Leerer Geldbeutel wird im Fischzug würdig zu Grabe getragen – Freibier fließt
Heringe und ein Meer aus Tränen

Für die Speisung ihrer Mitstreiter und vieler hungriger Riedener waren Peter Gradl (links) und Jürgen Wendl verantwortlich. Es gab - was sonst - Fisch und Brot als Unterlage für viele Krüge Freibier. Bilder: sön (2)
Vermischtes
Rieden
10.02.2016
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"O mein lieber Geldbeutel, du armer Hund, musst von uns gehen - warst die letzte Zeit net g'sund", psalmodierte Prediger Stefan Fuchs, als am gestrigen Aschermittwochabend vor dem ehemaligen Rathaus in Rieden das im Fasching arg geschundene Portemonnaie mit viel Tränen und unter Anteilnahme der Bevölkerung begraben wurde. Die in Frack und Zylinder gewandeten Mannsbilder hatten zu diesem Zeitpunkt schon eine anstrengende Tour hinter sich gebracht, seit Mittag einige Mühsal auf sich genommen. Im Landgasthof Zum Bärenwirt waren sie um die Mittagsstunde zum 41. Riedener Fischzug gestartet. Dank der spendablen Wirte stärkten sie sich mit Freibier, um den traurigen Augenblick des Geldbeuteleingrabens körperlich und seelisch besser überstehen zu können. Fuchs kommandierte: "Fischzug, Achtung! Ohne Tritt marsch", und dann herrschte Stille. Denn während des Zuges von Wirtshaus zu Wirtshaus ist Reden, Lachen und in den Lokalen das Pfeifen und Singen verboten.

Strenge Ordnung


Streng achten Ordnungsstrafenhüter Norbert Scharl und Kurt Zittlau auf die Regeln, kassieren bei Verstößen ab. Auf einer alten Misttrage wird er von den zwei Auserwählten, dem Meier Andreas und dem Weinfurtner Thomas feierlich mitgeführt: der leere Geldbeutel, von brennenden Kerzen umrahmt, mit Blumen geschmückt. Auch hier tritt Norbert Scharl in Aktion: Bei Diebstahl des Geldbeutels müssen die Hüter einen saftigen Obulus entrichten.

Das Freibier der Wirte inklusive des letzten Tropfens zu vernichten, ist vornehme Pflicht der Fischzügler. In allen Riedener Wirtshäusern und bei mehreren Privatstationen musste gestern diese schwere Pflicht erfüllt werden. Damit dies zu bewältigen ist, werden Heringe und einige Wecken Brot von Jürgen Wendl und Peter Gradl mitgeführt und als Unterlage verzehrt. "Wir danken euch für Gastlichkeit, für Freibier an die Männerschar. Es hat uns alle sehr gefreut, auf Wiederseh'n bis nächstes Jahr" bedankten sich artig die Matadore des Aschermittwochs bei den Wirten und edlen Spendern.

Bei der Einkehr im Löwenwirt stand aber noch eine besondere Ehrung auf dem Programm: Fischzugchef Stefan Fuchs konnte Peter Gradl für 25-malige, Kurt Zittlauf gar für 40-malige Teilnahme am Riedener Fischzug mit Urkunden auszeichnen. Mit Gejammer und lautem Heulen wurde dann nach über sieben Stunden mit viel Willenskraft ausgeübtem "Biervernichten" der leere Geldbeutel im Schein von Kerzen beim alten Rathaus zu Grabe getragen. Mit einem gemeinsamen Fischessen beim Bärenwirt fand der Zug sein Ende.
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