Inventur im Übungsplatz

Wildschäden auf dem Truppenübungsplatz werden durch steigende Abschüsse, aber auch durch große Ruhezonen für Rotwild verringert, in denen es ungestört Gras statt Baumrinde und Knospen fressen kann. Bilder: bö (2)
Lokales
Schmidmühlen
21.03.2015
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Ein lernendes System sind die Waldbestände des Truppenübungsplatzes Hohenfels. Kürzlich stand wieder eine Inventur an - eine, die etwa alle zehn Jahre fällig wird.

Auf dem Prüfstand der Bundesforstzentrale ist kürzlich die Arbeit des in Schmidmühlen ansässigen Bundesforstbetriebes Hohenfels. In regelmäßigen Abständen kommen die Experten der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, um sich ein Bild zu machen. Die Gesamtbeurteilung war sehr gut, wenn man die Ergebnisse der verschiedenen forstlichen Betrachtungen übereinanderlegt. Etwa alle zehn Jahre stehen für die Forstleute Inventur und Planung an.

Dieser ökologische Kassensturz war mit Spannung erwartet worden. Außerdem wollten die Bundesförster vor Ort von Forsteinrichter Alexander Patt und Unternehmer Markus Schöning wissen, ob sie bei der Betreuung der Wälder des Truppenübungsplatzes die Naturnähe weiter steigern konnten. Schließlich gehört der Truppenübungsplatz zu einem EU-Schutzgebiet, in dem Flora, Fauna, Habitate (FFH) von überregionaler Bedeutung zu finden sind. Im Dialog mit den US-Streitkräften werden die Waldfunktionsflächen, die die speziellen militärischen Ansprüche erfüllen sollen, ausgewiesen. Bei der Forsteinrichtung werden sie inventarisiert, bewertet und beplant, so Forstdirektor Dr. Markus Perpeet.

Die Schlusspräsentation der Ergebnisse der Forsteinrichtung fand im Hauptquartier des Joint Multinational Readiness Center (JMRC) statt, denn die Wälder des Übungsplatzes sollen die negativen Auswirkungen des Militärbetriebes, also Staub-, Schlamm- und Lärmaustrag in die umliegende Kulturlandschaft, so weit wie möglich abmildern. Auch wenn gegen Panzerketten kein Kraut gewachsen ist, trotzt ein artenreicher, naturnaher Buchenwald mit viel Biomasse, anspruchslosen Belastungen am besten - und kann so eine Schutzfunktion entfalten.

Neue Kulissen schaffen

"Da wir keine Hellseher sind - wer hätte vor einem Jahr mit Krim- und Ukraine Krise gerechnet - brauchen wir eine Übungsplatzlandschaft, die bei Störungen mit größtmöglicher Flexibilität reagiert", so der JMCR-Kommandeur Oberst Thomas Mackey. Der Bundesforst sei da auf dem richtigen Weg, betonte er. Neue Kulissen schaffen für neue Übungsszenarien rund um die Übungsdörfer sei eine der Anforderungen des Militärs in Hohenfels an die Forstleute.

Die wichtigen Ergebnisse aus den sieben Forstrevieren auf einer Fläche von 9600 Hektar Wald und 6600 Hektar Freifläche wurden so zusammengefasst. 37 Prozent des Waldbestandes sind Kiefern, 27 Prozent Buchen und 25 Prozent Fichten, die 80- bis 120-jährigen Bestände überwiegen. Den Holzbestand gab Perpeet mit etwa 250 Kubikmeter pro Hektar an. Biotopbäume, sogenannte Spechtbäume, seien in mindestens 450 Waldorten zu finden.

Nachwehen ausgleichen

FFH-Lebensraumtypen wurden mit 2000 Hektar genannt. Der Holzvorrat sei bei einem Einschlag von fünf Kubikmetern pro Jahr und Hektar bei gleichzeitigem Zuwachs von sechs Kubikmetern gesteigert worden. Er soll in gleicher Höhe beibehalten werden, um die Nachwehen der Plünderungen bei der Errichtung des Übungsplatzes im Jahr 1951 weiter auszugleichen, so Perpeet weiter. Damals waren in wenigen Monate mehr als 300 000 Festmeter Holz in den Wäldern des Erweiterungsgebietes geschlagen worden.(Hintergrund)
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