Platz für Hirsch und Panzer

Etwas Besonderes ist die Hirschbrunft in Hohenfels: Von Mitte September bis Anfang Oktober hört man das Röhren der Tiere oft kilometerweit.
Lokales
Schmidmühlen
27.10.2015
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Eine riesiger Teppich der Artenvielfalt und ein neuerdings verstärkter Einsatz schweren Kampfgeräts - der Übungsplatz Hohenfels vereint beides: Für Forstdirektor Dr. Martin Perpeet ist er ein Gelände, "wo sich Hirsch und Panzer gute Nacht sagen".

Diesen Titel hatte der Vertreter der Bundesforstverwaltung Schmidmühlen für seinen Vortrag anlässlich der Wildspezialitätenwochen gewählt. Keiner kennt dieses militärische Trainingsgelände besser als Dr. Perpeet - sowohl aus der Sicht eines Naturschützers und Waidmannes als auch aus jener der militärischer Nutzung.

Deutlich mehr Übungen

Im Zuständigkeitsbereich der Bundesforstverwaltung, vom Bodensee bis nach Passau und vom Bayerischen Wald bis Mittelfranken, ist der über 16 000 Hektar große Übungsplatz Hohenfels das Kernstück. Damit liegt laut Dr. Perpeet direkt vor der Haustür Schmidmühlens ein riesiger, artenvielfältiger Teppich. Allgegenwärtig seien hier aber auch staubige Panzerstraßen und Hubschrauberlärm. Seit der Krimkrise habe sich das Übungsverhalten in Hohenfels gewaltig verändert, merkte Dr. Perpeet an: Die Zahl der alliierten Übungen habe merklich zugenommen.

Nutzung wird intensiver

Schwere Kampfpanzer kommen vermehrt bei Übungen zum Einsatz. Panzergräben werden ausgehoben, um mit den verbündeten Streitkräften neue Einsatzszenarien zu trainieren. Der Forstdirektor spricht von einer deutlich "intensiveren Nutzung" des Geländes.

Für seine Behörde sei es schwierig, diesem von heute auf morgen veränderten Übungsverhalten mit Strukturanpassungen der Landschaft Rechnung zu tragen. Sie müsse stets einen guten Mittelweg finden zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz sowie der militärischen Nutzung.

Ein Schwerpunkt dieser Bemühungen sei es, eine Vielfalt von Baumarten nachwachsen zu lassen, um von Monokulturen wegzukommen. "Im vergangenen Jahrzehnt haben wir etwa 1500 Hektar Buchenverjüngungen in unseren Waldbeständen hochbekommen", berichtete der Experte. Einen wertvollen Beitrag lieferten auch die Schäfer, deren Tiere auf buschfrei gemachten Flächen weiden. "Frauenschuh, Leberblümchen und verschiedene Anemonen-Arten sind jetzt wieder bei uns zu Hause", stellte Dr. Perpeet fest.

Devise: Gras statt Rinde

Unvergessen seien die vielen Ortschaften und Weiler, die teilweise zum Ende der 30er-Jahre und dann bei der zweiten Ablösung im Herbst 1951 aufgegeben werden mussten. Mit dem Erhalt einiger dominanter Gebäude, wie den Kirchen in Bergheim, Kirchenödenhart und Schmidheim, aber auch einem Bauernhaus in Waltersheim und jetzt mit der Sicherung der Schlossruine in Lutzmannstein und einiger der Gehöfte des ehemaligen Kirchdorfes habe man Akzente setzen können. Dazu komme noch die Freilegung von Kellern. Nicht zuletzt deshalb hätten inzwischen verschiedene Fledermausarten, allen voran die Große Hufeisennase, hier tolle Sommerquartiere. Zum Thema Jagd informierte Dr. Perpeet, dass die Rotwildbestände erst seit den 60er-Jahren allmählich spürbar geworden seien. "Seit 2003 werden im Truppenübungsplatz Ruhezonen ausgewiesen". Der Grundsatz "Gras statt Rinde" solle sich nachhaltig auswirken.

Vom 1. Februar bis zum 30. September herrsche Jagdruhe im Gelände. Verbissschäden seien immer noch ein Problem. Trotzdem wolle man "keine Radikallösungen - wir wollen mit den Tieren gut umgehen". Die Forstverwaltung sehe es als ihre Aufgabe, "unseren Nachfahren etwas zu hinterlassen, an dem sie sich orientieren können. Dazu muss man sich immer wieder hinter die Pflanzen und Tiere stellen, dann sind wir auf einem richtigen Weg". Das, bekannte Dr. Perpeet, "ist nicht immer leicht, aber es gelingt uns".
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