Mutig gegen Gewaltherrschaft

An dem Gottesdienst in der Pfarrkirche von Rottendorf beteiligten sich zahlreiche Gäste aus Pleystein und Moosbach.
Lokales
Schmidgaden
03.02.2015
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Vor siebzig Jahren wurde Pfarrer Josef Losch aus Rottendorf von den Nationalsozialisten hingerichtet. Er widersetzte sich von Anfang an der Gewaltherrschaft und warnte davor. Nun gedachte man seiner.

Die Pfarrkirche Rottendorf war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Gedenkgottesdienst für Pfarrer Josef Losch von Domkapitular Thomas Pinzer zelebriert wurde. In Konzelebration wirkten Dekan Markus Brunner aus Amberg mit, Pfarrer Hans Ring aus Pleystein, Pfarrer Andreas Schlagenhaufer aus Kohlberg, Pfarrer Herbert Grosser aus Ebermannsdorf, der selbst aus Rottendorf stammt, Ortspfarrer Gerhard Wagner, Pfarrer i.R. Johann Schießl und Pfarrer i.R. BGR Richard Salzl.

Der aus Rottendorf stammende Priesteramtskandidat Benedikt Bauer hatte im Vorfeld den Gottesdienst vorbereitet, vom Ablauf bis hin zur Auswahl der Lieder und der Gebetstexte, die vor Beginn des Gottesdienstes ausgelegt wurden.

"Der unselige Krieg"

Pfarrer Gerhard Wagner erinnerte daran, dass in Deutschland der Nationalsozialismus und das Christentum von 1933 bis 1945 gegeneinander standen. Die staatlichen Machtmittel wurden in zunehmenden Maße und oft mit brutaler Gewalt zur Durchsetzung nationalsozialistischer Ziele eingesetzt. Aus der sogenannten Volksgemeinschaft wurden alle ausgeschieden, die gegen den Nationalsozialismus waren. "Wir werden sie ausmerzen", bekräftigte Adolf Hitler in einer seiner Reden.

Ende Januar vor siebzig Jahren wurde Pfarrer Josef Losch durch das Fallbeil in der Haftanstalt Berlin-Plötzensee hingerichtet. "Pfarrer Losch kämpfte mutig und heldenhaft gegen das Unrecht", hieß es im Gottesdienst. In zahlreichen Briefen an die Freunde an der Front schrieb er unter anderem "Vertrau auf Gott, der unselige Krieg ist bald vorbei".

Unter den Teilnehmern am Gottesdienst befanden sich neben dem Schmidgadener Bürgermeister Josef Deichl auch der Bürgermeister der Stadt Pleystein, Rainer Rewitzer, wo Losch vor fünf Jahren posthum zum Ehrenbürger ernannt wurde. Der Eintrag in das Ehrenbürgerbuch der Gemeinde lautete so: "Herr Pfarrer Josef Losch hat sich durch sein Wirken um die Stadt Pleystein herausragende Verdienste erworben. Der Stadtrat hat ihm daher in dankbarer Anerkennung und stellvertretend für alle Menschen, denen in Zusammenhang mit den beiden Weltkriegen Unrecht widerfahren ist oder die wegen anderer Gesinnung verfolgt wurden, posthum die Ehrenbürgerwürde verliehen."

Außerdem kamen zahlreiche Bürger aus Pleystein und Moosbach nach Rottendorf. Ein ganz besonderer Gruß galt den Verwandten und Angehörigen von Pfarrer Josef Losch, allen voran dem Neffen Ludwig Losch. Pfarrer Wagner schloss seine Begrüßungsworte mit den letzten Worten, die Losch auf Papier niedergeschrieben hatte:"Meine Lieben! Alle! Alle! Ich gehe zu Gott und den Heiligen. Vergesst mich im Gebet nicht."

Nach dem Gottesdienst sprach Bürgermeister Josef Deichl zu den Besuchern. Er verwies darauf, dass es auch heute Menschen geben solle wie Pfarrer Losch, die aufrichtig aufpassen und Missstände beim Wort nennen. Bürgermeister Rainer Rewitzer aus Pleystein erinnerte daran, dass Pfarrer Losch an seiner alten Wirkungsstätte noch immer sehr hoch geachtet wird. Darum verlieh ihm die Stadt Pleystein im Jahre 2010 postum die Ehrenbürgerwürde. Pfarrer Losch war am 1. April 1938 in den Pleysteiner Ortsteil Miesbrunn versetzt worden. Der ehemalige Pfarrer von Miesbrunn ist auch heute noch ein Vorbild für gelebten Glauben und ein aufrechtes Leben.

Bild findet seinen Platz

Pfarrgemeinderatssprecherin Renate Graf lud nach dem Gottesdienst zu einem Empfang in die Grundschule ein. Bevor der Gottesdienst endgültig zu Ende ging, wurde das Bild von Pfarrer Josef Losch, das während des gesamten Gottesdienstes vor dem Volksaltar stand, von Pfarrer Gerhard Wagner an die Seitenwand der Pfarrkirche Rottendorf gehängt. Dort soll das Bild einen bleibenden Platz finden - in der Heimatkirche in der Losch getauft wurde.
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