Bierspektakel in Rieden
Und es gilt immer noch

Vermischtes
Rieden
18.04.2016
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Bereits am Nachmittag vor dem "Spectaculum furiosum" war Heimatpfleger Hubert Haas mit rund 50 Interessierten zu einer wirtshausgeschichtlichen Wanderung durch Rieden aufgebrochen. Bis etwa 1920 betrieben demnach die damals 14 Riedener Wirte in der Hirschwalder Straße ein gemeinsames Brauhaus. Sie hätten sich jedoch zerstritten und ihr Bier dann von auswärtigen Brauereien bezogen. Haas hatte auch viele anekdotenhafte Geschichten rund ums Bier parat und von einem tödlichen Unfall, der knapp acht Jahre alte Knaben Vinzenz Zattler, "am 7. Oktober 1874 im Brauhaus in das siedende Wasser im Braukessel fiel und infolge dessen starb". Die Führung endete pünktlich zur Freibierverkostung vor dem Landgasthof "Zum Bärenwirt".

500 Jahre Reinheitsgebot, das ist den Riedenern ein bierseliges "Spectaculum furiosum" wert.

Rieden. (sön) Altdeutsche Tänze schmetterten passend Miroslaw Zgrzendek und Sophie Rüth mit ihren Trompeten vom Treppenaufgang des Landgasthofs "Zum Bärenwirt", um das Ereignis anzukündigen. Denn Herzog Wilhelm IV., alias Armin Hofrichter, verkündete dem staunenden Volk "Wir wollen das füran allenthalben in unseren Stetten, Märckten und auf dem Lande zu kainem Pier, merer stückh, dann allein Gersten, Hopfen und Wasser genommen und gebraucht solle werden."

Welche Konsequenzen das haben sollte, wurde nicht verschwiegen. "Welcher diese unnsere ordnung wissentlich überfahrn und nit halten würde, dem sol von seiner gerichtsobrigkeit dasselbig Fass pier zustraff unnachlässlich so oft es geschicht genommen werden." Dass die Strafe auf dem Fuß folgen konnte, erfuhren die Riedener und auch angereistes auswärtiges Volk, als der bayerische Herzog einen Schluck Bier nahm, ihn ausspie und wetterte: "Das Bier schmeckt wie das Wasser aus dem Entenweiher und ist eine Beleidigung für unser Bayerland!"

So nahm das Schicksal seinen Lauf, der Landrichter (Gerhard Schnabel) hatte das Wort und am Ende stand der Missetäter am Pranger und wanderte in den Kerker. Die Zuschauer aber labten sich derweil am Freibier der Paulaner-, Winkler-, Lederer- und Weltenburger-Bräu, die sich ebenso wie der Heimatverein, Goaßlandler und Bärenwirt an dem Spektakel beteiligt hatten. Dort stimmte Ulrike Bergmann ihre Drehleier an und spielte Lieder, "wie man sie früher im Wirtshaus sang. "Herr Wirt, uns dürstet allzu sehr" etwa von Oswald von Wolkensteim, einem Minnesänger des 14. Jahrhunderts. Während sich die Gäste an bayerischen Bieren und Spezialitäten aus der Bärenwirts-Küche delektierten gab es dann auch noch Unterhaltung rund ums Bier. Etwa eine Blind-Bierverkostung, bei der sich die wahren Kenner erweisen sollten.
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