Ausgrabungen neben der Pfarrkirche St. Nikolaus in heimrichskirchen mit erstaunlichen Details
Mit Obolus ins Jenseits

Die Archäologen fanden in den freigelegten Gräbern auch Hinweise auf eine Bestattungskultur, die bereits in der Antike verbreitet war. Bild: Dr. Hensch/hfz
Vermischtes
Rötz
18.06.2016
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Gleich neben der Sakristei der Pfarrkirche St. Nikolaus stoßen die Archäologen auf Gebeine. Diese Toten ruhen hier gerade mal seit 200 Jahren - und doch sind sie nach einem Brauch bestattet, der aus der griechischen Mythologie bekannt ist.

-Heinrichskirchen. Im Vorfeld der Baumaßnahmen zur Erweiterung der Sakristei der Pfarrkirche St. Nikolaus Heinrichskirchen fanden archäologische Ausgrabungen im Areal daneben statt. Diese Maßnahme war Bestandteil der Baugenehmigung. Der geplante, unterkellerte Sakristeianbaues liegt nämlich innerhalb einer Bodendenkmalfläche und gehörte bis 1951 zum Friedhof.

Tatsächlich stießen die Archäologen hier auf Teile dieses ehemaligen Friedhofes, der erfasst und untersucht werden konnte. Mit erstaunlichen und geschichtsträchtigen Ergebnissen, so Grabungsleiter Dr. Mathias Hensch von der Schauhütte- Archäologie in Lappersdorf.

Die untersuchten Gräber nördlich der Kirche gehören größtenteils in das 19. Jahrhundert. Dies ließ vermuten, dass im Mittelalter und in der frühen Neuzeit der Friedhof eher südlich der Kirche lag. Dennoch gaben Reste von Kleidungsstücken, Elemente der Totentracht, Rosenkränze, hölzerne und metallene Kruzifixe, Applikationen, Fingerringe und Münzen den Experten viele interessante Einblicke in die Begräbniskultur der nordöstlichen Oberpfalz. So wurde etwa noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einem Verstorbenen eine Münze in den Mund gelegt.

"Diese Sitte ist bereits aus der Antike belegt und zeugt von einem lebendigen Aberglauben in der dörflichen Bevölkerung", erklärt Dr. Hensch. Solche Gegenstände wurden damals in der Regel als Bezahlung für den Fährmann "Charon" mitgegeben. Dieser sollte die Verstorbenen über den Fluss Styx in das Totenreich bringen.

Über 1000 Jahre alt


Von siedlungsgeschichtlicher Bedeutung sind zudem Funde frühmittelalterlicher Fragmente eines Gefäßes aus dem neunten Jahrhundert. Diese Keramikfunde belegen wie auch die Reste einer mit Holzkohle durchsetzten Bodenschicht eine ältere frühmittelalterliche Siedlung des achten und zehnten Jahrhunderts. Die gefundene Holzkohle wird zur Zeit auf ihr genaues Alter hin untersucht. Erst im Hochmittelalter (elftes und zwölftes Jahrhundert) erhielt diese ältere Siedlung wahrscheinlich eine Kirche, vermutet Dr. Hensch. Der Name dieser Siedlung sei wohl zugunsten der Ortsbenennung nach dem Kirchenstifter aufgegeben worden.Nach bisherigen Erkenntnissen wird Heinrichskirchen im Jahre 1285 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Nach Meinung von Dr. Hensch kommen für den Ort drei Vertreter als mögliche Kirchengründer und Namensgeber in Betracht. Einmal Kaiser Heinrich II. (regierte von 1102 bis 1024), der dem neu gegründeten Bistum Bamberg nach 1007 eine große Anzahl an Königsgütern in der heutigen Oberpfalz schenkte. Darunter befand sich beispielsweise die 17 Kilometer westlich von Heinrichskirchen gelegene Ortschaft Wenigrötz (Ortsteil von Neunburg).

Da Heinrichskirchen in einer stark mit slawischen Ortsnamen durchsetzten Siedlungslandschaft liegt, sei es denkbar, dass die Kirche als ein Ausgangspunkt zur kirchlichen Organisation der zu großen Teilen slawischen Bevölkerung im Raum um Rötz gegründet wurde. Auch Heinrich, Graf auf dem Nordgau (980 bis 1017), käme in Betracht. Die Nordgaugrafen betrieben im Raum östlich von Nabburg vom zehnten bis zwölften Jahrhundert einen massiven Landbau mit Rodung und Ortsgründungen. Als dritter im Bunde wäre noch Graf Heinrich I. von Ortenburg und Murach (gestorben 1241) zu nennen. Zu seinen großen, von den ausgestorbenen Grafen von Sulzbach ererbten Ländereien gehörte die Burg Murach (bei Oberviechtach). Seine Familie übernahm aus dem Besitz auch die wichtige Burg Warberg bei Neunburg. Der Wahrheit am nächsten kommt wohl die Vermutung, dass der Ort Heinrichskirchen seinen Namen Kaiser Heinrich II. verdankt, meinen die Experten.

Sage widerlegt


Dass Heinrichskirchen auf Heinrich den Löwen zurückgeht, wie es eine liebgewonnene örtliche Sage erzählt, kann allerdings nach Aussage von Grabungsleiter Dr. Hensch historisch sicher ausgeschlossen werden.
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