Mehr als 12000 Tiere müssen gekeult werden
Verdacht auf Vogelgrippe im Landkreis Cham

Bild zu Vogelgrippe im Landkreis Cham
Archiv
Roding
06.12.2015
82
0
Auf einem Geflügelhof im Stadtgebiet von Roding (Landkreis Cham) herrscht seit dem Wochenende Ausnahmezustand. Eine Routineuntersuchung der Tiere hatte Laborbefunde erbracht, die auf eine Infektion mit einem Geflügelpesterreger hindeuten. Um welchen Typ es sich handelt und ob es der Vogelgrippevirus H5N1 ist, das werde derzeit anhand weiterer Laboruntersuchungen geklärt, sagt Landratsamtsprecher Friedrich Schuhbauer am Sonntag. Für Menschen bestehe jedoch keine Gefahr.

Bereits am Freitag, als ein „Vorverdacht“ vorlag, habe das Landratsamt unverzüglich die Sperrung des betroffenen Anwesens verfügt. „Wir haben die Mitteilung bekommen, dass eine Infektion wohl vorhanden sein kann“, formuliert Schuhbauer mit Bedacht. Da der Erreger leicht auf Tiere übertragbar sei, durften ab diesem Zeitpunkt weder Tiere noch tierische Produkte das Anwesen verlassen.

Nach dem ersten Verdacht bestätigten am Samstag weitere Untersuchungen durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das Nationale Referenzlabor, das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI), dass die Tiere von einem Erreger befallen sind.

Daraufhin habe am frühen Sonntagmorgen eine Fachfirma mit der Keulung von 12 900 Legehennen, Enten, Gänsen und Puten begonnen. Für diese drastische Maßnahme reicht bereits der „amtliche Verdacht“ aus. Laut Geflügelpestverordnung muss in diesem Fall aus seuchenhygienischen Gründen der gesamte Geflügelbestand getötet werden, um die Ausbreitung des Erregers auf andere Tierbestände zu verhindern.

Die Kadaver werden in einer Tierkörperbeseitigungsanlage „unschädlich beseitigt“, das heißt zu Tiermehl und Tierfett verarbeitet und anschließend verbrannt. Danach wird der komplette Hof gereinigt und desinfiziert.
Die Keulung habe das Landratsamt am Samstagabend veranlasst und in Abstimmung mit dem Betriebinhaber vorbereitet. Beteiligt seien außerdem die Regierung der Oberpfalz, das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Bei der Keulung vor Ort waren laut Schuhbauer auch Amtstierärzte des Landkreises
.
Die Aktion begann dann am Sonntag gegen 4.45 Uhr. Feuerwehr und THW riegelten den betroffenen Hof, für den strenges Betretungsverbot gilt, weiträumig ab und richteten eine Desinfektionsschleuse ein. Jeder Zutritt könne zur Weiterverbreitung beitragen, sagte Schuhbauer. Deshalb wurden sowohl Anwohner als auch Medienvertreter gebeten, den Umkreis des Geflügelhofs zu meiden. Ein Sperrgebiet, das dann mehrere Kilometer im Umkreis umfassen und weitere Maßnahmen nach sich ziehen würde, gibt es allerdings (noch) nicht, betonte Schuhbauer. Das müsste laut Aussage des Pressesprechers erst eingerichtet werden, wenn sich der Verdacht auf Vogelgrippe bestätigt hat. Dazu fehle noch der letzte Befund. Ein Ergebnis lag am Sonntag noch nicht vor.

„Momentan beschränkt sich die Sperrung auf den Betrieb“, sagt Schuhbauer.
Das Landratsamt geht auch davon aus, dass die Gesundheit der Bevölkerung generell nicht gefährdet ist. Selbst dann nicht, wenn Geflügelfleisch und Eier verzehrt werden (siehe Artikel unten).

An Geflügelhalter appelliert das Landratsamt, ihre Tierbestände anzuschauen und unklare Krankheits- oder Todesfälle schnellstmöglich untersuchen zu lassen. Gibt es einen Verdacht, müsse umgehend das zuständige Veterinäramt informiert werden. Bei der Geflügelpest handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche. So könnten die Geflügelhalter auch in nicht betroffenen Gebieten ihren Beitrag gegen die Ausbreitung des Seuche leisten.

Die Untersuchung, die den Geflügelpestverdacht auf dem Hof in Roding erbracht hat, sei Teil eines routinemäßigen Monitorings gewesen, erklärt Schuhbauer, um möglichen Spekulationen vorzubeugen. Er betont: „Das hat absolut nichts mit der Betriebsführung zu tun.“

Info

Das Landratsamt Cham hat ein Bürgertelefon zu gesundheitlichen Fragen unter Telefon 0 99 71/ 7 84 50 eingerichtet. Weitere Informationen zu Fragen hinsichtlich der Unbedenklichkeit von Lebensmitteln finden sich im Internet auf den Seiten des Bundesinstituts für Risikobewertung unter http://bit.ly/1TtCUvA, des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter http://bit.ly/1SGM87z und des Robert-Koch-Instituts unter www.rki.de.
Weitere Beiträge zu den Themen: H5N1 (1)Geflügelpest (11)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.