Brauch aus dem 19. Jahrhundert

Von der Idee, einen Kurs zum Anfertigen von Wachsstöckln anzubieten, waren (von links) Eva Eichenseer, Ilona Reheis, Gerald Stauber und Ortsheimatpfleger Josef Popp begeistert. Bild: pop
Lokales
Schmidmühlen
17.10.2014
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Mit dem 1. November beginnt der Monat, in dem man sich insbesondere der Verstorbenen erinnert - an Allerheiligen und Allerseelen, am Volkstrauertag und am Totensonntag. Im Mittelpunkt steht der Glaube an ein Weiterleben in Christus.

Seit fast zwei Jahrzehnten pflegen die Schmidmühlener den alten Brauch der Allerseelenschiffchen. Diesen hatte es bereits in den 1930er Jahren gegeben, doch der Zweite Weltkrieg setzte ihm ein Ende. 1996 erweckte der Heimat- und Kulturverein die Allerseelenschiffchen wieder zum Leben. Den Anstoß dafür hatte damals Senior-Ortsheimatpfleger Michael Koller gegeben. Er erzählte, wie es damals war, als die Kinder ihre Wachsstöckln nach dem Allerseelenrosenkranz in der Friedhofkirche auf Rinden oder Holzbretter in der Lauterach schwimmen ließen.

Ein wertvolles Wachsstöckl

Fast vergessen beziehungsweise nicht mehr allzu bekannt sind die Wachsstöckl. Beim Brauchtumsabend "Wirtshausgespräche im Amberg-Sulzbacher Land" der Volkshochschule mit den Kreis- und Ortsheimatpflegern im Trachtenverein stellte Schmidmühlens Ortsheimatpfleger Josef Popp ein besonderes wertvolles Exemplar vor. Bereits an diesem Abend wurde die Idee geboren, zu Allerheiligen und Allerseelentag wieder Wachsstöckl zu fertigen.

Der Brauch, Wachsstöckl zu machen, reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und sei hauptsächlich "von Niederbayern ausgegangen". Wachsstöckl wurden entweder selbst hergestellt oder gekauft - meist an Wallfahrtsorten. Viele von ihnen wurden vor allem in einer Wachsbinderei in Regensburg gefertigt. Gleich zwei Vereine in Schmidmühlen kooperieren, um den Brauch des Wachsstöckls wiederzubeleben: der Trachtenverein und der Kulturverein. Ziel ist, das Wachsstöckl als altbayerisches christliches Kulturgut wieder zu verbreiten.

Ilona Reheis vom Trachtenverein wird einen Kurs sowohl für Kinder als auch für Erwachsene anbieten. Mitmachen kann jeder, besondere handwerkliche Kunstfertigkeit ist nicht erforderlich. Inwieweit jemand sein Wachsstöckl verziert, bleibt ihm selbst überlassen. Diese Kurse sollen ein fester Bestandteil des Jahresprogramms werden. Bei einem ersten Zusammentreffen führte Ilona Reheis den beiden Vorsitzenden, Eva Eichenseer (Kulturverein) und Gerald Stauber (Trachtenverein), vor, wie ein Wachsstöckl gefertigt wird.

Für Kinder und Erwachsene

Der Kurs zum Anfertigen eines Wachsstöckls ist am Montag, 27. Oktober, im Trachtenheim. Die Veranstaltung für die Kinder beginnt um 15 Uhr und dauert bis 17 Uhr. Die Erwachsenen starten um 18 Uhr und arbeiten etwa drei Stunden. Für das Material fällt nach Angaben des Veranstalters ein kleiner Beitrag an. Anmeldungen für den Kurs sind bis Mittwoch, 22. Oktober, möglich bei Ilona Reheis unter der Telefonnummer 0 94 74/90 80 65 sowie per E-Mail an i.reheis@gmx.de.
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