Jeder Schluck ist harte Arbeit

Wer wollte, konnte sich seine Tasse Kaffee erarbeiten. Das verlangte den Besuchern einiges ab. 47 Bohnen für eine Portion zu sortieren, war dabei noch eine leichtere Aufgabe. Bilder: bjo (2)
Lokales
Schmidmühlen
17.07.2015
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Ein Druck aufs Knöpfchen und schon tropft der Kaffee in die Kanne: Ganz so einfach hatten es die Besucher des Eine-Welt-Fests nicht. Sie lernten das beliebte Getränk durch eigene Handarbeit aus ganz neuer Perspektive kennen - und dadurch schätzen.

Zu dem kleinen Eine-Welt-Fest hatten Pfarrgemeinderat und Kolping in den Klostergarten eingeladen. Beide Institutionen gestalteten auch die Gottesdienste am Samstag und Sonntag. Pfarrer Werner Sulzer ließ als Predigt eine denkwürdige Begegnung im Vorratsschrank ablaufen - zwischen Sonderangebots-Kaffee aus dem Supermarkt und einer Packung Fair-Trade-Kaffee von Kolping. Das Zwiegespräch zwischen diesen ungleichen Schwestern setzten zwei Darsteller vor dem Altar in Szene.

Gerechter Lohn

Die Erkenntnis: Vom Fair-Trade-Kaffee-Preis von 6,99 Euro können die Erzeuger leben - dank eines gerechten Lohns, durch den sie sich auch Kleidung, Medizin und Schulbücher leisten können. Finanziert werden vom Erlös auch Einrichtungen, die dem ganzen Dorf zugutekommen: eine Gesundheitsstation, ein gemeinsames Brunnenprojekt oder eine Schule. Und schließlich sind bei dieser Handelslinie Kinderarbeit und bestimmte Pestizide verboten.

In einem Kaffeeparcours im Klostergarten konnten die Besucher am Sonntagnachmittag dann ihre Kaffeebohnen selbst sortieren (47 für eine Tasse), dann mussten sie an der Börse den Preis dafür ermitteln. Danach ging es zum Rösten auf kleinen Metallpfännchen und zum Mahlen der nach Geschmack hell bis dunkel gerösteten Bohnen, in einer manuellen Kaffeemühle. Das verlangte den Teilnehmern einige Anstrengung ab, machte ihnen aber auch viel Spaß. Das so entstandene Pulver durften sie selber aufgießen und damit ihren eigenen produzierten Kaffee genießen: Eine Erfahrung, die sich viele Besucher nicht entgehen ließen. Wer wollte, konnte auch mal einen 60 Kilo schweren Kaffeesack in die Luft stemmen - worauf die meisten Teilnehmer aber verständlicherweise keinen Wert legten.

Einmal Kaffeebauer sein

Infotafeln vermittelten die nötigen Hintergrundinformationen. Das tat auch ein Kurzfilm über die Kaffeeproduktion der Kleinbauern in der Bücherei. Ziel des Parcours war es vor allem, den fairen Handel in der Pfarrei besser bekanntzumachen und die Menschen für eine halbe Stunde in die Rolle eines Kaffeebauern schlüpfen zu lassen. Die Kolpingsfamilie verkaufte dazu fair gehandelte Waren von Kleinproduzenten, für die diese Aktion gedacht war. Wenn der Weltmarktpreis am Boden liegt - und dies geschieht alle paar Jahre - werden Kleinbauern zum Aufgeben oder zum Emigrieren in die Großstadt gezwungen, wo sie meistens keine Arbeit finden. Fairer Handel bedeutet in diesen Zeiten schlicht und einfach Existenzsicherung. Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates hatten Tische und Bänke im Klostergarten aufgestellt, wo sie selbst gemachten Kuchen und Kaffee servierten - Letzterer natürlich aus dem Eine-Welt-Laden. Viele Pfarrangehörige genossen dieses Angebot im schattigen Klostergarten. Und Pfarrei und Kolpingsfamilie leisteten damit einen kleinen Beitrag, die Welt ein bisschen menschlicher zu machen.
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