag, kommt die Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) um 19 Uhr in die Festhalle Rieden im Ortsteil Kreuth bei Amberg. So zumindest kündigen es die Facebook-Seiten der AfD an. Die Halle bietet Platz für etwa 2000 Personen.

Und hier kommen die Pferde und Flüchtlinge ins Spiel. Denn zeitgleich findet in der Ostbayernhalle direkt daneben ein Reitturnier statt. Dazu kommt, dass in unmittelbarer Nähe mehr als 50 Flüchtlinge untergebracht sind. Gesellschafter des gesamten Geländes, auch bekannt als Gut Matheshof, ist die EWS Immobilien-, Treuhand- und Vermögensverwaltung mit Geschäftsführer Johannes Schmidt.

Viele AfD-Anhänger aus der Region erwartet


Die Partei-Veranstaltung wird vermutlich viele Anhänger aus der Region anziehen. Der Auftritt von Petry werde "Auftakt und sicherlich erster Höhepunkt in der Oberpfalz vor den Bundestagswahlen 2017" sein, kündigt der AfD-Kreisverband Amberg-Neumarkt auf seiner Internetseite an.

Doch noch hoffen viele, dass Petrys Besuch verhindert werden kann. Reinhold Strobl, Landtagsabgeordneter der SPD, hat über die "Initiative Sulzbach-Rosenberg hilft" davon erfahren und macht sich große Sorgen: "Was diese Partei in ihrem Programm will, ist grob fahrlässig. Der Auftritt in Rieden kann auch negative Auswirkungen auf den Tourismus haben." Er habe sich mit der Vizepräsidentin des Landtags Inge Aures zusammengetan, und gemeinsam setzten sie sich mit Johannes Schmidt von der EWS in Verbindung. "Wir haben ihn erst einmal gefragt, ob er weiß, wem er da die Räume vermietet hat und ihn gebeten, er soll mal die Verträge prüfen", erzählt Strobl. Ungeduldig wartet er seitdem auf eine Antwort.

Vertrag für Halle gekündigt


Noch besteht die Möglichkeit, dass der Termin abgesagt wird. "Es ist noch nicht sicher, ob das stattfindet", bestätigt Riedens Bürgermeister Erwin Geitner (CSU). EWS-Geschäftsführer Schmidt hat dem Vernehmen nach über seine Anwälte den Mietvertrag mit der Partei aufkündigen lassen. Der Grund: Vertragsbruch. Offenbar meldete die Partei eine geschlossene, nichtöffentliche Veranstaltung mit etwa 300 Teilnehmern an. Das ist nicht der Fall: Die Veranstaltung ist öffentlich und wird breit beworben. Auf eine Reaktion der AfD warteten die Beteiligten bis Redaktionsschluss vergebens. Bürgermeister Geitner treiben noch andere Sorgen um: "Ich sehe auch im Hinblick auf die untergebrachten Flüchtlinge ein Sicherheitsrisiko. Wenn man sieht, was die Partei propagiert, geht von vielen ein Gefährdungspotential für die Flüchtlinge aus." Auch die Polizei sei bereits eingeschaltet, um das Gelände am 1. Oktober abzusichern.

Georg Söldner, SPD-Gemeinderat in Rieden, weist auf eine zusätzliche Gefahr hin. Direkt neben der Festhalle findet in der Ostbayernhalle ein Reitturnier statt. "Auch das Sicherheitsrisiko der Reiter und Pferde ist nicht tragbar. Trillerpfeifen könnten die Pferde scheu machen", sagt er. Als "Indian Summer Show 2016 - das Newcomer-Turnier" wird die Reitsportveranstaltung beworben, bei der Organisatorin Renate Gruber 250 Pferde und etwa 600 Personen erwartet. Sie wusste nichts vom AfD-Auftritt in der angrenzenden Halle und hat Bedenken wegen der Lautstärke: "Pferde sind schreckhafte Tiere. Da kann es Probleme geben." Vor allem wenn der Verkehr auf den Parkplätzen nicht umgeleitet wird, "bricht das Chaos aus".

Breites Bündnis gegen Petry-Auftritt

Falls die Veranstaltung nicht wegen scheugemachter Pferde, Flüchtlinge und Politiker abgesagt werden kann, plant ein Bündnis aus Parteien und vielen gesellschaftlichen Gruppen eine Protestkundgebung gegen Petry.

„Bunt, kreativ, laut!“ So wollen zivilgesellschaftliche Gruppen auf den geplanten Auftritt der AfD-Bundeschefin Frauke Petry Gut Matheshof in Kreuth reagieren. Das „Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte“ plant Kundgebungen am Samstag, 1. Oktober, ab 14 Uhr auf dem Amberger Marktplatz und ab 18 Uhr im Riedener Ortsteil Kreuth.
Viele Parteien, Gewerkschaften und Initiativen sind mit dabei. Der Sprecher des Bündnisses, Hans Lauterbach, kündigt viele kreative Aktionen auf dem Marktplatz an. „Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, dass die AfD nicht nur fremdenfeindliche, sondern auch frauen- und ökologiefeindliche sowie andere gesellschaftlich fragwürdige Themen im Programm hat.“ Auch wenn der Petry-Auftritt in Kreuth doch noch abgesagt wird: „Die Veranstaltung in Amberg findet trotzdem statt“, bestätigt Lauterbach. Falls die Bundeschefin für ihre Rede an einen anderen Ort ausweiche, werde man sich spontan dort versammeln.

Interview mit dem Sprecher des "Oberpfälzer Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte" Hans Lauterbach


Wie haben Sie von dem Auftritt erfahren und was war Ihre Reaktion?
Hans Lauterbach: Ein Mitglied von "Sulzbach-Rosenberg hilft" hat das auf den Facebook-Seiten der AfD Weiden und Amberg entdeckt. Die haben den Auftritt groß angekündigt. Da haben wir uns gedacht, wie wollen verschiedene Unterstützer finden, die gegen diesen Auftritt sind.

Warum finden Sie es wichtig, darauf zu reagieren?

Wir wollen die Bürger dazu bringen, sich mit den Inhalten der AfD auseinanderzusetzen - nicht nur mit den Positionen zu Flüchtlingen und Einwanderung, sondern etwa auch zu Umwelt oder Mindestlohn.

Was ist an Protesten geplant?

Es wird Kundgebungen und Demonstrationen geben. Dazu formiert sich gerade ein Bündnis aus zahlreichen Unterstützern aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen.

Warum, denken Sie, kommt die AfD gerade in die Oberpfalz und was könnte das für Auswirkungen haben?

Ich denke, dass die AfD ganz bewusst den Landkreis Amberg-Sulzbach als Auftrittsort gewählt hat. Denn hier gibt es ein intaktes Ehrenamt und keinen Konflikt zwischen der Bevölkerung und Flüchtlingen. Genau an dieser Stelle wollen sie eine gesellschaftliche Spaltung herbeiführen.
9 Kommentare
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Rene Kinderlein aus Sulzbach-Rosenberg | 23.09.2016 | 07:58  
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Peter Janotta aus Freystadt | 23.09.2016 | 10:16  
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theo bode aus Tirschenreuth | 23.09.2016 | 12:17  
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P Kern aus Weiden in der Oberpfalz | 23.09.2016 | 12:32  
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Hans Reichl aus Weiherhammer | 23.09.2016 | 13:35  
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 23.09.2016 | 19:52  
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Dr. Jürgen Spielhofen aus Weiden in der Oberpfalz | 24.09.2016 | 10:20  
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Dr. Jürgen Spielhofen aus Weiden in der Oberpfalz | 24.09.2016 | 10:20  
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Stefan Berzl aus Arrach | 24.09.2016 | 21:31  
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