Kostbarkeiten aus Wachs

Wachsstöckl haben eine lange Tradition, auch in der Oberpfalz. Vor allem in bäuerlichen Haushalten waren sie einstmals sehr präsent. Mit solch einem Geschenk bedachte die Bäuerin oftmals besonders fleißige Mägde. Bilder: pop (3)
Lokales
Schmidmühlen
03.11.2014
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Der Heimat- und Kulturverein hatte eine Idee. Doch würde sie ankommen? Die Organisatoren waren sich nicht sicher, erlebten aber dann eine Überraschung.

Der Ort hätte nicht besser gewählt werden können - im Herrgottswinkel des Trachtenheims trafen sich Kinder und Erwachsene, um etwas in Erinnerung zu rufen, was in der Vergangenheit ein lange gepflegter Brauch war: Wachsstöckl. Diese waren bis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges in jedem Haushalt vorhanden, aber auch aus Kirchen und Kapellen nicht wegzudenken. Die Wachsstöckl wurden zum Gebet in den dunklen Kirchen oder beim Rosenkranz entzündet. Obendrein gab es sie als Zugabe zur Aussteuer. Sie dienten nicht nur als Lichtspender, sondern wurden auch angezündet, wenn die Menschen für Verstorbene beteten, die zu Hause aufgebahrt wurden.

Als das Wacksstöckl nicht mehr als Lichtquelle benötigt wurde, fand es weiterhin Verwendung: Tauf- und Firmpaten verschenkten es an ihre Patenkinder, in ländlichen Familien bedachte die Bäuerin besonders fleißige Mägde mit verzierten Wachsstöckln. Viele ältere Menschen erinnern sich, dass dies ein wertvolles Geschenk gewesen sei. Um die Tradition der Wachsstöckl wieder in Erinnerung zu rufen, haben Trachten-und Kulturverein ein gemeinsames Projekt initiiert und einen Kurs für Kinder und Erwachsene vorbereitet. Die Organisatoren wussten jedoch nicht, ob die Idee ankommen würde. Wenige Tage vor dem Kurs zeichnete sich aber ab, dass Interesse vorhanden war. Am Kurstag schließlich war die Überraschung groß: Bei beiden Angeboten war das Trachtenheim vollbesetzt. Insbesondere zum Kurs für die Erwachsenen waren Interessierte aus dem gesamten südlichen Landkreis und darüber hinaus gekommen.

Sie erlebten eine echte Premiere, denn auch Leiterin Ilona Reheis hatte sich erst in die Technik einarbeiten müssen. "Es ist halt mal was anderes", sagten viele Teilnehmer. Bei einigen kamen Erinnerungen an längst Vergangenes auf. Nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder waren mit großem Eifer dabei und fertigten ihr eigenes Wachsstöckl, jedes ein echtes Unikat.

Viele Handgriffe waren bis zur Vollendung nötig. Zunächst musste ein Holzblock mit Klebewachs eingestrichen, eine Wachsschnur erwärmt und um den Holzblock gewickelt werden. Danach war der Goldschnitt aufzubringen. Zum Abschluss wurde das Wachsstöckl mit religiösen Motiven verziert. Für die Kinder hatte Ilona Reheis eine einfachere Variante gewählt.

Trachtenvorsitzender Gerald Stauber und Ortsheimatpfleger Josef Popp freuten sich, dass so viele Teilnehmer gekommen waren. Eine Wiederholung sei denkbar, vielleicht in der Zeit vor Lichtmess, sagte Popp. Da hätte dann der Brauch in Zukunft seinen Platz. Ein "dickes Lob" hatte der Ortsheimatpfleger für den Heimat- und Volkstrachtenverein parat, der das Brauchtum mit Leben erfüllt.
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