71 Naturfreunde wandern von Schmidmühlen in den Truppenübungsplatz: Einblick in Flora, Fauna ...
Blauer Enzian und verlassene Dörfer

Groß war das Interesse an der "weiß-blauen" Wanderung in den Truppenübungsplatz hinein. Bild: pop
Lokales
Schmidmühlen
24.09.2014
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Wanderungen in Schmidmühlen sind immer ein Erlebnis. So war es nicht verwunderlich, dass zu den traditionellen Touren des Landkreises unter dem Motto "Wandern unter weiß-blauen Himmel" Naturfreunde aus dem ganzen Landkreis dorthin kamen. Es war bereits die 16. Auflage der Reihe, an der sich der Heimat- und Kulturverein seit Beginn jedes Jahr beteiligt.

Pforte zum Himmel

Dr. Markus Perpeet, Manfred Kellner vom Bundesforstbetrieb Hohenfels und Peter Fochtner, Wanderwegewart des Heimat- und Kulturvereins, begleiteten 71 Wanderer aus der gesamten Oberpfalz über den Kreuzberg in Schmidmühlen in den Truppenübungsplatz Hohenfels. Treffpunkt war bei der Georgskirche, die voller Heimatgeschichte(n) steckt. Ein Grabstein datiert 1603. Aber warum gibt es eine Friedhofskirche in Schmidmühlen? Die Frage konnte vor einigen Jahren während der Renovierung beantwortet werden. So war das Gebäude wohl zunächst keine Kirche, sondern eher eine Halle mit zwei seitlichen Portalen. Fragmentweise konnte ein Engel freigelegt werden, mit ziemlicher Sicherheit der Erzengel Michael, der "Seelenwäger". Alles spricht dafür, dass die Georgskirche ein Eingangsportal in den Friedhof war - virtuell "die Pforte in den Himmel".

Von hier aus ging es auf den Kreuzberg, zur kleine Wallfahrtskirche Hl. Dreifaltigkeit. Der vorgeschichtliche Ringwall um sie herum zeugt von der langen Besiedelungstradition des Vils- und Lauterachtals. Die Kirche stellte Peter Fochtner vor. Seine Entstehung verdankt das Gotteshaus wohl einem Gelübde der Marktbürger und Bauern der Umgebung, als 1697 eine Viehseuche wütete.

Vorbild Bergkirche

Wie das große Vorbild, die Bergkirche in Amberg, sollte die Dreifaltigkeitskirche mit einer mächtigen Freitreppe majestätisch auf dem Kreuzberg thronen. Durch die Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges in dieser Gegend konnte jedoch nur der Chor verwirklicht werden. Seit 1953 im Truppenübungsplatz Hohenfels gelegen, drohten dem Kirchlein wie allen Gebäuden dort Verfall und Zerstörung. Dieses Schicksal konnte die Pfarrei 1969 durch einen Rückkauf von Bergkuppe und Ringwall verhindern. Dr. Markus Perpeet stellte den 16 000 Hektar großen Übungsplatz als ein landschaftlich faszinierendes Stück Oberpfälzer Jura vor. Die forstliche Betreuung werde durch den teilweise belastenden Übungsbetrieb besonders auf die Umwelt ausgerichtet. Aufgabe des Bundesforstes sei aber auch die Bewirtschaftung des Waldes zur Entlastung des Steuerzahler. Große Chancen bestünden auf großen Übungsplätzen - ohne viel Infrastruktur, Verkehr, Pestizid- und Düngereinsatz - aber auch für den Natur- und Artenschutz.

Die Wanderer begeisterten tiefblau blühende Enziane und die ersten Silberdisteln. Auch viele seltene Tiere wie Gelbbauchunke, Uhu, Schwarzstorch oder Seeadler auf der Durchreise haben hier eine neue Heimat gefunden. Hauptziel der Tour war schließlich die als Fledermauskirche bekannte Ägidiuskirche in Bergheim, eine der ältesten der Oberpfalz. Ihre Restaurierung 2012 verdankt sie der "Große Hufeisennase". Die vom Aussterben bedrohte Fledermausart hat hier deutschlandweit die letzte stabile Population, die Jungtiere in steigender Zahl hervorbringt.

Zu den Wanderern gehörte Franz Katzhammer, der einst in Bergheim wohnte. Er erzählte vom Leben und harten Arbeiten in der kargen Gegend. Einige weitere Teilnehmer entpuppten sich als Nachfahren der Bewohner Bergheims. Bei der Wanderung hatten sie Gelegenheit, zu ihren Wurzeln zurückzukehren.
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