Osterbetteln in Schmidmühlen
Alter Brauch mit strengen Regeln

Diesmal hatten die Schmidmühlener Osterbettler Glück mit dem Wetter - zumindest auf ihrer ersten Tour Richtung Winbuch. Wenn sie alle Ortschaften abgeklappert haben, haben sie 15 Kilometer Fußmarsch hinter sich. Aber der gehört dazu - das ist beim Osterbetteln Ehrensache. Bilder: Huber (3)
Kultur
Schmidmühlen
24.03.2016
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"Den Spruch vergisst ned", sagt Tobias Fleischmann. Natürlich kann der Schmidmühlener Oberministrant das Verslein fürs Osterbetteln aufsagen. Obwohl er schon eine Weile nicht mehr mitgeht. Und obwohl auch die, die noch dabei sind, längst keine Eierlein mehr bekommen.

"Da merkst halt den Strukturwandel in der Landwirtschaft", kommentiert Fleischmann den Verlust dieses Teils der Schmidmühlener Tradition: "Es gibt keine Hühner mehr." Also auch keine Eierlein für die Ministranten. Aber denen sind die Süßigkeiten und das zusätzliche Taschengeld, die sie stattdessen bekommen, ohnehin lieber.

Egal, wie das Wetter ist


Organisatorisch ist Fleischmann, der auch Mitglied der Kirchenverwaltung ist, immer noch mit dabei. Er sorgt unter anderem dafür, dass beim Abmarsch zu Beginn der Karwoche alles glatt läuft. Und hat auch diesmal Tragetaschen und Erste-Hilfe-Sets für die mitmarschierenden Betreuer besorgt. Sicher ist sicher. Weil auch genauso sicher ist, dass die Schmidmühlener Ministranten ihre Tour durchziehen - egal, bei welchem Wetter. Das sei zu Ostern eigentlich immer irgendwie extrem, meint Fleischmann angesichts der Erfahrungen vergangener Jahre: "Regen, Schnee, Hagelsturm, Gewitter - vorne nass und hinten trocken, aber auch mal Sonnenbrand" - eigentlich gibt es da nichts, was die Minis noch nicht bereits erlebt hätten.

Nur Papier ist erlaubt


Osterbetteln, das gehört einfach dazu in Schmidmühlen. Und zwar schon sehr lang. Wie lang genau, das weiß allerdings keiner. Nicht einmal Pfarrer oder Heimatpfleger. Auch auf die Frage, wie dieser Brauch entstanden ist, müssen die Experten passen. Fest steht für sie, dass er - zumindest in dieser Form - im Landkreis einmalig ist. Damit das so bleibt, achten Fleischmann und sein Team darauf, dass alles beibehalten wird, wie's schon immer Brauch ist: Buchs-Zweigerl oder Palmbuschen am Osterbettel-Stab? Kommt nicht in Frage!

Da gab es schon enttäuschte Gesichter, als allzu aufwendige Verzierungen wieder entfernt werden mussten, um mitgehen zu dürfen: "Dabei hod se de Mama so plagt damit!" Es hilft nichts: An den Haselnuss-Zweig dürfen nur Krepppapier-Streifen. Aber dafür gern kunterbunt und möglichst viele davon. Wer's ganz authentisch haben will, hat einen Stab, der die eigene Körpergröße überragt und von oben bis unten mit Papierstreifen verziert ist.

Osterbettel-SpruchDas Osterfest, das schönste Fest, das Gott im Jahre werden lässt, ist wieder da mit frohem Sinn, drum treten wir zu Ihnen hin und sprechen: O Jesu mein, was leid'st Du Pein! Wir sind gegangen mit Spießen und Stangen, um Dich zu fangen. O Jesu mein, was leid'st Du Pein! Drum schenkt's den Ministranten ein paar Eierlein.

Den Spruch, den die Kinder vor jedem Haus aufsagen, lernt man automatisch. "Da stehst du dreimal daneben und dann kannst du ihn", sagt Fleischmann und lacht: "Ältere Herren an der Tür sprechen ihn auch noch mit." Anders als andere Bettler werden die Schmidmühlener erwartet: Am Montag und Dienstag nach Palmsonntag kommen sie, das weiß jeder im Ort. Und ist vorbereitet - denn die Träger der bunten Stäbe werden mit Süßigkeiten und Geld empfangen.

Das klingt ein bisschen nach Sternsinger, ist aber doch anders: Die Osterbettler dürfen die Spenden für sich behalten, Pfarrei oder Mission bekommen nichts von dem Geld. Denn das, sagt Fleischmann, ist ein Dankeschön für den Messdienst das ganze Jahr hindurch. Ein nettes Taschengeld. Je nachdem, wie viele Minis dabei sind, 40 bis 70 Euro pro Person. Allerdings gelten auch hier strenge Regeln: Nur wer mitgeht, kriegt auch etwas ab - wie viel, das richtet sich nach einem Punktesystem, das den Fleiß beim Ministrieren honoriert.


Unterwegs beim Osterbetteln

15 Kilometer Fußmarsch


Und natürlich muss man die Betteltour absolvieren. "Wer nicht mitgeht, hat Pech gehabt", betont Fleischmann - Verdienst will eben auch verdient sein. Das heißt in diesem Fall: 10 bis 15 Kilometer Fußmarsch. "Das ist schon anstrengend, vor allem für die Kleineren", weiß Fleischmann. Aber selbst die gehen tapfer die ganze Strecke mit. Die führt am ersten Tag durch die kleinen, eingemeindeten Ortschaften, tags darauf dann durch Schmidmühlen. Die Minis klingeln an allen Haustüren, sagen ihr Sprücherl auf und wünschen frohe Ostern. Dass dieses Fest vor der Tür steht, wissen die Schmidmühlener immer schon ein bisschen früher als anderswo. Fleischmann formuliert es augenzwinkernd so: "Wenn im Netto die Süßigkeiten knapp werden, geht's aufs Osterbetteln zu."

So war's früherSchmidmühlens ehemaliger Heimatpfleger Michael Koller (87) erinnert sich noch gut daran, wie er als Neunjähriger zum ersten Mal Osterbetteln ging. Damals bekamen die Ministranten tatsächlich noch Eierlein. Ein Handkorb wurde da schon voll. Geschäftstüchtig, wie die Burschen waren, verkauften sie den Inhalt an einen Händler in Schmidmühlen.

Einmal wurde daraus freilich nichts, sagt Koller und lacht: Ausgerechnet der Korbträger sei damals gestolpert und hingefallen - "da waren die Eier kaputt". Geld gab's - wenn überhaupt - dann "nur in Schmidmühlen". Mal ein Fünferl oder ein Zehnerl wurde ihnen dort zugesteckt.

Damals machten sie nicht nur zwei Touren, wie heute, sondern noch eine dritte: ins Lauterachtal und durch die Gegend, die heute Truppenübungsplatz ist - nach Richthof, Neuhof, Madöd, Böhmöd, Reiteröd, Schneideröd, Bergheim und Waltersheim.

Letzteres steuerten die Buben besonders gern an: Da gab's beim Rösch frische Hefaknedl, schwärmt Koller heute noch. (eik)
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