Der Erfolg zeigt sich im Spiegel

60 Kilogramm links, 60 Kilogramm rechts - für Daniel Müller kein Problem.
Lokales
Schlammersdorf
13.11.2014
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Daniel Müllers Leben ist auf den 22. November ausgerichtet. Für diesen Tag steht er auf, isst er, trainiert er - der Schlammersdorfer ordnet alles seinem Ziel unter: einem Spitzenplatz bei der Bayerischen Meisterschaften der Bodybuilder.

Die Grundlagen für die wenigen Sekunden im Scheinwerferlicht vor den Preisträgern legt der 23-Jährige in diesen Wochen vor dem Wettkampf in Erlangen. Für den Sportler ist der Termin auch deshalb so wichtig, weil er sich dabei für die Deutsche Meisterschaft eine Woche später in Bochum qualifizieren kann. Müller betreibt seit 2011 Bodybuilding und hat bereits einige Erfolge vorzuweisen, nun ist es Zeit für den nächsten Schritt. Dem hat er sein ganzes Leben untergeordnet:

5.30 Uhr: Der Wecker klingelt. Der Tag beginnt mit einem Lauf auf nüchternem Magen.

Essen nach der Stoppuhr

6.30 Uhr: Frisch geduscht, ist Zeit für das Frühstück, streng nach Plan. Es gibt einen Eiweiß-Shake und einen Pfannkuchen, bestehend aus Proteinen, Haferflocken und Ei. Ungewöhnlich ist die Aufschrift auf seiner Dose mit Nahrungsergänzungsmittel: "Anabolic". Das sei nichts Verbotenes, versichert Müller: "Das Wort bedeutet einfach nur Muskelaufbau."

7 Uhr: Zeit zu verdauen nimmt sich Müller nicht, die Arbeit ruft. Leben kann er von seinem Sport nämlich nicht, obwohl er auch als Fitnesstrainer tätig ist. Der gelernte Garten- und Landschaftsbauer macht sich derzeit mit einem Handel für Dekorations- und Gartenartikel selbstständig. Die Mittagspause verbringt er dann - überraschenderweise - nicht im Schnellimbiss: "Fast Food und fettige Speisen gehen gar nicht. Erlaubt ist Gemüse, mageres Fleisch wie Hühnchen, Fisch oder Pute und nur 200 Gramm Kohlenhydrate am Tag." Fettarme Ernährung sei sehr wichtig. "Alles was schmeckt, ist eigentlich nicht erlaubt." Doch nicht nur das was, auch das Wann ist genau geplant: "Alle drei Stunden muss ich essen, um den Stoffwechsel aufrecht zu erhalten und die Muskeln zu schützen." Auf ein Kilogramm Fleisch pro Tag bringt es Müller so. "Momentan sitze ich fast den ganzen Tag im Büro", sagt Müller. Nebenbei arbeitet er als Trainer, schreibt Ernährungs- sowie Trainingspläne und arbeitet als Model. Klar, dass ihm nicht viel Freizeit bleibt.

17 Uhr: Auch nach dem offiziellen Feierabend ist alles genau getaktet. Die nächsten zwei Stunden verbringt Daniel Müller entweder in Grafenwöhr bei Manuel Bauer oder Felix Decker in Bayreuth. Beide Fitnesstrainer sind Vorbilder, sagt Müller. Er selbst sei mit seiner Form nie zufrieden, deshalb seien der Kontakt und die Beratung der Trainer wichtig. Jeden Tag arbeitet er an anderen Muskelgruppen, damit am Wettkampftag alles sitzt: Bauch, Beine, Po, Oberarme, Schultern. Dafür schindet sich Müller an 60 Kilogramm schweren Hanteln für die Arme und stemmt über 200 Kilogramm, um Brust und Beine in Form zu bringen. Müller sagt, er wisse, wofür er es macht: "Die Posen müssen perfekt sein, und es muss einfach aussehen."

Frauen eher abgeschreckt

Gar nicht so einfach sieht es dagegen mit den Frauen aus: "Die meisten Frauen sind eher abgeschreckt, wenn ich ihnen von meinem Hobby erzähle. Sie denken, dass ich nie Zeit habe, dass sie mittrainieren müssen oder sie bekommen ein schlechtes Gewissen, wenn sie nichts tun." Inzwischen hat Müller aber sein Gegenstück gefunden. "Ich bin glücklich, dass ich meine Claudia habe. Sie steht hinter mir, ernährt sich genau so wie ich, begleitet mich zu den Wettkämpfen und trainiert mit mir."

20 Uhr: Endlich daheim. Und dort bleibt Müller auch, Party machen und Alkohol sind vor einem Wettkampf verboten. "Nach der Arbeit und dem Training bin ich meist so fertig, dass gar keine Lust auf Feiern habe." Außerdem beginne der nächste Tag um 5.30 Uhr. "Das Besondere am Bodybuilding ist eben, dass über den Sieg tatsächlich in den Wochen vor dem Wettkampf entschieden wird. Beim Wettkampf selbst haben die Sportler dagegen kaum Energie wegen der harten Vorbereitung und den Verzicht auf Wasser am Tag davor." Die Kunst sei, trotzdem entspannt auszusehen. Man mache Diät, damit man keine Energie hat, trinke einem Tag vor dem Wettkampf gar nichts, damit Adern und Muskelfasern hervortreten: "Das ist Quälerei." Dennoch überwiegen für Müller die Vorteile: "Der Sport bringt Disziplin bei. Man arbeitet mehr, wird ehrgeizig, zieht etwas durch - und ich kann meinen Erfolg an meinem Spiegelbild erkennen."
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