Kirwa mit Blick aufs Minarett

Ein kurioser Anblick: Der Kirwabaum in Enslwang - nur einen Steinwurf vom Minarett im Übungsdorf entfernt. Ausgetanzt wurde er mitten auf der Panzerstraße. Bilder: Böhm
Lokales
Schmidmühlen
07.07.2015
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77 Jahre ist die letzte Kirchweih in Enslwang her - jetzt tanzten dort wieder junge Paare um den weiß-blauen Baum. Mitten in einem orientalischen Dorf.

Gut 150 Schmidmühlener waren dabei, als jetzt, nach fast 80 Jahren, im abgelösten Juradorf im Truppenübungsplatz Hohenfels zum ersten Mal wieder ein Kirchweihbaum aufgestellt und ausgetanzt wurde. Freilich dieses Mal nicht im Schatten des Kirchturmes von St. Nikolaus in Enslwang, sondern nicht weit weg von dem Minarett, das heute das dominante Bauwerk im Übungsdorf ist.

Gelegenheit genutzt

Der Heimat- und Kulturverein Schmidmühlen hatte in Zusammenarbeit mit der Reservistenkameradschaft, den Kirchweihpaaren und nicht zuletzt dem Markt Schmidmühlen als offiziellem Ansprechpartner der US-Army in Hohenfels die Gelegenheit genutzt, im Zuge einer Übungsplatz-Rundfahrt die Enslwanger Kirchweih neu zu organisieren - eben erstmals wieder seit 1937.

Dass diese Rundfahrt fast den Rahmen des Machbaren sprengte, liegt nach Ansicht von Bürgermeister Peter Braun sowie der Vorsitzenden des Kulturvereins, Eva Eichenseer, wohl auch daran, dass man nur selten die Möglichkeit hat, dieses militärische Terrain zu betreten.

Von der Filialkirche St. Nikolaus sind heute nur noch ein paar Grundmauern zu sehen. Auch sonst erinnern nur noch schroffe, verwitterte Steinquader alter Bauernhäuser, dicht umwachsen von Obstbäumen und Hollerstauden, an die ehemalige Siedlung. Das "neue" Enslwang prägen jetzt Gebäude im orientalischen Stil: Flachdächer und Einfriedungen ziehen sich die Dorfstraße entlang, mit vielen, kleinen Verkaufsbuden als realitätsnahe Ausbildungs-Kulisse für vielfältige Übungsszenarios multinationaler Verbände.

Enslwanger Kirwaluft

Gleich neben der geschotterten Dorfstraße, die damals wohl in nicht allzu gutem Zustand war, konnten gut 150 Exkursionsteilnehmer ein wenig Enswanger Kirwaluft schnuppern. Es gab reichlich Bratwürstl vom Grill, kühle Getränke und dazu bodenständige Musik der beiden Kirwamusikanten Alexander Böhm und Werner Koller. Sogar einen bunt geschmückten Baum aus dem Waldbestand des Bundesforstes hatten die Schmidmühlener Reservisten im Dorf aufgestellt. Den tanzten zur Feier des Tages die Schmidmühlener Kirchweihpaare unter Federführung von Armin Lamecker und Philipp Pirzer zum Beifall der Zuschauer aus.

Zuvor waren drei Reisegruppen fast einen halben Tag quer durch den Übungsplatz unterwegs gewesen. Die Kirwa war für viele eine echte Überraschung, denn im Vorfeld hatte man diesen Knüller nicht preisgeben wollen.
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