Neruda-Quartett in Schmidmühlen
Streifzug durch die Genres

Auf Einladung des Heimat- und Kulturvereins gastierte das Neruda-Quartett im Hammerschloss. Bild: bö
Kultur
Schmidmühlen
19.04.2016
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Zum Auftakt gab es die Begrüßungsszene aus dem Musical "Cabaret". Bereits da zeigten sich das Neruda-Quartett und seine Solistin Stefanie Rüdell in bester Form.

Die Moderation des Abends hatte der Pianist des Ensembles, Florian Kaplick, übernommen. Er entwickelte daraus, wie sich zeigen sollte, eine äußerst gewitzte Conférence mit Bezug auf den Beginn des Mouvement Dada vor gut 100 Jahren mit einigen bravouröser Text-Solonummern von Kurt Schwitters, Erich Mühsam und Johannes Baader. Dass da mitunter das Publikum auch schon mal direkt angegangen wurde, so ganz im Geiste Dadas, gehörte dazu.

Aber auch die eine oder andere humorvolle Rückgabe aus dem Auditorium war ein Zeichen, dass es sowohl den Protagonisten als auch dem Zuhörerkreis Spaß gemacht hatte.

Federleichtes Pariser Flair stellte sich ein in "Sous le ciel de Paris", großes Musicalgefühl in Funny Honey aus Chicago und augenzwinkernde Unschuld in "Kann denn Liebe Sünde" sein. Im ständigen Wechsel der Sprachen und Genres hatte der Abend ein mitreißendes Tempo und zeigte sich mit den Dada-Texten zusammen als eine äußerst unterhaltsame Melange. Den Schlusspunkt setzte eine raffiniert entwickelte Bearbeitung von Kurt Weills Haifisch mit "Mackie Messer" aus der Dreigroschenoper vom verhaltenen Leierkastenbeginn, dann langsam steigernd bis hin zum zündenden Rock'n'Roll im Tutti. Starker Applaus entließ das Ensemble erst nach zwei Zugaben ("Für mich soll's rote Rosen regnen" und "Je ne regrette rien").

Breites RepertoireDas Neruda-Quartett hat sich in seinem neuen Programm auf Arrangements eines weitgespannten Repertoires von französischen Chansons, amerikanischen Songs und deutschen Schlagern aus den 20er- bis 70er-Jahren verlegt. Allesamt Klassiker von Ohrwurmqualität und durchaus mit der Gefahr des "zu oft gehört". Doch in den neuen Arrangements von Ensemblegründer und Schlagzeuger Roland Schmidt gewinnen alle Nummern in der kleinen, durchhörbaren Besetzung oft ganz neue Töne. Zu diesem Eindruck trug das fein aufeinander abgestimmte Zusammenspiel der Musiker bei, neben Florian Kaplick (Piano und Schlagzeug) gehörten Roland Dachauer (Bass) und Evelin Langer (Klarinette, Saxofon und Akkordeon) dazu.

Sängerin und Solistin Stefanie Rüdell tanzte in gelungener Choreographie bei einigen Nummern, zum Teil in atemberaubender Virtuosität, dass man sich in "Mein Herr" aus Cabaret mit Liza Minnelli wähnte. (bö)
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