Ein Leben mit Zöliakie

Kerstin Haid hat sich gut mit ihrer Krankheit arrangiert. Sie kauft entweder glutenfreies Brot oder backt es selbst. Bild: Huber
Lokales
Schirmitz
08.10.2014
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38 Jahre lang führte Kerstin Haid ein ganz normales Leben, ohne sich besonders über ihre Ernährung Gedanken zu machen. Vor sechs Jahren aber wurde sie krank, bekam Bauchschmerzen und nahm immer mehr ab.

(röl) Es hat Jahre gedauert, bis Haid endlich wusste, was mit ihrem Körper passiert. Seitdem der Arzt eine Glutenunverträglichkeit festgestellt hatte, hat sich ihr Leben verändert.

Als bei der Schirmitzerin die Autoimmunerkrankung auftrat, durchlebte sie gerade eine stressige Phase. "Ich dachte, die Schmerzen kämen vom Stress. Man isst schnell was zwischendurch, trinkt viel Kaffee. Dann kann das schon vorkommen." Dass Haid zehn Kilo abgenommen hatte und auch psychisch labiler wurde, hätte sie nicht auf die Ernährung zurückgeführt. Zwei Jahre dauerte es, bis ein Arzt durch einen Bluttest und eine Dünndarmbiopsie feststellte, dass die 41-Jährige eine Glutenunverträglichkeit hat.

Italien vorbildlich

Haid lebt nun seit vier Jahren mit der Krankheit. "Am Anfang traute ich mich nichts mehr so recht zu essen. Ich ging durch den Supermarkt, studierte Zutatenlisten, und wenn ich mir nicht sicher war, legte ich die Sachen wieder zurück", berichtet die Schirmitzerin. "Die körperlichen Beschwerden waren nach kurzer Zeit weg, aber mein Kopf war voll von den ganzen Dingen, die ich von nun an beachten sollte." Hinzu kommt, dass in Deutschland erst wenige Lebensmittel als "glutenfrei" gekennzeichnet werden. Anders als zum Beispiel in Italien.

Auch ihre Familie muss im Alltag auf einiges achten. Wenn das Messer schon benutzt war, dürfe man es nicht mehr für die Butter verwenden. Von Brot oder Brötchen könne Mehl in den Aufstrich gelangen. Die Butter würde sie dann nicht mehr essen, schilderte die Mutter von zwei Kindern. Bereits ein Achtel Gramm Mehl kann zu Beschwerden führen und den Dünndarm schädigen. Sie habe deshalb ihre eigenen Brotaufstriche, eigenes Brot und eigene Nudeln. Alle Küchengeräte, die mit Weizen-, Roggen- Dinkel- oder ähnlichem Mehl in Kontakt kommen, seien im Haushalt doppelt vorhanden. Haid kocht für die Familie meistens glutenfrei. Und wenn es doch einmal Nudeln gebe, dann eben zweierlei.

Restaurantbesuche werden für Zöliakie-Betroffene hingegen oft zum Problem. "Es kann vorkommen, dass nicht einmal die Köche wissen, ob das Essen glutenfrei ist. Außerdem müssen sie für mich separates Kochgeschirr verwenden", verrät Haid. Wenn sie bei Freunden eingeladen ist, nehme sie sich meist etwas zu Essen mit. Das sei unkomplizierter.

"Zöli-Bibel"

Bei Medikamenten und Kosmetik muss sie ebenfalls auf die Inhaltsstoffe achten. Die darin enthaltene Stärke könnte aus Weizen sein. Glutenfreie Produkte sind teilweise mit dem Symbol der durchgestrichenen Ähre der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) gekennzeichnet. Mehl kaufe Haid beispielsweise aus Reis oder Mais, um Brot oder Kuchen zu backen. Ansonsten gehe sie auch im Supermarkt einkaufen. Dort schaue sie aber genau auf die Zutaten. Gerstenmalzextrakte können auch in Schokolade oder Essig vorkommen.

Die Mitgliedschaft bei der DZG habe der Schirmitzerin sehr geholfen. In der "Zöli-Bibel", die jedes Mitglied bekommt, sind zahlreiche glutenfreie Lebensmittel aufgelistet und die Geschäfte, in denen man sie kaufen kann. Zu einer Selbsthilfegruppe wollte Haid zunächst nicht gehen. "Irgendwie musste ich da an einen Stuhlkreis denken, bei dem sich erst mal jeder vorstellt, um dann über seine Probleme zu reden", lacht sie. Inzwischen besucht die Frau aber regelmäßig Treffen, die an verschiedenen Orten in der Umgebung abgehalten werden. Da gingen "Zölis" auch mal zusammen wandern oder backten Brot, natürlich glutenfrei.

"Eine konsequent glutenfreie Ernährung ist sehr wichtig.", betont Haid. Durch die Ernährungsumstellung gehe es der Schirmitzerin nun endlich wieder gut. "Ich treibe Sport, ernähre mich bewusster und habe endlich wieder Energie", freute sie sich. Und das sieht man ihr auch an.
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