Bei der Tracht ist Handarbeit gefragt
Heimat gibt's nicht von der Stange

Die Teilnehmer des Handarbeitstreffens im Trachtenheim Schmidmühlen mit Ilona Reheis (stehend, rechts), einer der Kursleiterinnen vom Heimat- und Volkstrachtenverein. Bild: pop
Kultur
Schmidmühlen
11.06.2016
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Die Trachtler fallen bei jedem Festzug sofort ins Auge. Sie legen großen Wert auf Tradition. Und zu der gehört bei ihnen auch das Gwand. Das gibt's so nicht zu kaufen: Handarbeit ist hier angesagt.

"Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten": Das haben sich die Trachtler auf ihre Fahnen geschrieben. Diesen Leitspruch wollen sie auch leben. Im Heimat- und Volkstrachtenverein Schmidmühlen legen die Mitglieder großen Wert auf die Traditionen. Alle vereint hier nicht nur der tief empfundene Wunsch, Brauchtum und Werte zu erhalten, sondern auch der Stolz auf das original Oberpfälzer Gwand. So, wie man es schon vor mehr als Hundert Jahren trug.

Eine Frage der Ehre


Für einen aktiven Trachtler gilt: "Tracht zu tragen ist eine Ehre." Da es diese traditionelle Kleidung, eben auch sehr auf einen Ort oder eine Region bezogen, nicht industriell gefertigt zu kaufen gibt, müssen sich insbesondere die Trachtlerinnen selbst behelfen - mit Handarbeit. Deshalb trifft man sich drei- bis viermal zum gemeinsamen Schneidern und Werkeln bei einem Trachtenverein. Gemeinsam geht es halt immer besser, zumal man dabei auch immer etwas Neues erfahren kann. Diesmal suchten sich die Frauen das Trachtenheim der Lauterachtaler in Schmidmühlen aus. Organisiert und vorbereitet wurde der Kurs - wie übrigens viele andere auch - von Brigitte Irlbacher. Dabei hält man sich genau an die alten Vorgaben, wie Ilona Reheis zu berichten weiß.

Aufs Detail kommt's an


Fachkenntnis ist beim Trachtenschneidern gefragt: Es kommt auf das Detail an. Deshalb haben diese Handarbeitstreffen eine große Bedeutung. Ilona Reheis, eine gelernte Damenschneiderin, hat sich in speziellen Trachten-Nähkursen weitergebildet. Damit sorgt sie nun schon seit mehreren Jahren für die richtige Ausstattung der Damen und Mädchen. Die treffen sich abwechselnd bei den Trachtenvereinen D'Lauterachtaler Schmidmühlen, D'Friedrichsberler Trisching und Enzian Bruck. Beim jüngsten Handarbeits-Stammtisch waren Teilnehmerinnen aus diesen Vereinen sowie aus Schwandorf, Wackersdorf, Hemau und Oberwiesenacker dabei.

Auch Neues gab es zu lernen: Diesmal zeigte Gautrachtenwartin Maria Kurzwart nicht das herkömmliche Stifteln einer Schürze, sondern wie man ein Muster in die Stiftel-Technik bekommt. "Wir haben aber auch schon kleine Klosterarbeiten gebastelt, Nähtechniken wie Smoken gezeigt und Nähkurse organisiert", erläuterte Brigitte Irlbacher.

Oben ohne kommt nicht in FrageDie Details sind wichtig bei der Tracht. Für die Frau sind das beispielsweise der weite Rock - natürlich gestiftelt, also mit ganz kleinen Falten am Bund, und gut wadenlang - mit dem Mieder, ein weißer Überrock, eine ordentliche Schürze, dazu eine weiße Bluse, weiße Strümpfe, schwarze Schuhe und um die Schultern ein feines Tuch.

Ohne Kopfbedeckung geht man gar nicht hinaus. In Schmidmühlen trägt man die Bänderhaube - in Schwarz mit schwarzen Spitzen für die verheirateten Frauen, in Rot mit weißen Spitzen für die ledigen Mädchen - oder die kostbar bestickte Riegelhaube. Die Bänderhauben der Schmidmühlener Trachtlerinnen sind handgemacht. 25 bis 30 Stunden haben die Frauen in das Nähen und die aufwendige, goldene Stickerei gesteckt.

Auch für die Mannertracht gibt's feste Regeln. Oben ohne geht auch hier nichts. Man zieht vielleicht die Jacke aus - aber den Hut lässt man immer auf. Daneben gehören noch schwarze Schuhe, weiße Strümpfe, die schwarze Lederhose, ein weißes Hemd mit Schmieserl, eine zweireihige Weste mit Silberknöpfen und natürlich der Uhr an der Kette sowie eine schwarze Jacke aus schwerer Wolle mit Samtkragen dazu.

Neben der Alltagsversion gibt es auch einen Festtagstracht. Oder bei Beerdigungen die Trauertracht - mit Schürze, Tuch, Schmieserl und Strümpfen in Schwarz. (pop)


Im BlickpunktDass die Trachtenvereine bei ihrer Kleidung mit einem Miteinander gut beraten sind, zeigt ein Bericht in der Monatszeitschrift "Die Oberpfalz" von 1911. Darin heißt es: "Wohl jeder, der die im Festzug vorbeigeführten prächtigen Trachten der Oberpfalz sah, wird bedauern, dass diese immer mehr verschwinden. Möchten daher diejenigen, die noch die Tracht der Eltern und Großeltern tragen, sich nicht beirren lassen, und wer noch solch alte Trachten im Besitz hat, möchte sie wieder hervorsuchen und in Ehren tragen." Dieser kritische Bericht zeigte Wirkung: Die Oberpfälzer besannen sich auf ihre Tracht und holten sie vielerorts wieder aus den Schränken. In den folgenden Jahren gründeten sich viele Heimat- und Volkstrachtenvereine - D'Lauterachtaler 1929.

Alle eint ein Leitbild: Ihre allererste Aufgabe ist es, die Tracht zu pflegen. Jeder von ihnen ist stolz, die historische Kleidung der Vorfahren oder die nach alten Vorlagen und Zuschnitten erneuerte Version tragen zu dürfen. (pop)
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