Allerheiligen: Pfarrer wirbt für Konfrontation mit Tod
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Lokales
Schmidmühlen
04.11.2014
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Allerheiligen wurde in der Pfarrei mit einem Gottesdienst mit anschließendem Friedhofgang würdig gefeiert. Neben dem Altar stand eine Stellwand mit den Sterbebildern der Verstorbenen. Beim Vorlesen der Namen wurde jeweils eine Kerze entzündet.

In seiner Ansprache erzählte Pfarrer Werner Sulzer, dass er vor kurzem mit einer Frau ins Gespräch gekommen sei, deren Eltern bei einem Verkehrsunfall gestorben seien. "Was sie neben Schmerz und Trauer vor allem beschäftigt ist das Nicht-Glauben-Können. Immer noch gibt es Momente, in denen sie es einfach nicht glauben kann, dass ihre Eltern tot sind. Und das, obwohl der Unfall bereits sechs Jahre zurückliegt". Der Tod liege jenseits unserer Erfahrung und jenseits der Vorstellungskraft.

Bei dieser Frau komme erschwerend hinzu, dass sich der Unfall während ihres Urlaubs ereignet habe und sie ihre toten Eltern nicht mehr zu Gesicht bekommen habe. "Viele, die regelmäßig mit Todesfällen zu tun haben, bestätigen: Es ist ungemein wichtig, den Toten zu sehen, ihn noch einmal anzufassen, um den unbegreiflichen Tod zumindest im Ansatz zu begreifen. Erst dann kann der Trauerprozess in Gang kommen", sagte der Geistliche. "Diese Frau wünscht sich, sie hätte ihre toten Eltern noch einmal sehen können. Was ihr schicksalhaft versagt blieb, dazu entschließen sich Menschen unter dem ersten Eindruck des Schreckens aber oft auch freiwillig."

Die Toten anschauen

Pfarrer Werner Sulzer betonte: "Ich kann sie nur eindringlich davor warnen, diesem Impuls nachzugeben. Drücken sie sich nicht vor dieser harten Konfrontation mit dem Tod. Den Schmerz, den sie sich in diesem Moment ersparen, müssen sie danach mühsam und langwierig nachholen." Der Anblick des Toten könne alle anderen Erinnerungen an ihn nicht auslöschen. Dort, wo die Konfrontation mit dem Tod aus dem Leben verschwinde, schwinde auch der Glaube an die Auferstehung.

Die Namen der 14 Pfarrangehörigen, die seit dem letzten Allerheiligenfest gestorben sind, wurden einzeln vorgelesen . Beim anschließenden Friedhofgang segnete Pfarrer Sulzer die Gräber mit Weihwasser und Weihrauch.
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