Sanierung des Schlossstadls
Baubeginn im Frühjahr

Auf etwa 1,4 Millionen Euro wird die Sanierung des Schlossstadls in Schmidmühlen geschätzt. Der Eigenanteil des Marktes liegt bei etwa 450 000 Euro. Bilder: bö (2)
Politik
Schmidmühlen
02.06.2016
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An der Ostseite ist deutlich eine Schlüsselscharte erkennbar. Dieser kleinere Stadlanbau beinhaltet Teile einer mittelalterlichen Befestigungsmauer, die in die Sanierung mit einbezogen werden.

Das wird ein Kraftakt für den Markt. Im März 2015 hatten sich die Schmidmühlener in einem Bürgerentscheid mit klarer Mehrheit für die Sanierung des Schlossstadls ausgesprochen. Jetzt kann die Vorbereitung für die Bauphase beginnen.

Der Gemeinderat hat dafür jetzt grünes Licht gegeben: Das Gremium steht geschlossen hinter dieser Baumaßnahme. Keine einfache Aufgabe. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 1,4 Millionen Euro. Der Eigenanteil des Marktes beträgt etwa 450 000 Euro. Die Förderanträge sind bereits gestellt, wie Bürgermeister Peter Braun in der Sitzung berichtete. Noch heuer sollen die Ausschreibungen für das denkmalgeschützte Gebäude auf den Weg gebracht werden. Die Baubetreuung hat das Architekturbüro Michael Dittmann aus Amberg.

Mit einem Baubeginn ist laut Braun im nächsten Frühjahr 2017 zu rechnen. Geht es nach den Bürgervertretern, sollen gegen Ende 2017 die größten Gewerke abgeschlossen sein. Das Hammerschloss und das sich anschließende Rosendorf-Anwesen mit dem Torbogen wurden 2001 bis 2004 grundlegend saniert und werden seitdem für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt.

Der Schlossstadl, der die östliche Begrenzung des Hammerschlosses bildet, ist baufällig: Er konnte bislang nicht genutzt werden. Ein Veranstaltungssaal im zweiten Obergeschoss des Schlosses ist nur für etwa 70 Personen geeignet. Veranstaltungen mit mehr Teilnehmern müssen im Freien stattfinden. Zuweilen wird dafür ein Bierzelt aufgestellt. "Aber da ist man bei Veranstaltungen immer wetterabhängig", merkte Bürgermeister Peter Braun an.

In diesem Zusammenhang erinnerte er an das Trachtenfest am vergangenen Wochenende - bei dem ein Sturmtief das Zelt des Vereins plattgemacht hat (AZ berichtete). Das soll sich mit dem Ausbau des Schlossstadls ändern. (Im Blickpunkt)

Mehr Platz, auch für größere Kultur-VeranstaltungenMit der Sanierung soll im Schlossstadl ein Veranstaltungsraum entstehen, der deutlich größer ist als der Saal im zweiten Obergeschoss des Schlosses. Vorgesehen ist eine erdgeschossige Nutzung, auch wegen der Barrierefreiheit und des Brandschutzes.

Ein Teil der eingezogenen Decken muss aufgegeben werden: Die Balken sind in schlechtem Zustand, da das Holz aus einer Sommerfällung stammt.

Leitidee der Revitalisierung ist, den Stadl-Charakter zu bewahren. Die historischen Oberflächen der Hölzer und der Mauern bleiben so weit wie möglich unbehandelt. Als Boden ist eine Ziegelflachschicht vorgesehen, verlegt auf Split, ohne Bodenplatte. Um das Gebäude gut nutzen zu können, muss eine WC- Anlage eingebaut werden.

Zur Nutzung in der kalten Jahreszeit ist eine Temperierung mit elektrischen Dunkelstrahlern vorgesehen. Die Ebene der Zerrbalkenlage wird wärmegedämmt. Voraussetzung für den Ausbau ist eine grundlegende, statisch-konstruktive Sanierung des Dachtragwerks sowie der Wand- und Deckenkonstruktion. Ein vermauertes Tor wird wieder geöffnet.

Der Schlossstadl kann in Zukunft für kulturellen Zwecke von bis zu 190 Personen genutzt werden. Damit soll keine Konkurrenz zur bestehenden Gastronomie entstehen: Einen so großen Saal gibt es in Schmidmühlen derzeit nicht.

Damit macht die Sanierung kulturelle Veranstaltungen in dieser Größenordnung erst möglich.

Auf dem Schlossgelände werden auch ein Vereinsstadl und ein Backofen in traditioneller Bauweise errichtet. Längerfristig ist geplant, einen Holzsteg für Fußgänger und Radfahrer über die Lauterach zu errichten. Dadurch könnte der Fünf-Flüsse-Radweg über das Hammerviertel und den Ortskern geleitet werden. (bö)

Der nördliche Teil des Schlossstadls wurde an der Stelle eines älteren Vorgängerbaus 1695/96 errichtet. Er wurde zwei Jahre früher fertig, bevor das Hammerschloss seine repräsentative Aufstockung und damit seine jetzige Gestalt erhielt.

Nach heutigem Wissensstand ist es nicht mehr nachvollziehbar, wie die Räume im Stadl ursprünglich genutzt wurden. Man kann vermuten, dass sie keine rein landwirtschaftliche Einrichtung waren, sondern dass sie vielleicht mit dem Eisenhammer in Verbindung standen. Die vorherrschende Meinung in Schmidmühlen ist es aber, dieses Gebäude aufgrund seiner Besonderheit zu erhalten.

Der südliche, kleinere Stadl beinhaltet eine mittelalterliche Befestigung, erkennbar an einer Schlüsselscharte auf der Ostseite. Eine statische und restauratorische Untersuchung des denkmalgeschützten Gebäudes war die Grundlage der nun geplanten Sanierung.
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