Aschermittwoch in Schmidmühlen
Das Geld ist weg, die Steuern nicht

Kurz vor Mitternacht gruben die Schmidmühlener ihren Geldbeutel im Kiwabaum-Loch ein. Dieses besondere Aschermittwochs- Ritual fand heuer im Schneeregen statt. Aber auch das ist der echte Fischzug. Bild: bö
Kultur
Schmidmühlen
11.02.2016
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Sie flehen um Erlösung von der Bier-, der Umsatz- und Einkommensteuer. Aber es nützt nichts. Ihr Geldbeutel bleibt leer. Auch sonst haben die Schmidmühlener am Aschermittwoch nichts zu lachen. Und das ist gut so.

Seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts endet in Schmidmühlen der Fasching mit dem Fischzug. Knapp 70 Männer brachten heuer elf Einkehrstationen hinter sich, ehe sie wieder zum Ausgangspunkt, zurück in der warmen Gaststube beim Ochsenwirt, sind. Hier werden die letzten Fische und das letzte Scherzl Brot verteilt. Mit dem Zeigefinger drücken die Männer ein Loch in einen Bierdeckel, so dass ein Weihnachtskerzl durchpasste - der letzte Akt dieses besonderen Brauchtums beginnt.

Sobald die Fischzügler das Wirtshaus verlassen, setzt jämmerliches Heulen und Wehklagen ein - über den ausgedörrten Geldbeutel. Am Hammerplatz scharen sich alle um das Kirwabaum-Loch. Die Holztrage mit dem Geldbeutel wird hier postiert, dazu die große Laterne, um zu solch später Stunde noch ein wenig Licht zu bekommen. Dann beginnt Zeremonienmeister Thomas Wagner mit der Litanei zum Geldbeutel-Eingraben. Von "du sanftmütiger", "du zaundürrer" oder auch "du treuer Geldbeutel" bis zu "du Zuflucht der Armen" reichen die Anrufungen.

Dann bittet man noch um die Erlösung von der Bier-, Umsatz-, Einkommen-, aber auch von Bürger-, Baunot- und Kinderbeihilfesteuer: Es werden auch viele weltliche Fürbitten verlesen, die es schon lange nicht mehr gibt. Sie erinnern noch an längst abgeschaffte Gesetze - das ist teilweise schon bis zu 100 Jahre her. Im Trachtenheim gibt es zu Ehren des zu Grabe getragenen Geldbeutels dann noch einen Leichtrunk. Erst ab Mitternacht wird wieder Fleisch gegessen, meist in Form von Leberkäs oder sauerer Lunge.

Wer die Fischzügler kennt, weiß, dass hier niemand an Blasphemie denkt: Dieser Brauch ist vielmehr Ausdruck der angeborenen Freude am Feiern und der dramatischen Darstellung. Auch dies macht Schmidmühlens Fischzug zu einem der wichtigsten gesellschaftlichen und gemeinschaftsfördernden Ereignisse im Jahreslauf der Gemeinde. Entsprechend große Bedeutung hat dieses Ritual bei den Akteuren und ihren Zuschauern. Genau deshalb wird Schmidmühlen diesen Brauch aber auch genau so lassen, wie er ist und ihn nicht "modernisieren". Dann wäre nämlich der Fischzug nicht mehr der Fischzug.
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