Eine ungewöhnliche Aufführung im Hammerschloss
Lessings Nathan als Puppenspiel

Große Literatur als Puppenspiel - warum nicht! Rolf Hector vom Diwan-Theater inszenierte Lessings "Nathan, der Weise", auf diese ungewöhnliche Art in Schmidmühlen. Aufmerksame Zuschauer erkannten gleich: Die Hauptfigur trägt die Gesichtszüge des Puppenspielers. Bild: pop
Lokales
Schmidmühlen
20.05.2015
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Ein Standardwerk der deutschen Literatur, vielen Generationen von Schülern bekannt: Nathan der Weise ist immer noch ein Werk, das es lohnt, gelesen oder gesehen zu werden.

Das fünfaktige Ideendrama von Gotthold Ephraim Lessing, 1779 veröffentlicht und am 14. April 1783 in Berlin uraufgeführt, war am Wochenende ein Thema des Heimat- und Kulturvereins.

Große Charakterköpfe

Der Schauspieler und Puppenspieler Rolf Hector vom Osnabrücker Diwan-Theater führte im Hammerschloss eine ganz eigene Fassung vor. Er spielte Nathan der Weise als Ein- Mann-Stück mit Handpuppen, die vor allem durch ihre großen Charakterköpfe ins Auge stachen. Dabei fiel schon auf den ersten Blick auf, dass die Nathan-Puppe Hectors Gesichtszüge trägt - was sicher auf eine persönliche Identifikation des Protagonisten mit seiner Hauptfigur schließen lässt.

Lessings eindrucksvoller Stoff über Toleranz und Menschlichkeit hat auch nach 200 Jahren nicht an Bedeutung verloren, sondern fordert in Zeiten der Globalisierung eine unausweichliche Auseinandersetzung. Immer wieder verstand es Rolf Hector, unterschwellig und mit einem Schuss Sarkasmus, einen Bezug zur Jetztzeit herzustellen, die noch weit entfernt ist von Toleranz und Menschlichkeit.

Alle sind Menschen

Nathan der Weise ist die Geschichte eines selbstlos weitdenkenden Juden, der zur Zeit der Kreuzzüge eine christliche Waise als seine Tochter aufnimmt. Als das heranwachsende Mädchen von einem Tempelherrn, der wie durch ein Wunder vom Sultan begnadigt worden ist, aus dem Feuer gerettet wird, und sich dieser auch noch in sie verliebt, gibt es einige Verwirrungen, Vorurteile und festgefahrene Denkmuster zu bekämpfen, bis eines schließlich immer deutlicher wird: Alle Menschen, gleich, welcher Religion, sind als erstes Menschen - und verwandter, als es auf den ersten Blick scheint.

Diese Aufführung war sicher eine der anspruchsvollsten Veranstaltungen des Kulturvereins, die durchaus noch mehr Zuschauer verdient hätte.
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