Truppenübungsplatz Hohenfels übt Faszination bei Besuchern aus
"Natur pur" im Reich der Panzer

Die Kirche St. Bartholomäus in Schmidheim ist ein Beispiel für die wiederaufgebauten Gebäude im Truppenübungsplatz. 1951 mussten die einstigen Bewohner hier ihre Heimat verlassen. Im Dorf war auch die einzige Brauerei im heutigen Übungsgelände gewesen. Solche interessanten Informationen erhielten die Teilnehmer bei ihrem Rundgang durch das Areal. Bild: bö
Vermischtes
Schmidgaden
09.10.2014
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Eigentlich liegt es nur auf der anderen Seite des Lauterachtals, aber trotzdem ist es ein unbekanntes Terrain. Panzer und andere Militärfahrzeuge haben hier das Sagen, hohe Zäune riegeln den Truppenübungsplatz Hohenfels ab, der jetzt doch wieder einmal seinen Schutzschirm lüftete.

Es waren die Mitglieder und Freunde der Dorfgemeinschaft Winbuch, die als "Nachbarn" das Trainingsareal der US-Armee besichtigen durften. Dass es schon immer eine gewisse Faszination ausübt, ist zum einen natürlich der militärischen Nutzung geschuldet, zum anderen hat es aber auch einen heimatgeschichtlichen Hintergrund.

Im weitläufigen Gelände sind die Besucher viel unberührter Natur begegnet, weil große Teile davon schon seit langem aus dem Übungsbetrieb herausgenommen sind und sich dort viele Pflanzen und Lebewesen wohlfühlen, die seit über 60 Jahren keine Düngemittel und Pestizide mehr ertragen müssen. "Natur pur", umriss es Norbert Wittl vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit in Hohenfels als fachkundiger Führer kurz und prägnant.

Von hier stammt die Mutter

Für viele Teilnehmer war es ein langgehegter Wunsch gewesen, einmal nach Enslwang, Schwend, Schmidheim, Bergheim, Waltersheim oder Lutzmannstein zu kommen. Dass da einst auch familiäre Verbindungen mit einflossen, hörte man immer wieder aus Erzählungen während der Rundfahrt, zum Beispiel: "Aus diesem Bauernhof stammt unsere Mutter, im Nachbardorf hat unser Großvater als Knecht bei Bauern gedient".

Ein Besuch des Hohenfelser Flugplatzes gehörte für die Winbucher anschließend ebenfalls zu den gerne wahrgenommen Möglichkeiten, einen Medivac-Rettungshubschrauber vom Typ Black Hawk einmal von innen kennenzulernen, auf dem Pilotensitz Platz zu nehmen und sich vom Chef der Helikoptereinheit, Major Jesse Delgado, die technischen Daten aus erster Hand erklären zu lassen. "Es ist schon beeindruckend, was da an Technik drinsteckt", brachte es ein Winbucher auf den Punkt. Denn sonst sehe man die Hubschrauber ja nur über dem Dorf fliegen. "Da bekommt man auch einen anderen Blickwinkel, wie die Amerikaner in Hohenfels für die Sicherheit ihrer Leute sorgen", war eine weitere (neue) Meinung.

Einst als Hütbub im Dorf

Neben vielen anderen Ortschaften machte die Gruppe auch Station in Bergheim. Aus seinen Jugenderinnerungen erzählte dort Franz Baier, als er 1945 als Hütbub ins Dorf gekommen war. Einen Stopp legten die Winbucher ferner in der ehemaligen Ortschaft Lutzmannstein ein, die im Herbst 1951 mit knapp 300 Einwohnern aufgelöst worden war. Dort berichtete Norbert Wittl vom damaligen Leben im Dorf, der Wasserversorgung und dem Lutzmannsteiner Schloss.

Erst in den vergangenen Jahren wurde nach seiner Auskunft mit viel Geschick begonnen, ehemalige Häuser und Gehöfte wieder herzurichten und zu sichern. Über Kittensee und Griffenwang führte die ausgewählte Route nach Raversdorf in der Nähe von Hohenburg, um schließlich über Emhof den Truppenübungsplatz wieder zu verlassen. Organisiert hatte die interessante Tour rund um Hohenfels Josef Justinger aus Greining.
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