Schmidmühlen hilft sich selbst

Lokales
Schmidmühlen
04.05.2015
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"Das Rad läuft schon", stellte Pfarrer Werner Sulzer fest: "Wir wollen nur noch ein paar Speichen einbauen." Deshalb will Schmidmühlen die Nachbarschaftshilfe jetzt richtig organisieren. Und stößt damit bei den Bürgern auf großes Interesse.

Es gehe nicht darum, das sprichwörtlich Rad neu zu erfinden, machte Bürgermeister Peter Braun deutlich - "in den Nachbargemeinden gibt es dies bereits". Und auch in Schmidmühlen ist Nachbarschaftshilfe kein Fremdwort. Aber katholische und weltliche Gemeinde wollen daraus jetzt ein ganz offizielles Netzwerk machen. Zu einem ersten Gespräch dazu fand sich eine stattliche Anzahl von Personen im Pfarrheim ein.

Pfarrei führt Regie

"Der Kerngedanke ist die organisierte Nachbarschaftshilfe innerhalb der Gemeindegrenzen", betonte Pfarrer Sulzer. Bürgermeister Peter Braun konkretisierte, man wolle die Möglichkeit schaffen, dass Senioren selbstständig zu Hause wohnen und versorgt werden können. In der Regel sei dies auch möglich, da Familienbande gut funktioniere. Aber dennoch bereiteten kleine Tätigkeiten oft große Probleme - und die Hemmschwelle bei den Betroffenen sei groß. Die Marktgemeinde sei der Pfarrei dankbar, wenn sie die Hauptorganisation des Projekts übernehme, betonte Braun. Er versicherte, diese dabei zu unterstützen und zu begleiten - auch durch eine Haftpflichtversicherung, "um den ehrenamtlichen Helfer abzusichern". Der Rathauschef mahnte aber auch, nicht gleich zu groß einzusteigen.

Das haben Pfarrer Sulzer und seine Mitstreiter offensichtlich auch nicht vor. "Die Nachbarschaftshilfe ist nichts Neues, denn Nachbarn helfen ja bereits", merkte er an - und dies soll auch so bleiben. Aber es gebe dennoch Lücken, die man schließen wolle. Sulzer betonte, man wolle dabei keineswegs sozialen Einrichtungen Konkurrenz machen. In der Nachbarschaftshilfe würde keine Patienten-Pflege übernommen. Er sieht das Problem so: Vor allem ältere Ehepaare seien alleine im Ort, weil die Kinder irgendwo anders verheiratet oder umgezogen seien. Auch die Infrastrukturen veränderten sich. Künftig seien Arzt, Apotheke und Geschäfte wohl nicht mehr im jeweiligen Ort zu finden - auch eine Folge des demografischen Wandels.

Der Pfarrgemeinderat hat sich nach Sulzers Worten in einer Klausurtagung Gedanken darüber gemacht und das Gremium "Soziales" gegründet. Man müsse sich vor allem fragen: "Was kann die Nachbarschaftshilfe leisten - und was nicht? Welche Bedingungen sind zu schaffen und was ist zeitlich begrenzt machbar?" Sulzer hat dazu in seiner Heimatgemeinde Erbendorf Ratschläge eingeholt, denn dort gibt es die Nachbarschaftshilfe schon seit über zwei Jahrzehnten.

Natürlich brauche man dafür auch Menschen, die bereit sind, mitzumachen. Interessierte sollen Umfang und Vorgaben für ihr Engagement eintragen können - zum Beispiel, dass sie nur zwei Tage in der Woche, nur zur Begleitung oder auch nur für Autofahrten zur Verfügung stehen.

Nicht nur für Ältere

"Jeder, der hilft", sei zu absoluter Diskretion verpflichtet: "Er geht in fremde Häuser." Die Nachbarschaftshilfe soll nicht nur Älteren dienen: Jeder, der sich in einer akuten, kurzzeitigen Notlage befindet, kann sich an sie wenden. Die Helfer arbeiten ehrenamtlich, über die Vermittlungsstelle. "Die Nachbarschaftshilfe muss erst wachsen. Am Anfang werden wir sicherlich auch Fehler machen - und die sind auch erlaubt", unterstrich Pfarrer Werner Sulzer.
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