Kommentar zum Petry-Auftritt in Rieden und den Gegenprotesten
Ein bitterer Vorgeschmack

Politik
Rieden
02.10.2016
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Es war die erste Großveranstaltung der AfD in der Oberpfalz überhaupt. Und ein bitterer Vorgeschmack auf einen erbitterten Wahlkampf 2017. So unversöhnlich standen sich politische Gegner selten gegenüber. Vier Beobachtungen:

1. Die AfD findet auch in der Oberpfalz einen üppigen Resonanzboden. Das Schattendasein ist beendet. Die meisten der rund 500 Gäste in der Riedener Festhalle kamen nicht nur aus Neugier. Sie klatschten eifrig, wenn es gegen Flüchtlinge und den Islam ging. Dagegen nahm sich der Protest des Oberpfälzer Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte - so kreativ er gestaltet gewesen sein mag - doch eher bescheiden aus.

2. Das Klima ist vergiftet. Dennoch tut Differenzierung not. Die Warnung vor völkischen, rechtsextremen Tendenzen in der AfD-Führung ist gerechtfertigt. Aber es ist nicht wirklich klug, alle, die mit der AfD sympathisieren, in die braune Ecke zu stellen.

3. Die AfD muss aufpassen, dass ihr die Geister, die sie rief, nicht entgleiten. In der Riedener Festhalle war mit Händen zu greifen, dass sich viele noch viel deftigere Kost erhofft hätten. Petry bekam den meisten Beifall, wenn sie über Flüchtlinge, den Islam und die Kanzlerin herzog. Der Beifall wäre vermutlich noch frenetischer ausgefallen, wenn Petry alle Register gezogen hätte.

4. Die CSU fährt einen gefährlichen Kurs. Nicht dass die CSU auf dem Amberger Podium vermisst worden wäre. Aber sich so gar nicht positionieren gegen die AfD? Das lässt tief blicken. Die AfD sieht mit Wonne, wie die CSU Teile ihrer Programmatik aufsaugt.

albert.franz@derneuetag.de
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