Heute Bronze, einst Salz und Erz

Bs zu 24 Meter waren die Vilsschiffe lang. Bei gutem Wasserstand konnten sie 120 Fässer Salz laden, davon berichtet Heimatchronist Franz Xaver Eichenseer in seinen Erzählungen. Die Künstler Hanna Regina Uber und Robert Diem haben das Schiffsmodell in Bronze gegossen. Bilder: bö (2)
Lokales
Schmidmühlen
03.11.2014
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Schifffahrt und Eisenhämmer prägten einst das Leben der Menschen entlang der Vils. Das alles ist längst vergangen, soll aber nicht vergessen werden. Aus diesem Grund bekommt Schmidmühlen eine Kunstwanderstation.

(bö) Sogar mehrmals am Tag ist Bürgermeister Peter Braun zuletzt an seiner jüngsten Baustelle vorbeigekommen, um sich ein Bild darüber zu machen, wie die jüngste Kunstwanderstation der Naturparkgemeinden in Schmidmühlen aussehen wird. Neugierde - sicherlich: "Es ist ein heimatverbindendes Kunstwerk geworden, das seinem Betrachter viel erzählen kann", meinte er in Würdigung der künstlerischen Arbeit von Hanna Regina Uber und Robert Diem aus Aschach. Nicht von ungefähr hat man von Schmidmühlener Seite den Standort an der Bahnhofstraße bei der Einfahrt zum Parkplatz an der Mühlwiese gewählt. Denn dies ist wohl einer der am meisten frequentierten Orte in der Gemeinde.

Einst "Alte Vils"

Bis ins 19. Jahrhunderts war das freilich noch anders: Wo jetzt die Bahnhofstraße verläuft, ist damals noch ein Nebenarm der Vils gewesen. Die "Alte Vils" wurde später aufgeschüttet und zur Straße. Im Urkataster von 1832 ist der Vilsarm noch deutlich erkennbar.

Erhalten geblieben ist nur einen Steinwurf weiter auf der anderen Straßenseite der ehemalige Salzstadel. Er diente als Lagerstätte für Waren von Vilsschiffen. Diese brachten flussaufwärts überwiegend Salz aus dem Berchtesgadener Land mit und hatten auf der Rückfahrt nach Regensburg Amberger Eisenerz geladen. "Einen besseren Standort hätte man für dieses Kunstwerk nicht finden können", ist Braun überzeugt.

Die von Uber und Diem künstlerisch gestaltete Arbeit gibt mit ihrem Werk einen umfassenden Einblick in die damalige Situation des Lebens am Fluss in Schmidmühlen. Von etwa 1010 bis ins Jahr 1826 waren die etwa 20 Meter langen Treidelkähne auf der Vils zu sehen gewesen.

Für das Naturleben im Naturpark Hirschwald spielen Vils und Lauterach eine zentrale Rolle. Daraus ergibt sich die Besonderheit, dass Schmidmühlen auf mehrere Inseln gebaut worden ist. Durch einen historischen Handelsweg von Nürnberg nach Regensburg, über die sogenannte "Hochstrass", entstand in Schmidmühlen um das Jahr 1000 auch dieser kleine Binnenhafen als Salz- und Erzlagerstatt zur Weiterführung des Weges.

Schlichte Ästhetik

Die Kunstwanderstation thematisiert das Leben am Fluss. Die schlichte architektonische Ästhetik der historischen Schiffe diente den Künstlern als Basis zur Entwicklung ihres Unikates. Die etwa 80 Zentimeter lange Skulptur weißt auf die regionalen Besonderheiten der Bootsbaukunst im frühen Mittelalter hin. Auf drei Elementen basiert auch das kleine Kunstwerk in Schmidmühlen, das an die große Zeit der Eisenhämmer und Schmieden in der Region erinnert. Zum einen ist es eine Sitzspirale und eine Informationsstele mit viel Wissenswertem zur Geschichte Schmidmühlens und zum dritten ist es das unikate Kunstwerk, das die Besonderheit des Standortes thematisch aufgreift.

Zum Verweilen

In der Formsprache, der künstlerischen Umsetzung aber finden sich bei allen Kunstwerken Anklänge an den fantastischen Realismus, was zu einem geschlossenen Gesamteindruck führt. So lädt die ergonomische Form der Sitzspirale altersgerecht mit verschiedenen Sitzhöhen und einer Ablage für Karten und Brotzeit zum Verweilen ein. Die Informationsstele bietet auf zwei Metalltafeln Wissenswertes zum Naturpark sowie eine Erläuterung des Kunstwerks und Informationen zum Standort. Die Einweihung des Naturpark-Kunstdenkmals ist noch in diesem Jahr vorgesehen.(Hintergrund)
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