Das Brauchtum im Lebenslauf - Zeitzeugen erinnern sich in Schmidmühlen - Beerdigung nahm schon ...
Kommunion und Firmung ganz bescheiden gefeiert

Diese sogenannte Versehgarnitur mit passender Tischdecke gehörte einst zum Sterben. Bilder: pop (2)
Lokales
Schmidmühlen
28.03.2015
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Das Brauchtum im Lebenslauf - unter diesem Motto stand das zweite "Wirtshausgespräch" der Volkshochschule in der Lauterachtalgemeinde. Die Örtlichkeit hätte nicht besser gewählt werden können: das Trachtenheim, quasi die Bastion des heimatlichen Brauchtums. Die Trachtler haben aber nicht nur ihr Haus zur Verfügung gestellt, sondern auch oberpfälzisch aufgekocht: Surfleisch, Kartoffeln, bayerisches Sauerkraut und Schwarzbrot.

Wer gedacht hatte, dass Brauchtum nicht mehr interessiert, musste sich eines Besseren belehren lassen. Wie schon im vergangenen Jahr war innerhalb kürzester Zeit kein Platz mehr frei - das Interesse groß.

Sehr christlich geprägt

Bürgermeister Peter Braun und Ortsheimatpfleger Josef Popp sowie Kreisheimatpflegerin Martha Pruy führten durch das Programm. Das Leben sei auch in Schmidmühlen meist mit christlichen Bräuchen eng verbunden, so Josef Popp. Gleich nach der Geburt eines Kindes war die Taufe - ein nüchterner Vorgang ohne Feier, meist ohne Mutter, nur mit dem Paten, der Hebamme oder einer weiteren Person. Georg Koller (Winbuch) konnte berichten, dass der Pfarrer von Vilshofen bei Wind und Wetter nach Winbuch zur Taufe kam. Oder das Kind wurde in eine "Spitzkirm" gepackt und zum Pfarrer gebracht - auch bei Eiseskälte.

Es folgte schon Anfang und Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Kindergartenzeit. Ursprünglich war der Kindergarten im Elisabethenheim damals mehr eine Verwahranstalt - und so hieß der Kindergarten früher auch. Die Erziehung besorgten die Mallersdorfer Schwestern. Im Dritten Reich übernahmen "zivile" Erzieherinnen diesen Dienst - diese Schwestern, so erinnerte sich Michael Koller, hießen damals im Volksmund die "braunen Schwestern".

Bescheiden ging es beim Schulanfang und bei der ersten Hl. Kommunion zu. Doch bei der Kommunion gab es einen Zusammenhang, der vorher noch niemanden so bewusst war: Jedes Kind, das Kommunion hatte, wurde auch üblicherweise - nicht jeder war dabei - in die Sebastiani-Bruderschaft aufgenommen. Deren Gründung in Schmidmühlen geht auf das Jahr 1475 zurück.

Bescheiden wurde auch die Firmung gefeiert. Allerdings, so erinnerte sich Willi Kugler, kam es schon mal vor, dass die Firmpaten im Wirtshaus so dem Bier zusprachen, dass sie sich das geschenkte Firmgeld von den Firmlingen wieder leihen mussten. Vielfältig war auch das Brauchtum zur Hochzeit. Brauch war es zumindest in Schmidmühlen noch bis in die 70er Jahre, dass vom Haus des Bräutigams oder der Braut in der Nacht eine Spur aus Sägespänen zu einem Verflossenen gestreut wurde.

Als das Leben schließlich zu Ende ging, waren die Angehörigen ebenfalls um das Seelenheil besorgt. Georg Höfler erinnerte sich, wie es früher auf den Einödhöfen war. Lag jemand am Sterben wurde nach dem Pfarrer geschickt. Der kam dann in aller Regel zu Fuß und kündigte mit einer kleinen Glocke sein Kommen an. Schließlich spendete er die "letzte Ölung". Nicht immer war eine Beerdigung eine traurige Sache. Es kam schon vor, dass im Wirtshaus bei Blasmusik der Leichtrunk etwas fröhlicher ausfiel, als gedacht.
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