Discounter als Damoklesschwert

Seit Generationen betreibt die Familie Dobler ihren Dorfladen in der Hauptstraße. Das will sie auch in den nächsten mindestens 15 Jahren. Allerdings gibt es bei der Gemeinde konkrete Anfragen von Investoren, die einen Discounter eröffnen wollen. Bild: Tietz
Lokales
Schmidgaden
17.09.2015
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Seit dem 19. Jahrhundert betreibt die Familie Dobler in Schmidgaden einen Lebensmittelladen. Das Damoklesschwert einer Discounter-Ansiedlung schwebt aber dicht über ihr. Stefan Dobler ist sicher: Wenn es dazu kommen sollte, hätte das schwerwiegende Folgen - und zwar für sämtliche Geschäfte in der Gemeinde.

Derzeit liegen laut Bürgermeister Josef Deichl drei Anfragen von Investoren auf dem Schreibtisch im Rathaus. Allesamt wollen im Gewerbegebiet in Trisching an der Autobahn einen Discounter eröffnen. Bevor darüber eine Entscheidung fällt, sollte der Rat auch die Stimme eines lokalen Geschäfts hören. Bei der Gemeinderatssitzung stellte Stefan Dobler - ein Sohn der Marktbetreiberin in der Hauptstraße - den Familienbetrieb vor und legte dar, wohin die Reise für den Markt gehen soll. Um es vorweg zu nehmen: Die Familie plant, ihr Geschäft noch mindestens 15 Jahre weiterzuführen.

In der Gemeinde gebe es eine bestehende Infrastruktur, die die Grundversorgung nahezu abdecke, leitete Dobler seinen Vortrag ein. Schmidgaden, Trisching und Rottendorf beherbergen neben dem kleinen Supermarkt der Familie Dobler zum Beispiel Bäckereien, Metzger oder Getränkemärkte.

Zum Kundenkreis der Geschäfte zählen vor allem Einheimische: Rund 80 Prozent der Einkäufer, legte der Sprecher dar, kommen aus dem Gemeindebereich. Er mutmaßte, dass alle Läden zusammen einen Jahresumsatz von etwa 800 000 Euro erwirtschaften. Ein Discounter würde seinen Schätzungen zufolge einen Umsatz von rund einer Million im Jahr brauchen, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. Geld, das dann den Läden vor Ort natürlich verloren geht. Dobler prognostizierte angesichts dessen: "Wenn ein Discounter kommt, werden nicht alle lokalen Geschäfte überleben". Er gab zu Bedenken, dass in diesem Fall zum Beispiel die fußläufige Erreichbarkeit und ein gewisser sozialer Aspekt - das Geschäft als möglicher Treffpunkt für Gespräche - nicht mehr gegeben seien. "Das Dorf verliert an Charakter", befürchtete er.

Gerhard Schmidl plädierte dafür, den bestehenden Dorfladen zu unterstützen. In anderen Kommunen müssten Läden schließen - "und hier haben wir das noch". Florian Burth wollte wissen, wie sicher die Vorhersage sei, mindestens 15 weitere Jahre in der Gemeinde zu bleiben. Dobler antwortete, dass die Umsatzzahlen und intensive Gespräche mit dem Steuerberater zu dieser Prognose geführt hätten. Einen gewissen Zwiespalt für die Gemeinde brachte Zweiter Bürgermeister Andreas Altmann ins Gespräch: Auf der einen Seite wolle man den lokalen Laden unterstützen, aber auf der anderen Seite gebe es das Gewerbegebiet, auf dem noch Platz frei sei. Thomas Wilhelm gab abschließend zu bedenken, dass ein Discounter nach ein paar Jahren wieder schließen könnte, wenn die Umsätze nicht stimmen. "Dann ist die Infrastruktur zerstört und wir haben gar nichts mehr".
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