Bis der Hopfen rot wurde

Auf großes Interesse stieß eine Wanderung durch den Naturpark Hirschwald auf den Spuren des Hopfenanbaus in Schmidmühlen. Bilder: pop (2)
Lokales
Schmidmühlen
28.04.2015
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Ziel waren die Hopfengärten im Lauterachtal: Rund 40 Wanderer erkundeten den Naturpark Hirschwald. Dabei bekamen sie Einblick in die Geschichte Schmidmühlens. Aber auch in die des Bieres.

Der Hopfen und vor allem des Bierbrauen haben hier noch drei sichtbare, steinerne Zeitzeugen: die Häuser im Ortszentrum, die Bierkeller und die Hopfengärten. Josef Popp gab bei der Wanderung einen Einblick in Schmidmühlens Braugeschichte.

Vom Hopfen in unserem Raum wird erstmals Mitte des 14. Jahrhunderts berichtet. Es war Streu- oder Zaunhopfen, wild wachsend. Vor allem wegen der klimatischen Veränderungen gewannen die Biertrinker an der Wende zum 16. Jahrhundert die Oberhand. Zum Leidwesen der Regierenden bevorzugten die Klöster und die brauenden Bürger Hopfen aus Böhmen. Die Bauern zeigten damals noch keinerlei Neigung, diese arbeitsintensive Pflanze selbst anzubauen. Es waren Bürger mit Braurechten, die sie vor den Toren der Stadt in ihren Gärten kultivierten.

Eine deutliche Handschrift hat dies im Ortskern hinterlassen. An der Hauptstraße hatten alle Giebelhäuser Hopfen Trockenböden und an beiden Giebeln mehrere Türen zum Lüften. Einige davon kann man heute noch sehen. Nachweisbar besaßen die Schmidmühlener vor mehr als 400 Jahren schon Hopfengärten. Der Anbau brachte Schmidmühlen einen gewissen Wohlstand und den Tagelöhnern Arbeit und Brot: Als "Siegelhopfen" war er einer der Besten und fand reißenden Absatz.

1867 wurde zum ersten Mal die Hälfte der Pflanzen durch Kupferbrand rot. Da es damals dagegen noch kein Mittel gab, wurde der Anbau immer unrentabler. Viele Bauern konnten nicht rechtzeitig umstellen und erlitten einen Bankrott. Viele von ihnen und auch Tagelöhner wanderten deshalb nach Amerika aus. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Schmidmühlen nur noch drei Hopfenbauern. Der letzte Hopfengarten (Mehringer) ging zwischen den beiden Weltkriegen ein.

Zum Schutz vor der Lauterach und vor Erosion wurden diese Gärten mit bis zu eineinhalb Meter hohen Mauern geschützt. Als sicher gilt, dass die Steine dafür nicht nur aus dem Lauterachtal stammen, sondern aus der Umgebung. Dies allein beweist, wie rentabel der Anbau war. Die Mauern sind zum Teil noch in hervorragendem Zustand, die Gärten oberhalb des Sportplatzes gut zu erkennen. Ebenfalls besichtigt wurde der letzte Hohlweg in der Gemeinde, mittlerweile komplett zugewachsen. Eine Freilegung als Hopfen-Wanderweg steht seit vielen Jahren ganz oben auf der Wunschliste des Kulturvereins.
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