Die Liebe steckt im Detail

Ulrich Siegmund lebt für die Malerei. Eine bestimmte Richtung verfolgt er dabei nicht. Es ist die Vielfalt, die ihn fasziniert. Bild: juh
Lokales
Schlammersdorf
25.06.2015
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Als Kraftfahrer war Ulrich Siegmund in allen Ecken Deutschlands unterwegs. Vor fünf Jahren tauschte er die Holz- gegen eine Farbpalette. Vielfalt ist dem Rentner immer noch wichtig. Heute bringt er sie auf eine Leinwand. Inspirieren lässt er sich dabei von Eindrücken, die er während seiner Fahrten gewonnen hat und davon, wie er sich die Welt außerhalb der Bundesgrenzen vorstellt.

Er sitzt in seinem mit bunten Mustern bedruckten Stoff-Wohnzimmersessel, die Hände sind gefaltet. Sein Alter wolle er nicht verraten, schmunzelt der rüstige Rentner, seine lächelnden Augen leuchten hinter der leicht verdunkelten Brille. "Für Malerei interessiere ich mich schon seit dem Kunstunterricht in meiner Schulzeit. Es gibt so viele Möglichkeiten, so viele Motive, es wird nie langweilig", betont Ulrich Siegmund. Im Jahr 1994 besuchte der Rentner seinen ersten Malkurs an der Volkshochschule.

"Ich bin damals durch ein ausliegendes Heft der VHS darauf aufmerksam geworden. Da hab ich mir gedacht, ich schau's mir mal an", erzählt Siegmund nachdenklich, während er seinen dichten, dunklen Oberlippenbart zurecht rückt. An sein erstes Bild kann sich der Rentner noch ganz genau erinnern: ein bunter Blumenstrauß in einer Vase. "Das habe ich auch noch Zuhause, ich halte es in Ehren." Wie so oft im Leben verliert man seine Leidenschaft aus zeitlichen Gründen aus den Augen, so war es auch bei Siegmund. "Als Kraftfahrer hatte ich dafür kaum Zeit. Ich war jeden Tag durchschnittlich 12 Stunden unterwegs, danach ist man zu geschafft, um sich noch einige Stunden vor eine Leinwand zu stellen", erzählt der Rentner ein wenig wehmütig. Dennoch habe er versucht, das, was ihm so großen Spaß macht, nicht gänzlich aus seinem Leben streichen zu müssen. Immer wieder nahm er sich einen der wenigen freien Momente, und betrieb Bauernmalerei. "Ich habe Muster und Verzierungen auf meine alten Bauernschränke und Truhen gemalt. Ich fand, dass die Möbelstücke danach schöner ausschauten."

Vor fünf Jahren ging Siegmund nach 15-jähriger Tätigkeit als Kraftfahrer in Rente. Sofort nahm die Kunst wieder einen Platz in seinem Leben ein. "Manchmal brauche ich mehrere Stunden für ein Bild, je nachdem, wie aufwendig es ist. Aber diese Zeit kann ich mir jetzt nehmen." Langsam geht er durch sein mit massiven, dunklen Holzmöbeln bestücktes Wohnzimmer. Er nimmt ein Bild mit einem bunten Blumenarrangement von der Wand. Die Farbe Pink dominiert. "Das hat sehr lange gedauert. Da habe ich den Holzrahmen mit in das Bild eingearbeitet." Seinen Stil beschreibt er selbst mit "Vielfalt - die alten Meister bis hin zur Moderne". Eine bestimmte Kunstrichtung gibt es nicht - von Landschaftsmalereien, Blumenmustern und Himmelskörpern über abstrakte Kunst lässt sich alles in seinem Repertoire finden. "Natürlich male ich die Orte in meiner Umgebung besonders gerne. Aber ich habe auch schon Motive aus dem Ausland wie Stonehenge gemalt." Inspirieren lässt sich der Rentner von ganz unterschiedlichen Faktoren. "Manchmal mache ich meinen Computer an und hole mir da Anregungen. Manchmal sehe ich ein schönes Motiv auf einem Kalenderblatt. Und natürlich findet man in der Natur immer wieder schöne Bilder." Sein Blick schweift zurück zum Schreibtisch mit dem Computer. An der Wand darüber sind viele von seinen Bildern aufgehängt, Werke von anderen Künstlern lassen sich nicht finden - nur eines über der dunklen Holztreppe im Flur, die in den ersten Stock des kleinen Häuschens mit Garten führt: "Das Bild hat meine Tochter gemalt, als sie noch ein Kind war", erklärt Siegmund. Ein Lächeln huscht über seine Lippen.

Im Ausland war er noch nie. Aber das müsse auch nicht sein. "Man kann alles in Fernsehsendungen und am Computer sehen, da muss ich nicht vor Ort sein. Und warum in die Ferne reisen, wenn es schöne Gegenden vor der Haustür gibt?" Das Kloster Speinshart, das Schloss Dießfurt - nicht nur diese historischen Bauwerke standen dem Rentner schon Modell. "Wenn ich ein Motiv gefunden habe, schau ich mir das Objekt ganz genau an und zeichne es dann."

Der Rentner malt in seinem Keller. Dort stehen eine Staffelei und seine Leinwände. Eine Heizung gibt es nicht, deshalb weicht er an kalten Tagen in die warme Stube aus. Seit 2010 stellt Siegmund seine Werke, die er längst nicht mehr zählen kann, aus. "Petra Urban und Annette Raith sind zwei Künstlerinnen aus Schlammersdorf. Meistens stelle ich mit ihnen zusammen aus." Mittlerweile sei es Normalität, Ausstellungsräume mit seinen Bildern zu schmücken.

Album der Erinnerungen

Dennoch ist der Schlammersdorfer jedes Mal stolz auf das, was er erreicht hat. In einem kleinen Album sammelt er Flyer und Fotos von Ausstellungen, an denen er schon teilgenommen hat. In den vergangenen Jahren zierten seine Werke unter anderem Säle in Grafenwöhr, Speinshart, Vorbach, Weiden und Regensburg. "Durch die Malerei lernt man viele Menschen kennen. Dadurch kommt es immer wieder zu Ausstellungsangeboten."

Aktuell stellt er rund 30 seiner Bilder im "Haus der Heimat" in Pressath aus. "Meine Werke sind verkäuflich. Bisher habe ich drei verkauft." Aber darauf komme es nicht an. Der Rentner lebt für sein Hobby - und er hängt an seinen Bildern. "Wenn wer meine Malerei kaufen will, interessiert es mich, wie die Person lebt", erklärt er, während er den weißen Zettel in seiner Hand knetet, auf den er sich alle Standorte seiner Ausstellungen notiert hat.

Für Siegmund wäre die Malerei nicht mehr wegzudenken. "Was sollte ich auch sonst als Rentner machen. Hätte ich die Kunst nicht, müsste ich mir etwas anderes suchen", lacht der Schlammersdorfer.
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