Paintball in Trisching
"Hasenjagd" mit knallgelben Kugeln

Die Reifen und Holzwände bieten spärlichen Schutz vor den Farbkugeln. Aus der Deckung heraus versuchen die Spieler, die Mitglieder der gegnerischen Mannschaft zu markieren. Bilder: Götz (3)
Freizeit
Schmidgaden
06.09.2016
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Meter für Meter nach vorne: Vorsichtig geht es von einer Deckung zur nächsten.

Junggesellenabschiede folgten vor allem früher oft einem festen Muster: Bier, Bar, Black-Out. Das hat sich etwas geändert: Es geht zum Rafting, zum Quad-Fahren, mit der Stretch-Limousine durch die Stadt oder auch auf "Hasenjagd". Das klingt zunächst vielleicht gar nicht so lustig - ist es aber: ein Selbstversuch auf der Paintball-Anlage.

-Trisching. Der "Hase" ist ein guter Freund, die "Waffe" ein sogenannter Markierer: Paintball-Spielen in Trisching steht auf dem Programm, um mit dem Baldvermählten den bevorstehenden Eintritt ins Eheleben gebührend zu feiern. Eine Premiere: Ich hatte bis dato zwar über die Sportart und die Anlage in Trisching geschrieben, aber noch nie selber gespielt.

Vor dem Spaß stehen an diesem Spätsommertag zwei Dinge: eine Sicherheitsunterweisung und die Ausrüstung. Marco Böhmer, Betreiber des Eventparks Oberpfalz, drückt jedem der einschließlich mir 13 Teilnehmer einen Markierer in die Hand. Das Gerät verschießt per Druckluft farbige Kugeln. Dazu gibt es Handschuhe und eine Maske, mit der man ein bisschen aussieht, wie Darth Vader aus Star-Wars. Wer um seine Kleidung fürchtet, erhält einen Overall.

Ganz ohne jede Peinlichkeit geht ein Junggesellenabschied auch auf der Paintball-Anlage natürlich nicht vorbei: Der Bräutigam wird noch in ein weißes Hasenkostüm mit rosa Ohren samt Puschel gesteckt. Das gibt es auf der Anlage zu kaufen, Betreiber Marco Böhmer kennt eben die Wünsche seiner Kundschaft. Vom Hasen wieder zum Paintball: Es geht aufs Feld. Die 13 Akteure werden aufgeteilt: Es spielen sechs gegen sieben. Wer getroffen wird, muss die Hand heben und das Spielfeld verlassen. Das geht so lange, bis ein Team keinen Spieler mehr hat. Das Startsignal ertönt. Die ersten Farbkugeln kommen mir entgegen geflogen. Vorbei. Jetzt aber nichts wie in Deckung. Geduckt ein paar Meter über das Feld. Geschafft. Schutz bieten auf dem 40 mal 50 Meter großen Spielfeld mit Luft gefüllte Polster in verschiedenen Formen. Auf dem anderen Spielfeld im Eventpark geht es natürlicher zu: Erdhaufen, Reifen, Holzwände und ein ausrangierter Opel Corsa schützen hier vor den gelben Kugeln.

Schneller Treffer


Ein Blick aus der Deckung. Wo sind die Gegner? In weiter Entfernung ist einer kurz zu sehen. Ich drücke ab. Daneben. Noch einmal. Wieder daneben. In die Ernüchterung mischt sich plötzlich ein leichter Schmerz am Kopf. Volltreffer - und das nach ein paar Sekunden. Also: Hand heben, vom Feld gehen. Ich verbuche das als Erfahrungswert. Jeder hat schließlich einmal klein angefangen. Neues Spiel, neues Glück - altbekanntes Ende: Auch diesmal wird mir ein kurzer Blick aus der Deckung zum Verhängnis. Danach bin ich zwar wieder raus, aber zumindest um eine weitere Erfahrung reicher: Die Kugeln sind zwar lebensmittelecht, schmecken aber trotzdem nicht besonders gut. Die Farbkugel platzt genau auf dem Darth-Vader-Mundgitter der Gesichtsmaske auf. Die gelbe Flüssigkeit hat eine etwas mehlige Konsistenz und einen schalen Geschmack, der nicht wirklich nach einem Nachschlag schreit.

Sichere Deckung


Zurück aufs Spielfeld. Nach einer gewissen Zeit kommt ein weiterer Gegner hinzu: die Hitze. Es wird langsam stickig unter der eng sitzenden Maske und dem schwarzen Overall. Das Sichtfeld beschlägt, aber die gute Nachricht ist: Langsam aber sicher wird es besser. Ich lande den einen oder anderen Treffer, bekomme aber natürlich auch mindestens genauso oft selber einen "Platzverweis". Agiert wird meist aus einer sicheren Deckung heraus. Meter für Meter geht es langsam vorwärts - von einem Schutz zum nächsten.

Wer beim Paintball meint, er könne den Schmalspur-Rambo raushängen lassen, wird schneller in ein knallgelbes expressionistisches "Kunstwerk" verwandelt als ihm lieb sein kann. Mit wilder Ballerei hat der Sport nicht viel zu tun. "Im Endeffekt geht es beim Paintball ein Stück zurück in die Kindheit zum Räuber-und-Gendarm-spielen. Da hat man auch nicht wild um sich geschossen, sondern versucht, mit einer gewissen Taktik zu gewinnen", sagt Betreiber Marco Böhmer. Für ihn bietet der Sport Action und Adrenalin. "Man kann zusammen mit Freunden körperlichen Sport ohne Körperkontakt und Aggressionen betreiben", beschreibt er den besonderen Reiz, den Paintball für ihn hat.

Die Aussage vom "körperlichen Sport" ist nicht übertrieben. Nach gut zwei Stunden ist die Kleidung durchgeschwitzt, die Oberschenkel schmerzen von der andauernden gebückten Haltung. Die Quittung ist ein saftiger Kater am nächsten Tag - und das nicht wegen der anschließenden Feier zum Junggesellenabschied, sondern in Form eines schmerzhaften Muskelkaters in den Beinen. (Hintergrund)

Man kann zusammen mit Freunden körperlichen Sport ohne Körperkontakt und Aggressionen betreiben.Marco Böhmer über Paintball
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