Mit Büchl auf dem Panzer

Das Obere Tor in Schmidmühlen in Richtung Truppenübungsplatz wurde in den Wochen nach dem Krieg von durchfahrenden Panzern so stark beschädigt, dass es abgerissen werden musste. Bilder: bö (2)
Lokales
Schmidmühlen
24.04.2015
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Am 21. März 1945 waren amerikanische Aufklärungsflugzeuge über Schmidmühlen gewesen - das ist eine Aufnahme von damals. Repro: Böhm

Das Kriegsende vor 70 Jahren ist mit der Erinnerung verbunden, dass in Schmidmühlen Fenster und Türen zitterten, als Schwandorf bombardiert wurde. Die Botschaft "D' Ami san scho in Allersburg" war schon am Vorabend des 24. April 1945 angekommen.

Auch in Schmidmühlen fielen Bomben. Schon mehrfach waren in den ersten Apriltagen US-Aufklärungsflieger zu sehen gewesen. Es hatte fast täglich Fliegeralarm gegeben und die Bevölkerung hatte sich in die Kellern am Kreuzberg, am Brunnlettberg und der Hohenburger Straße geflüchtet. Tiefflieger suchten systematisch nach lohnenden Zielen im Vils- und Lauterachtal. Für die meist im Zweierverband fliegenden Maschinen waren das zurückweichende Wehrmachtstrosse, aber auch Flüchtlingswagen und Zivilisten.

Wie der Schmidmühlener Heimatchronist Franz Xaver Eichenseer festhielt, wurde am 11. April 1945 die Brunnmühle in Brand geschossen. Fast täglich attackierten Tiefflieger mit ihren Bordwaffen die Gegend rund um Schmidmühlen.

Kuh am Wagen erschossen

Auf dem Acker, wo heute die Brunnen der Schmidmühlener Wasserversorgungsanlage sind, wurde der damals 63-jährige Johann Eichenseer (Hammerschmied) beschossen. Er konnte in größter Not noch eine Deckung im vorbeiführenden Hohlweg erreichen. Dem Zimmerermeister Josef Vogl vom Weinberg schoss man eine Kuh am Wagen tot. Mit letzter Mühe gelang es ihm und seiner Frau, im Straßengraben Deckung zu finden. Auch ein leerstehender Güterzug im Schmidmühlener Bahnhof war Ziel eines Tieffliegerangriffs.

Schwere Bomben schlugen hinter dem Schmidmühlener Kreuzberg bei der ehemaligen Einöde Fischereis und am Schlößlberg Richtung Adertshausen ein - Bomben, die für den Ortskern bestimmt gewesen waren. Auf der Straße nach Hohenburg ging ein Munitionswagen in Flammen auf. Ein Soldat und die beiden Pferde wurden dabei getötet. Einige Fünf-Zentner-Bomben lagen noch mehrere Jahre nach Kriegsende im Waldgebiet am Schlößlberg, bevor sie entschärft wurden.

Als am 17. April Schwandorf bombardiert wurde, konnte man von Schmidmühlen aus die "Christbäume" sehen, mit denen voraus fliegende Scouts die Ziele markierten. Stundenlang erfüllte nachts das tiefe Brummen der Bomberverbände die Luft. Als in Schwandorf die ersten Bomben explodierten, klirrten im 20 Kilometer entfernten Schmidmühlen Fenster und Türen, so heftig waren die Detonationen.

SS aus Ungarn

Am Sonntag, 22. April, bereiteten SS-Leute die Eiserne Brücke zur Sprengung vor. Pioniere errichteten bei der Oberen Mühle an der heutigen Poststraße eine Panzersperre. Die letzten Truppen in Schmidmühlen vor der Besetzung waren am Morgen des 24. April ungarische SS-Angehörige der Division Honvet, die aber nach Burglengenfeld befohlen wurden, um die Naablinie zu verteidigen.

Viele Schmidmühlener erlebten die Besetzung ihres Heimatortes in den Felsenkellern am Fuße des Kreuzbergs und den Bierkellern am Brunnlettberg. Von Winbuch her kamen am Morgen des 24. April die ersten amerikanischen Panzerwagen angerollt, nachdem schon in der Nacht erste Feindannäherungen zu hören gewesen waren. In einigen versteckt gelegenen Gärten sah man in der Nacht Feuer auflodern, in denen örtliche Nazis noch schnell ihre Parteirelikte und Hakenkreuzfahnen in den Flammen entsorgten.

Der damalige Feuerwehrkommandant und spätere Bürgermeister Johann Büchl stand vor den ersten Häusern an der Hohenburger Straße und winkte mit einer weißen Fahne den anrückenden Amerikanern zu. Er wurde auf den Spitzenpanzer neben das Maschinengewehr gezerrt, um die schweren Fahrzeuge durch Schmidmühlen zu schleusen.

Letzte Schüsse

Als sie auf die Brücke in Harschhof zufuhren, wurden sie vom Harschhoffelsen aus beschossen. Sie hielten kurz an, überquerten dann aber die Brücke in einem solchen Tempo, dass das Brückengeländer nur so durch die Luft wirbelte. Johann Büchl durfte erst wieder auf der Vilstalstraße beim Sternwirtskeller den Panzer verlassen. Über den Vilssteg konnte er in den Markt zurückkehren, den mittlerweile amerikanische Soldaten besetzt hatten.

Es hat hier keinen großen militärischen Widerstand gegeben, lediglich ein paar Fanatiker der Hitlerjugend gaben vom Kreuzberg aus noch ein paar Gewehrschüsse ab. So endete der Krieg für Schmidmühlen und seine 227 KZ-Häftlinge, die in den letzten Tagen bei ihrem Todesmarsch von Hersbruck her kommend auf der Lauterachwiese in ein menschenunwürdiges Lager gesperrt worden waren. Bis auch sie am 24. April von amerikanischen Soldaten befreit wurden.
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