Gottes Häuschen

Still ist es geworden um die Haarkapelle. Und doch gilt sie für manchen Wanderer immer noch als Ort des Gebets und der Entspannung. 1840 erbaut, wird das Kleinod heuer 175 Jahre alt. Bilder: do (2)
Lokales
Schlammersdorf
14.08.2015
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Blume des Feldes, Lilie der Täler - Mariä Himmelfahrt am 15. August ist wohl das älteste und bekannteste der vielen Marienfeste, die die katholische Kirche über das Jahr verteilt feiert.

Im Mittelpunkt des Hochfestes von der Aufnahme Mariens in den Himmel steht die innige Beziehung Marias zu ihrem Sohn Jesus. Himmelfahrt bedeutet, dass sie nach Beendigung ihres irdischen Lebens in den Zustand gelangt ist, in den die übrigen Gläubigen erst nach der Auferstehung am jüngsten Tag kommen werden. Sie ist das Bild des erlösten Menschen.

Reihe von Bräuchen

Verknüpft wird der Himmelfahrtstag mit vielen volkstümlichen und religiösen Bräuchen. Geschichten über die Blumenliebe Mariens und der daraus resultierenden Tradition der Kräuterweihen gehören zu den Zeugnissen gelebter Marienverehrung. Auch in den vielen Kapellen zu Ehren Mariens wird der tiefe Volksglaube an die wundersame Kraft Mariens deutlich. O Maria hilf, oh Maria hilf auch mir, ein armer Sünder kommt zu dir, heißt es in einem Bittgebet. Maria hat geholfen wurde zum prägenden Satz der Marienverehrer. Auch um die Haarkapelle ranken sich Sagen um die marianische Unterstützung. Im Jahr 1840 neu erbaut, kann die Marienkapelle heuer 175-jährige "Kirchweih" feiern.

Die Sandsteinstufen am Eingang zur Haarkapelle sind schon abgetreten - ein Hinweis auf die vielen Besucher, die seit langer Zeit im Gebet bei der Muttergottes Trost und Hilfe suchen. In der Stille des Waldes zwischen der Ortschaft Haar (Gemeinde Schlammersdorf) und dem Naturschutzgebiet "Eschenbacher Weiherkette" gelegen, schätzen die Gläubigen und Wanderer den lauschigen Platz um das Mariä-Himmelfahrts-Kirchlein als Ort der Entspannung, der Erholung und natürlich des Gebets. Einige Sagen und Legenden ranken sich um die Vorgeschichte der Kapelle mitten drin in der Waldabteilung Haarrangen. Einem Geistlichen soll an dieser Stelle auf dem Weg zu einem Sterbenden in der Ortschaft Moos ein schwarzer Mann erschienen sein.

Der finstere Gesell habe den Priester mit den Worten "Der Todkranke, der Wegzehrung verlangt hat, ist schon gestorben" zur Umkehr aufgefordert. Dennoch habe der Pfarrer seinen Weg zum Sterbenden fortgesetzt, um noch rechtzeitig die Sterbesakramente zu spenden. Als Dank dafür sei von den Angehörigen ein Kreuz aufgestellt worden.

Eine weitere Legende schildert das Schicksal eines Bauern, der sich mit seinem Ochsengespann verirrt hatte. Der Fuhrmann rief in seiner Not die heilige Muttergottes an. Das Gespann wurde gerettet. Aus Dankbarkeit errichtete der fromme Mann ein Marterl mit einem Marienbild. Jedenfalls kamen bei Nachforschungen Fundamente eines Marterls ans Tageslicht. Aufzeichnungen zu folge soll auch schon im 18. Jahrhundert an gleicher Stelle eine Kapelle gestanden haben. Im Zeichen der Säkularisation verweisen Dokumente auf den Abbruch der Haarkapelle im Jahr 1803. Historisch fundierte Belege zur "Gründungsversion" lassen sich jedoch nicht finden. Umso größer war die Marienverehrung nach dem Bau der neuen Kapelle im Jahr 1840. Das Kirchlein wurde zum Ziel vieler Wallfahrer.

Tüchtiger Mesner

Berichten zufolge zogen 1914 die Rekruten bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges einen Tag vor ihrem Marschbefehl zur Haarkapelle und erbaten den Schutz Mariens. Zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist eine Wallfahrt mit dem Speinsharter Prälaten Gereon Motyka zur Haarkapelle belegt. Gerne pilgern noch heute Vereine und Einzelpersonen meist aus Richtung Holzmühle zur Mutter Gottes mitten im Wald, um in kurzen Andachten und Gebeten Schirm und Schutz der Patronin Bayerns zu erbitten.

Tüchtiger Zum Schirm und Schutz der Kapelle gehört auch ein tüchtiger "Mesner". Seit einem halben Jahrhundert kümmert sich Hubert Burger aus Ernstfeld um den guten baulichen Zustand des Kirchleins und um ein sauberes Umfeld. Regelmäßig schmückt der 81-jährige Ernstfelder den kleinen Altar und grüßt die Gottesmutter mit den Blumen seines Gartens jeweils in den bunten Farben der Jahreszeit.
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