Mauer verrät Einmaliges

Durch ein dendrochronologisches Gutachten konnten beim Fochtnerstadel viele Rätsel gelöst werden.
Lokales
Schmidmühlen
20.02.2015
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Kaum ein anderes Gebäude in Schmidmühlen erhitzt zurzeit die Gemüter so wie der Fochtnerstadel: Abreißen, so lautet die weitgehend verbreitete Meinung - erhalten, fordert der Denkmalschutz.

Ist das Gebäude tatsächlich historisch - und auch historisch wertvoll? Oder wurde es "irgendwann" aus Resten alter Bauten auch aus dem Truppenübungsplatz erreichtet, wie man es immer wieder hört? Verdient der baufällig wirkende Stadel das Prädikat "historisches Denkmal"? Und wer hat den Stadel gebaut? Fragen, auf die es jetzt Antworten gibt. Mit einem dendrochronologischen Gutachten konnte nun erstmals umfassend die Geschichte des Fochtnerstadels dokumentiert werden. Seinen Namen hat er von seinen letzten privaten Besitzern, der Familie Fochtner. Im Zuge der Hammerschloss-Renovierung hat ihn 1990 der Markt Schmidmühlen gekauft.

Holz verrät das Alter

Insgesamt geht das Gutachten davon aus, dass der große Stadel in der Zeit von 1696 bis 1700 gebaut wurde. Das verwendete Balkenholz stammt eindeutig aus einer Winterfällung im Jahr 1695/96. Für den kleineren Bau ergibt die dendrochronologische Auswertung eine Bauphase um 1760 (Winterfällung 1755/56). Es ist wohl davon auszugehen, dass der Stadel als ein großes Ökonomiegebäude gebaut und genutzt wurde. Doch wer hat ihn gebaut?

In Frage kommt hier eigentlich nur Johann Hektor der Jüngere von Vischbach. Er war zu dieser Zeit Herr im Hammerschloss. Er betrieb - wie seine beiden Vorgänger, Johann Adam von Sengelau und Johann Hektor der Ältere von Vischbach - auch die Papiermühle. Sie alle waren wohlhabende und unternehmungslustige Leute, man kann durchaus sagen: Industrieherren. Der Bau des großen Stadels fällt nachweisbar und damit eindeutig in die Zeit von Johann Hector von Vischbach dem Jüngeren. Er dürfte auch entsprechende finanzielle Mittel besessen haben. Um 1700 ließ er den Stadel komplett überarbeiten. Dabei wurde er um den heutigen zweiten Stock und das Dach erhöht, als Ökonomiegebäude. Ein sicher kostspieliges Unterfangen.

Ein alter Hausname

Eine Veränderung trat ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Um 1840 wird Michael Schmid als Besitzer des Stadels und ab 1856 auch der Papiermühle geführt. Jedoch ist er da nicht mehr als Besitzer des Hammergutes, da dieses 1816 "zertrümmert" wurde. Der Hausname zu dieser Zeit war übrigens auch schon "Beim Lederer". Den Unterlagen nach gehörte zu diesem Gebäudekomplex "ein Wohnhaus mit Brunnen unter einem Dach, Schweinestall, besonderer Stall mit Stadel unter einem Dach, Schupfe, dann Werkstätte am Wasser, Backofen und Hofraum". Ferner stehen auf diesem Areal noch "zwei Hammerstadel mit Hofraum".

Seltene Dachstuhlform

Der Stadelkomplex besteht genau genommen aus zwei Teilen - einem großen, rechteckigen Stadel und einem trapezförmigen, kleineren Anbau. Die Dachstühle sind zwei einheitlich barocke Konstruktionen. Nach Einschätzung des Statikers handelt es sich um eine eher selten anzutreffende Variante, im Übergang von der mittelalterlichen zu einer barocken Form. Die Untersuchung beschränkte sich aber nicht nur auf das Holz. Das wirklich interessante Mauerstück existiert auf der Rückseite, dem Hammerschloss abgewandt. An der Ostwand zeigt sich eine bauhistorisch auffällige, horizontale Schichtung der vermauerten Steine - bedingt durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien.

Aufschlussreiche Scharte

Eine Besonderheit ist, etwa 2,70 Meter mittig über der Gelände-Oberkante, die Schlüsselloch-Schießscharte. Diese und das Mauerwerk sprechen für eine sehr frühe Bauzeit. Es darf als sicher angenommen werden, dass es Teil der Umfassung des mittelalterlichen Schlosshofes, also eine Schlossmauer, oder des damaligen Ortskerns war. Bei der Schürfe für die Statik wurde die besondere Tiefe der Fundamentierung dieses Mauerstückes belegt.

Diese Erkenntnisse dürften geschichtlich gesehen als etwas Einmaliges gewertet werden: Das Mauerstück mit der Schießscharte ist ein Beweis dafür, dass Schmidmühlen, vielleicht auch nur für das Hammerviertel, eine - zumindest kleine - Befestigungsanlage hatte. Bisher ging man davon aus, dass der Markt alleine durch seine Insellage und Tore genügend geschützt war. Der kleine Anbau wurde erst 1760 angefügt, dabei wurde das historische Mauerstück integriert. Warum? Die asymmetrische Bauweise ergibt sich aus dem Anspruch, eine einheitliche Front zur Hammerschloss-Seite zu errichten, aber auch, um die alte Mauer zu erhalten und in das Gebäude einzufügen.

Geld für den Erhalt des Mauerstücks dürfte eher kaum eine Rolle gespielt haben. Der Dachstuhl auf diesem trapezförmigen Gebäude ist höchst aufwendig - eine auch für die damalige Zeit sicher teure Variante. Ein Abriss der Mauer wäre da wohl billiger gekommen.
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