Das große Schweigen

Lokales
Schmidmühlen
18.02.2015
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Frack und Zylinder zu tragen, gehört zur Tradition. Es wird ruhig in der Wirtsstube des Ochsenwirts um kurz vor "Oans". Im Gasthaus gegenüber der Kirche wird zwar keine große Aschermittwochspolitik gemacht, dort kommen die Männer zum traditionellen Fischzug zusammen - schon seit mehr als 100 Jahren.

Zeremonienmeister Thomas Wagner verkündet mit ernster Miene die Verhaltensregeln. Für ein paar Grünspunde, darunter auch Faschingsprinz Sebastian Pirzer, ist diese Tradition freilich Neuland. Doch die Masse der Teilnehmer kann dieses Prozedere auswendig - aber trotzdem gibt es jedes Jahr ein paar Strafzettel wegen Pfeifen, Lachen, Singen oder Grimassen ziehen. Darum kümmert sich Steuereintreiber Klaus Schwarz. Die Verhaltensregeln sind fest eingefahren und das Grummeln der Fischzugteilnehmer signalisiert Zustimmung.

Eine Runde im Zug dabei

Ehrengast am Aschermittwoch in Schmidmühlen ist US-Generalkonsul Bill Moeller, der von Passau kommend noch eine Runde beim Fischzug in Schmidmühlen mitgeht - und es bereitet ihm sichtlich Freude. Er lernte so den dienstälteste Heischebrauch seiner Art in Bayern kennen; einer Überlieferung, der bis in die späten Abendstunden "in schweigender Reihe" nachgegangen wird. Zuerst die Laternenträger Josef Vogl und Christian Graf, dann Faschingsprinz Sebastian Pirzer, Zeremonienmeister Thomas Wagner, Bürgermeister Peter Braun, Ehrengast Generalkonsul Bill Moeller, Brotmeister Michael Eckmeder, Fischmeister Markus Hummel und Steuereintreiber Klaus Schwarz.

"Billettl" auf dem Frack

"Oans is glei, Manna, etz pack mas", mahnt Zeremonienmeister Thomas Wagner zum Aufbruch. Er ruft die Fischzügler zu innerer Ruhe und Einkehr auf. "Wir gehen immer auf der linken Straßenseite", instruiert er sie. Gut eine halbe Stunde vorher waren die ersten Männer zum Ochsenwirt gekommen, um sich das obligate "Billettl" als Zeichen der Teilnahme am Fischzug vom Zeremonienmeister auf den Frack malen zu lassen. Schnell geht es auf die volle Stunde zu, durchs Wirtshausfenster schauen die Späher auf die Uhr von St. Ägidius, denn der Glockenschlag ist das Zeichen zum Aufbruch.

Schweigend verlassen die Männer das Wirtshaus, draußen auf der Straße darf nicht mehr geredet, gepfiffen, gesungen oder andere Grimassen gemacht werden. "Fünf Euro kostet jeder Verstoß, beim dritten Mal erfolgt der Rausschmiss", hatte Thomas Wagner verkündet. Ab der Haustürschwelle gilt eben "Fischzugmiene" und absolute Ruhe für die illustre Gesellschaft, die am späten Abend bei Kerzenlicht den Geldbeutel im Kirwabaumloch begräbt.

Im Krieg nicht gepflegt

Der im Jahr 1901 gegründete Burschenverein war es, der sich dieses Heischebrauchs wieder angenommen hatte. Man muss davon ausgehen, dass während des Ersten Weltkriegs diese Tradition nicht gepflegt wurde. Erst Jahre nach Kriegsende nahm der Burschenverein diesen Brauch wieder auf - das dürfte um das Jahr 1925 gewesen sein. Damals zählte man im Markt 19 Gasthöfe und Bierschänken, die teilweise mit eigenen Braurechten ausgestattet waren und heute noch sind. Die Kommunbrauerei in der "Mulz" stellte in den 50er Jahren das Brauen ein.

Ochsenwirt und Anker

Um 1900 gab es folgende Gastwirtschaften im Markt: Beim Hackl (Johann Espach), Lammmichl (Espach-Altenbuchner), Wagner (Markjackl), Bayerischer Hof (Hiltl), Kannesmetzger (Schmid-Bräu), Ochsenwirt (Martin Spies), Wolderl (Ludwig Espach/Michl), Goldene Anker (Hummel), Dirschenreither (Josef Kneidl), Kirchenschreiner (Josef Mehringer), Edl (Weigert), Goldener Stern (Sternwirt), Hirschenwirt (Weigert), Fischer (Heinrich Renghart), Fuchs (Ludwig/Lindenhof), Christoph (Lehmeier), Hiasl (Bräustüberl), Post (Rubenbauer), Simma'l (Eckhaus Poststraße/Rathausstraße).
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