Den Weg Jesu gehen

"Selbst wenn uns die Kriege in den anderen Ländern so fern erscheinen, müssen wir uns fragen, wie es im eigenen Leben aussieht?" Pater Adrian Kugler forderte anlässlich des Volkstrauertags jeden Einzelnen auf, im Alltag auf Versöhnung hinzuarbeiten. Bild: wmi
Lokales
Schlammersdorf
21.11.2014
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"Weil die Toten schweigen, beginnt immer wieder alles von vorn." In seiner Rede zum Volkstrauertag musste Bürgermeister Gerhard Löckler dem französischen Philosophen Gabriel Marcel Recht geben.

Denn obwohl die Menschen im Ersten und im Zweiten Weltkrieg schon mit unfassbaren Horrorerlebnissen konfrontiert worden seien, "haben sie anscheinend wenig daraus gelernt", sagte Löckler in der Feier am Kriegerdenkmal.

Der Volkstrauertag habe heuer eine besondere Bedeutung, betonte er und rief die Jahreszahlen 1914, 1939, 1989 ins Gedächtnis. Doch obwohl die Menschen 2014 immer wieder mit den schrecklichen Kriegen und der Geschichte konfrontiert seien, scheine es, als hätten sie nichts gelernt. Unabhängig vom Bürgermeister hatte Pater Adrian Kugler im Gottesdienst dieses Thema schon angesprochen. Jeder kenne die Fernsehbilder der vergangenen Monate, sagte er: Krieg im Gaza-Streifen, Bürgerkrieg in Syrien, Irak, Ukraine. Waffen, Gewalt, Tod. "Kriege brechen nicht einfach aus", zeigte sich der Geistliche überzeugt: "Kriege werden gemacht, inszeniert, gewollt."

Gewalt erzeugt Gewalt

Auch im Hinblick auf die Religion gebe es immer wieder Kriege und Auseinandersetzungen. "Wie oft werden die Religionen und Gott selbst vor den Karren der Kriegstreiber gespannt und dadurch vergiftet - auch das Christentum, obwohl Jesus eindeutig Gewaltlosigkeit gepredigt und vorgelebt hat."

Gewalt erlöse nicht, sondern erzeuge Gegengewalt, erklärte Pater Adrian. "Wie kommt es, dass die Menschheit das nicht begreift? Krieg zerstört Menschen, und er entlässt nur die Bonzen heil nach Hause! Wann wird man je verstehn?" Vielleicht komme diese Haltung davon, dass der Mensch Gewaltnachrichten gewohnt sei, meinte Kugler. Wer erzähle schon Versöhnungsgeschichten, wie die von Frederik Willem de Klerk und Nelson Mandela? Versöhnung könne sehr schwierig sein. "Aber ein Leben ohne Versöhnung kann die Hölle auf Erden sein. Gottes Geist weht da, wo Menschen beginnen, Gott auch im Anderen zu sehen."

"Wir alle kennen vermutlich die Kleinkriege am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft und in der Familie. Wenn ich beginne, in solchen Alltagssituationen den Weg zu erproben, den Jesus beschreibt, dann werde ich vielleicht auch immun gegen jede Art von Kriegspropaganda," schlug Kugler vor. Die Geschichte zeige, dass es immer wieder Einzelne seien, die etwas bewirkten.

Das reine Sachwissen holten sich die Menschen, vor allem die jungen Leute, schon längst über den Computer. "Aber das Staunen und die Ehrfurcht vor allem Lebendigen, vor der Schöpfung und der menschlichen Kultur, das werden sie aus ihrem Herzen holen müssen - wenn da bloß genügend hineingelegt worden ist."
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