Die Menschen als Osterengel

Auf dem Kirchplatz weihte Pfarrer Werner Sulzer das Feuer. Bild: bjo
Lokales
Schmidmühlen
07.04.2015
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Wer wird für mich, wer wird für dich zum Osterengel, zum Boten der Auferstehung? Diesem, von Wilhelm Willms gedichteten Satz ging Pfarrer Werner Sulzer in der Osternacht nach.

Mit der brennenden Osterkerze zog der Geistliche bei der Osternacht vom hinteren Kirchenportal in das finstere Gotteshaus ein. Auf sein gesungenes "Lumen Christi" antworteten die Gläubigen mit "Deo gratias". Die Ministranten gaben das Licht der Osterkerze an die Menschen weiter.

"Die Auferstehung braucht Boten", betonte Sulzer in seiner Predigt. Denn offensichtlich spreche das leere Grab nicht für sich. Es brauche jemanden, der es deute. Der Geistliche zitierte Wilhelm Willms, der gedichtet hatte: "Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht? Welcher Engel wird wohl kommen, der den Stein vom Grabe hebt? Wirst du für mich, werd ich für dich, der Engel sein? Wer wird für mich, wer wird für dich zum Osterengel, zum Boten der Auferstehung?"

Aus Fleisch und Blut

Offensichtlich denke Willms dabei nicht an himmlische Wesen, sondern an Menschen aus Fleisch und Blut. Ein Bote der Auferstehung dürfe dem Tod, der Trauer und den Trauernden nicht aus dem Weg gehen, sondern müsse dorthin gehen, wo sie zu Hause seien. Den Vorboten des Todes, Schwäche und Verfall, Tod und Trauer zu begegnen, sei fordernd, denn das mache sprach- und hilflos. Viele Menschen würden um Altenheime und Beerdigungen einen weiten Bogen machen und die Straßenseite wechseln, wenn sie Trauernden begegnen. "Doch damit werden sie zu Todesengeln, weil die lähmende Macht des Todes nur umso mächtiger wird", so der Geistliche.

Primärer Verkündigungsort der Auferstehung sei überall, wo menschliches Leben zu Ende gehe und am Ende sei. "Nur wer sich diesen Orten und dem, was damit verbunden ist, stellt, kann zum Osterboten werden", erklärte der Pfarrer. Der Auferstehungs-Engel sei eine strahlende Gestalt, von ihm gehe Positives und Hoffnungsvolles aus. Eine solche Ausstrahlung stelle sich dort ein, wo jemand zutiefst von Hoffnung, von dieser Kraft, die über diese Welt hinausreicht, erfüllt und getragen sei. Dies geschehe, wenn Menschen den Auferstandenen in ihr Leben holten und ihr Leben von ihm tragen ließen.

"Wo mein Leben von ihm getragen ist, ist es von Hoffnung getragen", fuhr Sulzer fort und machte deutlich, dass dies nicht so einfach im Vorbeigehen geschehe. "Diese Verbindung muss ich immer und immer wieder suchen." Dies sei der Grund dafür, dass die Gläubigen Sonntag für Sonntag dazu eingeladen werden, Ostern zu feiern, "damit die Kraft der Auferstehung uns erfüllt, Hoffnung uns durchdringt - "so sehr, dass sie unser Leben zum Strahlen bringt".

Fragen nicht ausweichen

Jeder habe die Möglichkeit, der Osterbote zu sein, vorausgesetzt er weiche den Fragen des Lebens nicht aus und gehe dort hin, wo Tod und Trauer zu Hause sind.
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