Wolfgang Seidenbeck paddelt 2500 Kilometer bis zur Donaumündung
Im Kanu bis ans Schwarze Meer

Auf der Karte nochmals zum Schwarzen Meer: Wolfgang Seidenbeck. Bilder: pop (2)
Freizeit
Schmidmühlen
25.11.2016
304
0
 
Sogar die rumänische Presse berichtete von der Bootstour Schmidmühlen - Schwarzes Meer.

"Einmal Schwarzes Meer und zurück" - im Zeitalter des ausgefeilten Tourismus', eines ausgebauten Straßennetzes und preiswerter Billigflüge nichts Besonderes - eigentlich. Wenn man aber mit 66 Jahren diese Strecke - immerhin stolze 2500 Kilometer - mit einem Kanu auf der Donau zurücklegt, dann ist das bemerkenswert.

Frei nach dem Roman von Jules Verne "In 80 Tagen um die Welt" aus dem Jahr 1873 war Wolfgang Seidenbeck ein knappes Vierteljahr unterwegs, um von Schmidmühlen (genauer gesagt von Ingolstadt) aus auf dem Wasserweg durch halb Europa zu paddeln. Nun ist er zurück und hat sich von den Strapazen, aber auch von einer großen Vielfalt von Erlebnissen erholt.

In jeder Hauptstadt


Ähnlich wie im Roman von Jules Verne standen eine Vielzahl von Ländern auf der Route: Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien, Bulgarien und schließlich Rumänien. Bei der Tour wurde in jeder Hauptstadt ein Ruhetag eingelegt, Sightseeing war angesagt. Anstrengend, schön und teilweise die allerletzten Kräfte aufzehrend, so resümiert Seidenbeck mit etwas Abstand die Tour. Ob er sie nochmal machen würde - bei dieser Frage zögert er doch etwas: "Ich denke schon."

80 Meter tief


Auf jeden Fall hat er noch eine bestimmte Strecke im Auge - den Donaudurchbruch in Serbien: "So etwas habe ich noch nie gesehen", erinnert sich Seidenbeck: Rund 100 Kilometer ein beeindruckendes Naturerlebnis. Etwa 700 Meter steigen mit Fels durchsetzte Steilwände direkt vom Wasser fast senkrecht in Höhe. Die Donau ist hier gerade mal 100 Meter breit, dafür aber fast 80 Meter tief. Organisiert wurde die Tour vom Deutschen Kanuverband. Jeder fuhr für sich, aber keiner fuhr allein. Jeder in der Gruppe bestimmte seine Geschwindigkeit oder Pausen - man kann sagen, ein Individualerlebnis in der Gemeinschaft.

Es gab keine Versorgungsfahrzeuge. Mitgenommen wurde, was man brauchte und was ins schmale Kanu passte: Kleidung, Medikamente, Ersatzpaddel, Nahrung. Nach jeder Tagestour traf sich die Gruppe an einem vorab vereinbarten Ort am Ufer. Diese Stellen waren recht unterschiedlich, so Seidenbeck: "Manchmal übernachteten wir quasi am Rande eines Camping-, Stadt- oder Erlebnisparks, aber auch schon mal in einer von Kuhdung übersäten Wiese." Eines bleibt Seidenbeck - neben den Naturerlebnissen - in bester Erinnerung: die Menschen, die entlang der Donau wohnen: "Überall - egal wo, wurden wir herzlich aufgenommen, versorgt und unterstützt." In Tulcea wurde das Kanuteam empfangen und ins Stadtzentrum begleitet.

An diesem Tag fand ein großes Sportfest statt. Die Kanufahrer wurden von etwa 2000 Menschen bejubelt: "Da lief es mir kalt über den Rücken", erinnert sich Seidenbeck. Was nicht nur ihm, sondern auch vielen der Mitfahrer auffiel, war das große Wohlstandsgefälle innerhalb der einzelnen Länder, aber auch in Richtung Südost-Europa. Oft war Armut sicht- und greifbar, was aber der Gastfreundschaft der Menschen keinen Abbruch tat. "Wir wurden gut versorgt", so Seidenbeck. Fast täglich stand Fisch auf der Speisekarte. Kein Wunder: Fische waren das Nahrungsmittel, das vor Ort günstig zu haben war. Und da die Menschen schon seit jeher sich vom Fisch ernährten, wissen sie auch, wie man ihn zubereitet. Überwiegend waren es Waller, die auf den Tisch kamen, aber auch manch andere Friedfische wie Karpfen, Brachse, Schleie oder Raubfische wie der Hecht, meist vorzüglich zubereitet.

"Gefährlich", resümiert Seidenbeck, "war die Tour nicht. Aber teilweise ging es schon an den Rand der Erschöpfung. Hauptfeind war der Wind und die so erzeugten Wellen." Höchst anstrengend war der Wind von vorne, fährt er fort: "Aber man sah wenigstens die Wellen kommen. Leichter war es bei Rückenwind - aber da wurde man von den Wellen überrascht, und die waren schon mal einen halben Meter hoch. Die brachten so manches Boot zum Kentern."

Da lagen manchmal die Nerven blank und die Gefühlswelt schwankte zwischen himmelhoch jauchzend bis tief betrübt. Ersteres traf auf jeden Fall am letzten Tag zu, als die Kanus Sfantu Gheorge (St. Georg) am Schwarzen Meer erreichten - die letzte Station. Am 80. Tag lagen 2513 gepaddelte Flusskilometer hinter der Gruppe. Keine Frage, dass dies mit einem kleinen Fest gefeiert wurde. Der anstrengendste Teil kam zum Schluss - die 23-stündige Busfahrt von Rumänien nach Deutschland.

Interessant zu wissen


Zur Donau hat Wolfgang Seidenbeck eine enge Verbindung, denn in Regensburg ist er geboren und aufgewachsen. Die enge Beziehung zu diesem Gewässer schlug sich in seinem Beruf nieder: Er absolvierte eine Lehre als Fischwirt und schloss sie mit der Meisterprüfung ab. Auch wenn sich sein Tätigkeitsfeld veränderte, dem Wasser und besonders den Fischen blieb und bleibt er verbunden. Als aktives Mitglied und vor allem als jahrelanger Ausbilder des Fischereivereins ist er vielen Petrijüngern aus dem südlichen Landkreis und darüber hinaus bekannt.

Die Idee zur Donautour kam 1975, aber: "Die Zeit war noch nicht reif." Konkret wurde es vor rund drei Jahren, als er für sich ein erstes Kanu, ein Jahr später ein zweites, selbst baute. Fortan liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Sie wurden aber teilweise unterbrochen und die Schwarzmeertour um ein Jahr verschoben, da sich die Geburt einer Enkeltochter ankündigte. Zwischenzeitlich trainierte Seidenbeck wöchentlich. Hunderte von Trainingskilometern ist er mittlerweile gepaddelt, auf der Vils, der Naab und der Donau, die "Generalprobe" war eine Tour auf der Elbe.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.