Steinreich durch Eisen

Lokales
Schmidmühlen
23.09.2015
6
0

Wer waren die erfolgreichen Hammerherren, die nicht nur die Geschichte Schmidmühlens, sondern sicher auch die des südlichen Landkreises geschrieben haben? Ein Blick in verschiedene Archive gibt Aufschluss darüber.

Der Markt verdankt seinen Ortsnamen nicht besiedelungsspezifischen, geografischen oder geologischen Merkmalen, sondern zwei wichtigen Industriezweigen,die beide auf Wasserkraft angewiesen sind - Schmieden und Mühlen. Am linken Lauteracharm befanden sich Obere und Untere Mühle, am rechten Arm des Flussdeltas ursprünglich mehrere Schmieden, die sich zu bedeutenden Hammerwerken entwickelten. In einem wurde das Eisen durch Wasserrad-Antrieb ausgeschmolzen. Auch Wälder zur Gewinnung großer Mengen von Holzkohle sowie Eisenerzvorkommen in der näheren Umgebung waren wichtig. Holz aus dem Hirschwald und aus Gruben im Blaugrund sowie bei Pilsheim und durch die Wasserstraße geliefertes Sulzbacher Erz ließen Schmidmühlen zum größten Eisenhammer des Mittelalters im damaligen Bayern aufsteigen.

Der Anfang: Die Trethütte

Der Anfang der Eisenerzeugung lag wie überall bei den Feuerstätten oder Trethütten, mit Muskelkraft betrieben. Hier war der Schmied zugleich Erzgräber und -schmelzer sowie Eisenverarbeiter. Den Beginn dieser Epoche kann man guten Gewissens in die Eisenzeit datieren. Diese, auch Keltenzeit (450 v. Chr.) genannt, ist jene, aus der auch der Ringwall auf dem Kreuzberg stammt. Die Schmelzstätten standen zunächst in nächster Nähe der Erzlager, im Bereich von Schmidmühlen waren diese im Blaugrund und im Hirschwald. Reste dieser Gruben (Pingen) - große, runde Vertiefungen - kann man gelegentlich noch entdecken.

Bei der Verhüttung neben der Erzfundstelle entfiel der mühselige Transport - mit dem Nachteil der geringen Eisen-Ausbeute. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Blasebälge und der Nutzung der Wasserkraft wurde die Produktivität der Verarbeitung erhöht. Die neue, an das Wasser verlegte Arbeitsstätte war dann die Schmiedemühle - die Mühle,in der geschmiedet wurde.

Nicht nur heute hat die Wirtschaft mit Konjunkturschwankungen zu kämpfen: Dies war auch schon im Mittelalter so. 1387 schlossen sich die Erzstädte Amberg und Sulzbach, die freie Reichsstadt Nürnberg und 64 Oberpfälzer Hammerbetriebe zur Hammereinigung zusammen, die bis1626 bestand. Nur ihre Mitglieder erhielten Erz aus Amberg. Die Erzeugnisse der Hammerbetriebe wurden genormt. Jeder musste sein Zeichen auf die gefertigte Ware schlagen. Für Schmidmühlen war dies ein "Kelch in der Pfann". Das Abfallprodukt, die Schlacke, enthielt noch einen großen Eisenanteil von bis zu 50 Prozent und wurde in der Nähe des Werkes gelagert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg - als die Rohstoffe knapp waren - wurde darauf zurückgegriffen.

Ein Standortvorteil

Nach den Bestimmungen der Hammereinigung durfte ein Schienhammer - wie in Schmidmühlen produziert - in den vorgeschriebenen 40 Arbeitswochen jährlich nur 60 bis 70 Pfund "Schien" ausschmieden, das sind etwa 70 Tonnen Roheisen. In den Jahren, in denen die Knorr auf dem Gut saßen, produzierte der Hammer von 1576 bis 1608 jeweils zwischen 37 und 126 Tonnen, 1603 bis 1608 jährlich sogar 121 Tonnen. Das benötigte Erz wurde spätestens ab 1576 auf den Vilsschiffen nach Schmidmühlen transportiert. Der Ort hatte einen besonderen Vorteil: Durch die Einmündung der Lauterach in die Vils konnte direkt am Hammer ausgeladen werden. Die andernorts benötigten Fuhrwerke konnte man sich sparen.

Schmidmühlen erhielt unter Hans Georg Knorr von Amberg 521 Tonnen Eisenerz. Um das Jahr 1600 lud ein Schiff 400 Zentner. Für Schmidmühlen waren demnach etwa 26 Schiffsladungen nötig. Da die Vils aber nicht das ganze Jahr - meist nur von April bis Oktober - schiffbar war,wurde daneben auch über die Eisenstraße (Amberg-Köfering-Waldhaus-Hirschwald) angeliefert. Diese ist als Feldweg heute noch zu sehen.

Der Hammer zu Schmidmühlen besaß auch ein eigenes Bergwerk, auf dem Grund der Hofmark Pilsheim. Die Arbeit in den Hämmern war umfangreich und hart. Das zerkleinerte und gewaschene Erz wurde zunächst ausgeschmolzen. Das hier gewonnene Roheisen nannte man Luppe. Es war zunächst unbrauchbar und wurde deshalb noch mehrmals ausgeschmolzen.Nach dem Bearbeiten unter dem Hammer erschien das Endprodukt: die Schienen. Im Wellherd blieb am Boden verhältnismäßig reines Eisen zurück: Deichsel oder Deyel, Deuel oder zweigeschmolzenes Eisen genannt.

Eine gefragte Ware

Eisen aus Schmidmühlen war eine gefragte Ware und brachte den Hammerherrengroßen Wohlstand, von dem sicher auch der Markt und seine Bürger profitierten. 1816 endete in der Lauterachtalgemeinde die Geschichte des Hammerwerkes. 1817 machte man daraus eine Spiegelglasschleife. Im Lauf der Zeit wurde das Hammerschloss ein Miethaus, später nutzte es der Markt als Armenhaus. Mittlerweile ist das Gebäude ein Pfarr- und Gemeindezentrum
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.