Pfarrer ein "Karnickel-Kind"

Lokales
Schirmitz
16.02.2015
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Auch die Kirche feiert die 5. Jahreszeit. Pfarrer Thomas Stohldreier griff in seiner Faschingspredigt dabei das berühmte "Karnickel-Zitat" des Papsts auf.

Pfarrer Thomas Stohldreier verkündete in seiner Faschingspredigt: "Ich will in Zukunft verstärkt auf die Botschaft des Heiligen Vaters eingehen und heute über ein Symbol sprechen, mit dem unser Papst ein Anliegen verbindet, das auch für uns wichtig ist."

Der Geistliche ließ sich von zwei Ministranten ein weißes Stoffkaninchen bringen, setzte seine "Spezial-Mitra" auf. Er reimte: "Das Kaninchen ist ein edles Tier, es frisst Karotten mit viel Gier. Es wird gefüttert und geschmeichelt und g'rad von Kindern gern gestreichelt, während Papa und Opa sich beraten, wann's endet als Kaninchenbraten. Doch nicht die Schlauheit und Geduld, auch nicht die Genügsamkeit hat Schuld, nicht die Lust auf einen guten Sonntagsbraten, dass das Tier in den Blick des Papstes ist geraten. Nein, eine Eigenschaft, da kann ich nur die Hände falten, Kinder tut's euch jetzt die Ohren zuhalten."

Schnell zum Beichten

Der Prediger ging auf das Kernproblem des Papstzitats ein und meinte: "Vor diesem Satz tut's mich echt bammeln: Karnickel tuen gerne - sich vermehren. So vollbringt des Papstes Weisheit ein echtes Meisterstückl: Katholiken, vermehrt euch nicht wie die Karnickel. Drei Kinder reichen. Sollten's weniger sein, ihr braucht nicht so zu gaffen, auf geht's, ihr müsst dem Defizit Abhilfe schaffen. Und wenn bei mehr als drei offenbar Maß und Ziel der Lust nicht reichten, dann ab in die Kirche: auf, auf zum Beichten."

Allerdings beschwichtigte der Pfarrer die Aussage dann doch. "Natürlich meint's der Papst nur gut, deshalb zieh' ich auch den Hut. Doch von diesem Satz, denkt man ihn weiter, ist's nur ein kleiner Sprung zum Außenseiter. Denn Familien mit vielen Kindern sind bei nicht wenigen schlecht angeseh'n. Da fallen Bemerkungen und Sätze, die sind wirklich nicht schön." Daher mahnte der Predigers das Kirchenoberhaupt. "Drum, lieber Papst, lass' solche Sätze bitte nicht mehr fahren, du bist Papst für alle, auch für Familien mit großen Kinderscharen."

Der Geistliche schwenkte später zum Thema des Tagesevangeliums und zu einem aktuellen politischen Problem um. "Außenseiter und Aussätzige, gibt es die heute noch, bei uns lebt doch kein Aussätziger in einem Loch?", fragte Stohldreier. "Aber wenn wir denken an Dauerkranke und Behinderte, an geschlechtlich anders Orientierte. Muslime, die büßen für ihre verwirrten Glaubensbrüder, die sich aufspielen als islamische Glaubenshüter. Von Schreihälsen in einen Topf geworfen, die sich Pegida nennen und mit wüsten Parolen durch die Gegend rennen. Doch auch der Normale, Brave, Religiöse kennt schlimme Schweinereien, die man Satire nennt. Wenn Menschen in den Dreck ziehen, was anderen heilig ist: Was für eine Zeit. Die dürfen das, wir haben ja schließlich Meinungsfreiheit."

Frauen benachteiligt

Stohldreier plädierte auch für eine höhere Frauenquote und kritisierte: "Trotz neuen Papsts müssen katholische Frauen nach wie vor in die Röhre schauen." Zum Schluss kam der Pfarrer nochmal zum Ausgangspunkt seiner von hintergründigem Humor geprägten Faschingspredigt zurück. "Auch nicht des Papstes Weisheit offenbar: Kaninchen und Familien mit großer Kinderschar. So gesteh' ich's am End' noch geschwind: Auch ich bin ein Karnickel-Kind."
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