Bürgermeister Löckler erinnert an Ende des Zweiten Weltkriegs und gedenkt den Opfern von Paris
Trauer um vergangene und aktuelle Opfer

Lokales
Schlammersdorf
18.11.2015
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Auch in diesem Jahr nahmen viele an der Feier zum Volkstrauertag teil. Den in der Pfarrkirche von Pater Andreas Hamberger zelebrierten Gedenkgottesdienst für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gestalteten die Bläser der Musikkapelle Dießfurt mit der Schubertmesse.

Bürgermeister Gerhard Löckler erinnerte an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Melanie Thaller, Sophie Speckner und Lea Fehlner erzählten vom Beschuss von Ernstfeld kurz vor Kriegsende auf der Basis von Zeitzeugenberichten. Am 19. April 1945 rollten Panzer von Creußen her kommend auf Vorbach zu. Am Nachmittag kamen die Panzer über Menzlas auch nach Schlammersdorf. Nachdem einige beherzte Männer den Amerikanern mit weißen Fahnen entgegen gegangen waren, geschah die Übergabe des Ortes ohne große Folgen.

Am 21. April schlugen Granaten in das Dorf ein. Östlich von Ernstfeld in Richtung Moos hatte sich eine Panzereinheit im Halbkreis formiert und schoss. Das größte Unglück traf an diesem 21. April 1945 die Familie Hofmann. Johann Baptist Hofmann versteckte sich mit seinen Eltern, seiner Frau Maria und den beiden Töchtern Barbara und Emma im Keller, der sich neben dem Stall befand. Das Stallgebäude wurde in Brand geschossen und Balken fielen vor die Kellertür. Von den dicken Rauchschwaden wurden alle bewusstlos.

Erst am Nachmittag wurden die Verletzten entdeckt. Johann Hofmann und seine Eltern jedoch kamen ums Leben. Das Dorf wurde durch den Beschuss schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Anwesen Hans Burger, Georg Walter, Josef Wiesnet, Schwemmer, Hofmann, Michael Wiesnet, Franz Müller und Johann Bodner brannten vollkommen ab. Bei Johann Heindl, Josef Püttner und bei der Familie Hirschmann gingen die landwirtschaftlichen Gebäude in Flammen auf. Somit war jede zweite Familie im Ort betroffen. Der Grund für den Beschuss ist nicht ganz geklärt. Offenbar hatten deutsche Soldaten die amerikanische Einheit angegriffen. Deshalb kehrten die Panzer nochmals um.

Bei der anschließenden Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Kriegsgefallenen gedachte Bürgermeister Gerhard Löckler auch den Opfern in Paris: "Der barbarische Akt macht sprachlos, bestürzt und betroffen." Niemand dürfe jedoch die Hoffnung aufgeben, in Zukunft in einer friedlicheren Welt leben zu können. Jeder einzelne könne hierzu seinen Teil beitragen.
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