Kirchlein und Bildstöcke in Schmidmühlen: Die Geschichte der Schallerkapelle
Zeugnisse tiefen Glaubens

Die alte Schallerkapelle ist auf einem Foto im Archiv des heimatkundlichen Arbeitskreises dokumentiert.
Lokales
Schmidmühlen
17.04.2015
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Kleine Kapellen oder Bildstöcke sind Zeugnisse tiefen christlichen Glaubens und stehen auch für Geschichte und Zeitgeist. In Schmidmühlen gibt es einige solcher Kleinode - auf Initiative von Privatleuten errichtet. Bei vielen von ihnen kennt man weder die Entstehungszeit, noch kann man typische Merkmale eines bestimmten Stiles entdecken. Die Erbauer und ihre Motivation bleiben oft ebenfalls im Dunklen.

Das Feuerrad vom Berg

Bei der Schallerkapelle ist das anders. Ihre Geschichte kann man anhand von Dokumenten gut nachvollziehen. Die Kapelle, die jetzt an der Brunnlettstraße steht, wurde als Ersatz für das alte Kirchlein gebaut, das 1962 dem Straßenverkehr weichen musste.

Ein Akt im Staatsarchiv Amberg gibt Aufschluss darüber. Man erfährt allerdings nicht, aus welchem Grund der Landwirt und Regensburger Bote Leonhart Schaller sie erbaut hat. Mündlich ist überliefert, dass ein Feuerrad vom Brunnlettberg heruntergerollt und an einer bestimmten Stelle zum Stillstand gekommen sei: Erst als dort die Kapelle gebaut war, habe dieser Spuk ein Ende genommen. Dies ist sicher die mystische Erklärung - die andere, wahrscheinlichere, war wohl der Tatsache zuzuschreiben, dass Leonhart Schaller als Bote und Fuhrmann mit seinem Gespann und seiner Fracht vielen Gefahren ausgesetzt war: Immerhin schrieb man das Jahr 1846, als er mit dem Bau begann.

Schaller besprach sein Vorhaben mit seinem Pfarrherrn. Das Pfarramt Schmidmühlen berichtete daraufhin am 20. August 1844 an das Landgerichtsamt: "Der hiesige Regensburger Bote Leonhart Schaller will auf seine Kosten auf einen Grund und Boden, den ihm der hiesige Magistrat abgetreten, nach anliegenden Plan eine Feldkapelle im sogenannten Harschhofer Feld erbauen. Das Omnis fabricae übernimmt der Antragsteller. Man stellt nun das Ansuchen an die königlichen Distrikts - Polizeibehörde Burglengenfeld, die Genehmigung zu erteilen. In Hochachtung S. Frank, Pfarrer."

"Allerhöchst" genehmigt

Die Genehmigung dauerte dann doch einige Zeit. Erst als Bürgermeister Reindl bescheinigte, dass Leonhart Schaller ein Vermögen von 1500 Gulden besitze und damit die Kapelle nicht nur bauen, sondern auch unterhalten könne, wurde der Bau genehmigt. Am 28. März 1846 hat die Regierung in Regensburg "im Namen seiner Majestät des Königs den Entwurf Lit. A. zu einer Feldkapelle in Schmidmühlen, welche mit Zustimmung des bischöflichen Ordinariats Regensburg auf Kosten des Boten Leonhart Schaller in Schmidmühlen erbaut werden soll, als zur Ausführung geeignet, ohne Änderung, Allerhöchst zu genehmigen geruht".

Vier Wochen später war Baubeginn für die von Maurermeister Josef Flierl geplante Kapelle. Als Altarbild ließ der Stifter eine große Pieta malen, in einen Rokokorahmen gefasst.

Verkehrsbedingtes Ende

Nach dem verkehrsbedingten Abbruch Anfang der 60-er Jahre wurde die Kapelle von Anton Kreitmeier, Max Kuschel und Hermann Schaller wieder neu aufgebaut. Maria Hirteis stiftete das vom Dorfgendarmen Gareis gefertigte Kreuz. Die Planung übernahm der Markt, der auch das Material stiftete.
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