Infogespräch mit Landrat
Klartext im Wirtshaus

Landrat Richard Reisinger (rechts) meinte im CSU-Wirtshausgespräch zur niedrigen Pro-Kopf-Verschuldung des Landkreises: "Das darf man nicht laut sagen, das weckt bei den Bürgermeistern Begehrlichkeiten." Mit im Bild Ensdorfs Bürgermeister Markus Dollacker. Bild: sön
Politik
Rieden
12.05.2016
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"Wir loben den Freistaat nicht immer, aber bei der Breitbandförderung, da loben wir ihn", betonte Landrat Richard Reisinger im Gasthaus zur Dorfschmiede. Im Wirtshaus-Infogespräch wurden aber noch andere Themen erörtert.

Thanheim. "Es tut uns gut", sagte er beim Informationsgespräch, das CSU-Vorsitzender Johann Bösl initiierte, auch zum Kommunal-Investitionsprogramm des Freistaats. Mit 4,6 Millionen Euro würden elf Projekte im Landkreis gefördert, darunter als einziges im unteren Vilstal der barrierefreie Übergang vom Kindergarten zur Kinderkrippe in Ensdorf, für den 102 587 Euro zur Verfügung gestellt würden.

Projekte gefördert


"Dass auch zwei Landkreisprojekte, die energetische Sanierung der Turnhalle des Sonderpädagogischen Förderzentrums sowie ein barrierefreier Aufzug im HCA-Gymnasium in Sulzbach-Rosenberg, in die Förderung fielen, freue ihn sehr. Bei derzeit 2,8 Prozent liege die Arbeitslosigkeit im Landkreis. Langsam aber stetig steige auf kommunaler Ebene die Steuerkraft "und es wird auffallend weniger gejammert", fuhr Reisinger fort. Selbstverständlich gäbe es auch soziale Schieflagen, hinter denen sich die Schicksale vieler Niedriglohnempfänger verbergen würden.

Tiefer stieg der Landrat in die Haushaltszahlen des Landkreises ein, führte aus: "Die leicht erhöhte Kreisumlage der Gemeinde Ensdorf von rund 772 000 Euro beträgt 1,98 Prozent der Gesamtumlage." Sorge bereite die Jahr für Jahr steigende Jugendhilfe mit derzeit zehn Millionen Euro. Für das Jobcenter müssten 4,2 Millionen Euro aufgewendet werden "das beim derzeitigen Niedrigstand der Arbeitslosigkeit". Die Pro-Kopf-Verschuldung des Landkreises werde bei etwa 56 Euro liegen, so Reisinger, "aber das darf man nicht laut sagen, das weckt sonst bei den Bürgermeistern Begehrlichkeiten." Auch das Thema Flüchtlinge sprach er an. Bei der Ensdorf als Pionier ein vorbildliches Betreuungsnetz aufgebaut habe. "Dann aber wurden wir im August überrollt."

Keine Überfremdung


Derzeit sei der Landkreis in einer Art Schwebezustand, "aber bei 1100 Migranten und etwa 80 Jugendlichen kann man bei über 100 000 Landkreiseinwohnern nicht von einer Überfremdung sprechen". Er betonte die oft altersbedingten Probleme bei der Integration, sagte auch "die Flüchtlinge werden auf den Arbeitsmarkt zukommen und wir können sie wirklich brauchen". Reisinger sah in seinen Ausführungen den Landkreis mit der Stadt Amberg als Bildungsregion - "80 Prozent der Studierenden an der OTH bleiben hier" - und mit dem ZEN in Ensdorf ein Aushängeschild einer Öko-Modellregion. Das ehrenamtliche Engagement, so Landrat Reisinger, sei ein ungeheures Kapital, das die Menschen zusammenhalte. Müllgebühren, glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel, Probleme mit Bibern und interkommunale Zusammenarbeit wie beim Naturpark Hirschwald waren weitere Diskussionsthemen.

Zitate"Die Rückführung, etwa von Balkanflüchtlingen, mag gesetzlich richtig sein - aber da stehen menschliche Schicksale dahinter."

"Krankenhäuser erfordern in der heutigen Zeit Geld - das muss man in die Hand nehmen."

"Der Biber ist, ob es uns gefällt oder nicht, strengstens geschützt."

"Glyphosat, das ist ein Thema, das man erst nehmen muss. Ich richte da den Appell, es zu vermeiden, auch an alle Gärtner."

Landrat Richard Reisinger
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