70 Tonnen Metall gestohlen

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Roding
19.11.2015
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Die Staatsanwältin brauchte einen langen Atem, als sie die 17-seitige Anklageschrift vorlas. Mindestens 25 Schüttcontainer, große Mengen von Messingabfällen und Messingspänen hatten die fünf Angeklagten gestohlen. Der Kopf der Bande sollte in der betroffenen Firma für die Sicherheit sorgen.

Auf der Anklagebank vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richterin Dr. Bettina Mielke sitzen vier Männer im Alter von 26 bis 45 Jahren sowie die gleichaltrige Ehefrau des 45-Jährigen. Neben der Vielzahl an Buntmetalldiebstählen in den vergangenen zwei Jahren, die allen fünf vorgeworfen wird, sind die beiden 26-Jährigen überdies der gefährlichen Körperverletzung und der vorsätzlichen Körperverletzung angeklagt. Tatort war eine Chamer Discothek.

Ein 26-Jähriger war in einem Unternehmen der Heiz- und Klimatechnik als Sicherheitsmitarbeiter beschäftigt. Im Alleingang soll er in 13 Fällen insgesamt mehr als fünf Tonnen Buntmetall auf die Seite geschafft und dafür über 15 000 Euro kassiert haben. Mit den anderen Angeklagten entwendete er bei 16 "Einkaufsfahrten" annähernd 65 Tonnen Metall, das sie an Schrotthändler in Regensburg und Hundertdorf verkauften. Dafür kassierten sie knapp 250 000 Euro.

Eigener Gabelstapler

Zum Abtransport der Beute hatte die 45-jährige Angeklagte Fahrzeuge angemietet, die auf dem Werksgelände mit einem Gabelstapler oder einem Flurförderzeug beladen wurden. Teilweise wurde das Diebesgut in der Garage eines der Angeklagten zwischengelagert. Um es bewegen zu können, schafften die Angeklagten eigens einen Gabelstapler an. Aufgeflogen ist die Bande, als sie an Allerheiligen 2014 einen Transporter mit 3000 Kilogramm Messingspänen auf einem Parkplatz in Roding abstellte. Als sie das Fahrzeug anderntags abholen wollte, schnappte die Falle zu.

Die beiden 26-Jährigen sollen sich zudem im August letzten Jahres in einer Chamer Discothek eine Schlägerei mit vier Polizeibeamten geliefert haben, die sich dort privat in Zivil aufhielten. Angezettelt worden war der Streit vom Hauptangeklagten, der einen der Beamten beleidigt hatte. Als der später Geschädigte gehen wollte, folgte er ihm und schlug mit seinem Kumpan auf ihn ein, auch als das Opfer bereits auf dem Boden lag. Auch die anderen Beamten wurden attackiert. Die herbeigeeilten Security-Mitarbeiter der Discothek versuchten, die Lage zu entschärfen und forderten die Polizisten auf, die Discothek zu verlassen. Der Hauptangeklagte folgte ihnen und schlug einem der Beamten eine Flasche auf den Kopf.

Deal oder kein Deal?

Nach einem mehrstündigen Rechtsgespräch nahm der Hauptangeklagte das Angebot einer Freiheitsstrafe zwischen drei Jahren und neun Monaten und vier Jahren und drei Monaten an. Bei der Körperverletzung schränkte er das Geständnis ein. Er habe in jener Nacht eineinhalb Liter Jack Daniel's getrunken und könne sich kaum mehr erinnern. Die weiteren Angeklagten ließen sich auf keinen Deal ein. Ihnen waren Strafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten und vier Jahren in Aussicht gestellt worden. Am härtesten trifft es wohl den zweiten 26-Jährigen. Der vorbestrafte Mann soll zwischen fünfeinhalb und sechseinhalb Jahren in Haft, da er zur Tatzeit unter laufender Bewährung stand.
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