In Schmidmühlen größte Oper aller Zeiten
Da kann man Verona glatt vergessen

Nicht nur das Publikum war begeistert von "Quasi una Opera": Auch die Akteure des "ersten kleinen salonorchesters" hatten ganz offensichtlich Freude an ihrem Auftritt im Hammerschloss Schmidmühlen. Bild: bö
Kultur
Schmidmühlen
05.03.2016
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Startenor und Moderator Michael Weigert sprach vom "größten Opernprojekt aller Zeiten". Dieser bescheidene Hinweis ließ schon erahnen, dass es sich bei dem Konzert im Hammerschlosssaal um eine nicht ganz ernst gemeinte Performance klassischer Musikkunst handelte.

"Quasi una opera" machte das Hammerschloss zur Bühne für eine gewitzte Opernparodie im Salonformat. In den besten Gemächern der einstigen Hammerherren hatte sich dafür das "erste kleine salonorchster" aus Lappersdorf einquartiert.

Oper als Heimspiel


Das Ensemble pflege die Tradition großer Komponisten wie Verdi, Rossini und Puccini, verriet Weigert: "Uns hat Schmidmühlen bereits zugesichert, hier mein Opernhaus zu eröffnen". Der Schloss-Saal solle deshalb auch nur noch Rauchnsaal heißen - "in Anlehnung an den Hausnamen meiner Eltern in Winbuch. Der Horst in München und auch der Bürgermeister haben mir schon ihre Zusage gegeben, ihre freien Finanzkapazitäten mit einzubringen". Sprach's - und schon ging's los mit der Geschichte um die Liebe des Gärtners Franz Josef zu seiner Eisverkäuferin Mariella mit all ihren Hindernissen, ihrer Flucht nach Granada und der wundersamen Rettung aus dem Mittelmeer auf die Aida. Wie bei jeder Oper gehe es auch bei "Quasi una opera" um Liebe, Leidenschaft, Intrigen und die Dummheit der Leute, erklärte Weigert.

Direkter Draht zu Horst


Mit "Nessun Dorma" aus der Oper Tourandot von Giacomo Puccini war der passende Einstieg gefunden. Die Protagonisten waren Magdalena Weigert (Flöte), Ulrich Gieseke (Konzertmeister/Violine), Aleksander Huber (Violoncello), Martin Hagmeier (Flügel) und Michael Weigert (Tenor) aus Winbuch. Sie begleiteten Franz Josef und Mariella nach Italien, wo die Sonne über Capri besungen wurde und der wilde Reigen "La danza" von Gioachino Rossini die Traumwelt des Liebespaars spiegelte.

Ein Handyklingeln schockte die Zuhörer, holte Michael Weigert mitten aus seinem Konzertvortrag - dafür sprang Magdalena Weigert spontan mit einem erstklassig vorgetragenen "Lascia ch'io pianga" in die Konzertlücke. Mit dem Hinweis, "die Umbenennung des Saales in Rauchn-Tempel ist durch", polterte Michael Weigert nach dem erfolgreichen Telefonat mit Horst Seehofer wieder auf die Bühne zurück. Um frei nach George Gershwin "Summertime" und Giuseppe Verdis "La donna e mobile" zu zelebrieren.

Begeistertes Publikum


Luigi Denzas "Funiculi, funicula" kam zu Tenorehren. "Vesti la Giubba" von Ruggero Leoncavallo war zu hören, dazu das lyrische "Lasso io vivo" von Francesco Cavalli und zum Mitsummen für alle die "Moskauer Nächte" als Ruhe spendendes Elixier für den aufgewühlten Franz Josef. Das junge Paar flüchtet Hals über Kopf nach Granada - hinterlegt mit Weigerts wunderschönem Tenor beim "Granada" von Augustin Lara. Dazu "Vieni sul Mar" von Eduardo di Capua und "Celeste Aida" von Giuseppe Verdi, als rettende Aufnahme auf das Deck des gleichnamigen Traumschiffes. Mit dem bekannten Operettenwerk "Dein ist mein ganzes Herz" von Franz Lehár fieberte man dem glücklichen Ende der Romanze entgegen. Dafür gab es vom Applaus im Stehen für die fünf Musiker, die das Projekt "Quasi una Opera" gemeinsam begründet haben. Für Michael Weigert war es ein tolles Heimspiel - von dem er noch lange schwärmen wird, wie er anmerkte.
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