Einschlag als langfristige Inventur

Richard Lehmeier vom Landschaftspflegeverband erklärte den Gewinn beim Waldbau nicht nur für die Holznutzer, sondern auch für die Natur. Bild: pop
Lokales
Schmidmühlen
30.07.2015
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Waldbau und Naturschutz - zwei Aufgabengebiete für den Forst und die Naturschutzverbände, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Allerdings nur auf den ersten, wie die Teilnehmer einer Exkursion durch den Gemeindewald von Schmidmühlen erfuhren. Kritische Nachfragen zogen kontroverse Diskussionen nach sich.

Eingeladen hatte das Landwirtschaftsamt mit Beratungsförster Anton Preischl. Unterstützt wurde diese Aktion von Richard Lehmeier vom Landschaftspflegeverband. Im Herbst 2013 erfolgte eine zehn Hektar umfassende Durchforstung des Gemeindewaldgebiets Tummelplatz. Dabei konnte für den Markt Schmidmühlen ein Erlös von etwa 20 000 Euro erzielt werden. Ursprünglich diente der Hang bis etwa Mitte der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Weidefläche, bis er sukzessive immer mehr verbuschte. Im Jahr 2006 erfolgten auf Initiative des Gartenbau- und Ortsverschönerungsvereins erste Maßnahmen zur Sicherung des Trockenrasens - etwa 1,5 Hektar. "Holz ist der umweltverträgliche und klimaneutrale Rohstoff schlechthin", sagte Preischl. "Man sollte ihn so naturnah wie möglich nutzen, statt ihn durch umweltbelastende Stoffe zu ersetzen." Dafür unentbehrliche Rückegassen und -wege würden sich bald unauffällig ins gesamte Waldbild einfügen.

Neue Lebensräume

Ziel des nachhaltigen naturnahen Waldbaus ist, dass man nur so viel Holz entnimmt, wie nachwächst. Naturnah arbeiten und wirtschaften heißt aber auch, dass Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten werden oder neu entstehen. Neben dem Markt Schmidmühlen gab es bei der Durchforstung aber auch laut Preischl noch einen zweiten Profiteur: die Natur.

So sei Totholz erhalten geblieben, das wiederum Lebensraum für Höhlenbrüter und Nachfolgearten biete. "Ziel der Durchforstung war auch, mehr Licht auf den Waldboden zu lassen, um die sogenannte Naturverjüngung, das heißt den Anflug von Laubbaumarten, zu fördern", erklärte Preischl. Der nach Südwesten hin offene Standort fordere mit Blick auf den Klimawandel einen Umbau hin zu wärmeliebenden Laubbaumarten. Richard Lehmeier verwies auf Mehlbeere, Kirsche, Wildbirne, Nussbaum oder auch die Elsbeere. Ob die Sämlinge sich gegen die Konkurrenz aus Brombeere und Schlehe behaupten können, hänge auch vom Verbissdruck durch Rehwild ab.

Die inzwischen vom Bauhof Schmidmühlen aufgestellten drei Weiserzäune werden in zwei bis drei Jahren erste Aufschlüsse dazu geben. Lehmeier nannte in diesem Zusammenhang die aus naturschützerischer Sicht durchaus als Lebensraum wertvollen Brombeer- und Schlehenbereiche im Wald, wenngleich eine waldbauliche Verjüngung dadurch oft verzögert werde. Viele Vögel brüten gerne im Brombeergestrüpp, da Nester und Jungvögel durch die Stacheln geschützt und entsprechende Nahrung vorhanden sei.

Gravierender Einschlag?

Erwin Graf, Forstbetrieb Burglengenfeld, wurde auf die vermeintlich zu großen Holzeinschlagsmengen im Staatswald angesprochen. Graf verglich in diesem Zusammenhang die in der Vergangenheit üblichen vielen kleinen Hiebe mit den heutzutage wenigen, konzentrierten und entsprechend umfangreichen, die ins Auge stechen. Er erläuterte diese Maßnahmen mit dem Hinweis, dass durch langfristige Inventuren und Vergleiche von Einschlag und Zuwachs ein nachhaltiger Umgang mit den Staatswäldern garantiert sei. Anton Preischl bestätigte, dass viele Bürger die Holzernte kritisch, sicher auch negativ sehen. "Aber der Rohstoff Holz wächst vor unserer Haustüre und immer wieder nach. Und viele nutzen ihn: zum Bauen, zum Heizen und zum Wohnen."

Keine Felsenfreilegung

Richard Lehmeier bezog auch Stellung zur Freistellung von Felsen im Vils- und Lauterachtal. Sie ist derzeit im Gemeindewald nicht vorgesehen. Die Freistellung von Felsen erfolgt nach bestimmten Kriterien. Es sei bei besonderer kultureller oder artenschutzfachlicher Bedeutung sinnvoll, beispielsweise bei einem Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten, die an den speziellen Lebensraum "besonnter Fels" angepasst sind, wie Donarsbart, Pfingstnelke, Segelfalter.

Der 2006 entbuschte Trockenrasen nördlich des Gemeindewaldes ist in ein Beweidungskonzept des LPV integriert und beherbergt regionale Besonderheiten wie zum Beispiel den Weißen Waldportier, einen Schmetterling, die Kleine Wachsblume und die Wachsblumen-Mauerbiene oder den Segelfalter.

Zum Abschluss zeigte sich Bürgermeister Peter Braun angetan: "Wir wollen unseren Wald naturnah bewirtschaften, weil dies ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist."
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