Vortrag zum kulturellen und religiösen Umgang mit dem Tod vor Ausstellungseröffnung
Sterbebilder aus der Gemeinde Ensdorf

Hans Weiß, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreis Kloster Ensdorf, eröffnete die Ausstellung „Sterbebilder aus der Gemeinde Ensdorf“ im Kreuzgang des Klosters.
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08.11.2016
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"Sterbebilder sind ein Spiegelbild der Gesellschaft, des Zeitgeschehens": Das sagt Hans Weiß, der sich mit diesem Thema befasst hat. Einblicke gewährt momentan eine Ausstellung im Kloster Ensdorf.

Ensdorf. (sön) Sterbebilder belegen aber auch "den kulturellen und religiösen Umgang mit dem Tod", wie Weiß in seinem Vortrag zur Ausstellungseröffnung sagte. Der Freundeskreis Kloster Ensdorf und die salesianischen Mitarbeiter Don Boscos hatten zur Einführung in die Geschichte und Entstehung dieses Brauchs sowie zur begleitenden Ausstellung "Sterbebilder aus der Gemeinde Ensdorf" eingeladen.

Mit der Zeit gewandelt


Bei Katholiken in der Oberpfalz sei das Sterbebildl, das beim Trauergottesdienst verteilt werde, "allgemein üblicher Gebrauchsgegenstand", sagte Weiß. Seit dem frühen 17. Jahrhundert gebe es diesen in der heutigen Form - außerhalb Süddeutschlands auch Totenzettel genannt. Volkstümlich wurde die Ausgabe dieser Erinnerungsstücke mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Auch dem "einfachen Mann" war es nun möglich, Informationen auf den Sterbebildern zu lesen. Deren Form wandelte sich laut Weiß natürlich auch im Lauf der Zeit. So wurde das ab 1890 meist aufgeklebte Foto der Verstorbenen um 1915 durch ein Klischeebild ersetzt.

Die Zeit der Kriegsparolen


Zudem wurde vor 1960 nur das Sterbedatum angegeben - und, anstelle des Geburtsdatums, das Alter zum Todeszeitpunkt. Weiß begründet das damit, dass "bei Katholiken dem Geburtstag gegenüber dem Namenstag ein wesentlich geringerer Stellenwert eingeräumt wurde". Er ging auch auf die "Gefallenenbilder mit Ganzporträt" der beiden Weltkriege ein. Kriegs- und nationalistische Symbole und Parolen ersetzten ab 1941/42 religiöse Darstellungen und Texte: Nach der damaligen Ideologie starben die Soldaten den Heldentod "für Führer, Volk und Vaterland".

Nach 1950 schmückten dann Reproduktionen berühmter Künstler die Vorderseiten der Sterbebilder. Seit Ende des vergangenen Jahrhunderts änderte sich die Darstellung, weg vom christlichen Motiv und häufig hin zu stimmungsvollen Herbst- und Abend-Landschaften oder auch zu Blumenbildern. Anschließend eröffnete Hans Weiß, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreis Kloster Ensdorf, die Ausstellung "Sterbebilder aus der Gemeinde Ensdorf" im Kreuzgang des Klosters. Diese ist noch bis Sonntag. 13. November, von 9 bis 18 Uhr zu besichtigen.
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