Fischzug Schmidmühlen
Schweigend von Tür zu Tür

Vermischtes
Schmidmühlen
09.02.2016
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Pünktlich um "Oans" treffen sich am Aschermittwoch zwischen 60 und 80 Männer beim Ochsenwirt in Schmidmühlen. Alle tragen einen schwarzen Frack und Zylinder. Schweigend ziehen sie von Wirtshaus zu Wirtshaus. Reden, Lachen oder Pfeifen ist verboten.

Schmidmühlen. Die Männer brauchen keine Erinnerung, Einladung oder gar Erklärung - sie sind automatisch jedes Jahr dabei. "Wir sind kein Verein und gehören auch keinem an", erklärt Thomas Wagner. Als Zeremonienmeister ist er heuer im sechsten Jahr für den reibungslosen Ablauf des Zuges zuständig. Zum Zeichen der Zugehörigkeit trägt jeder Teilnehmer des Fischzugs einen mit weißer Kreide gezeichneten Fisch auf dem Rücken.

In Schmidmühlen (Kreis Amberg-Sulzbach) hat der Fischzug eine lange Tradition. Vor zwei Jahren gehörte er sogar zu den Vorschlägen aus Bayern für das immaterielle Weltkulturerbe der Unesco. "Die Alten sagen, der Brauch kommt aus dem 18. Jahrhundert", fährt Wagner fort. Schriftliche Belege gebe es aber erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch wie der Fischzug entstand, ist heute nicht mehr genau nachvollziehbar. Vereint er doch einen Heischebrauch, bei dem die Männer für ihre Leistungen beim Faschingszug von den Wirten Bier erhalten, mit der Tradition der Faschingsbeerdigung.

Bier musste weg


"Es wird vermutet, dass der Schmidmühlener Fischzug entstanden ist, weil die Wirte nach den Faschingstagen ihr übriges Bier loswerden mussten", erklärt Wagner. Es habe damals nicht genügend Kühlmöglichkeiten gegeben. Deswegen sei das restliche Bier - bevor es schlecht wurde - billiger oder kostenlos ausgeschenkt worden.

Mittlerweile sind es jedes Jahr um die elf Wirtshäuser, aber auch Vereinsheime, in die die Männer einkehren. Dort bekommen sie von den Wirten und Geschäftsleuten Bier spendiert. "Alles muss leer getrunken werden", betont Wagner. Andere Getränke sind nicht erlaubt. Zum Essen gibt es Fisch und Brot. Wer gegen dagegen verstößt, muss Strafe zahlen.

Strafe fürs Singen


Ebenfalls zahlen muss, wer pfeift oder singt. Das sei, wie Wagner erklärt, nämlich auch während der Wirtshauspausen verboten, in denen aber geredet und geraucht werden darf. Sobald die Männer die Türschwelle überschreiten und zur nächsten Station gehen, gelte dann wieder das Gebot der vollständigen Stille. Gelaufen wird übrigens immer auf der linken Straßenseite. "Nur bei ehemaligen Wirtshäusern machen wir eine Ausnahme und einen Schlenker über die Straße", sagt Wagner. Dies sei eine Ehrerbietung an die ehemaligen Gaststätten und deren Wirte. "Vor 30 bis 40 Jahren hatten wir noch 21 feste Wirtshäuser."

Nach dem letzten Gasthof beerdigen die Männer schließlich einen - im Fasching leer gewordenen - Geldbeutel. Mit Kerzen in der Hand ziehen die Männer ein letztes Mal schweigend zum Kirwabaumloch, in das das Portemonnaie versenkt wird. Im Anschluss trifft sich die Gesellschaft dann um 24 Uhr noch zum Leichentrunk. "Da darf dann jeder wieder trinken, was er möchte. Zum Essen gibt es Leberkäse oder saure Lunge." Das Schweigen ist beendet.

Feste ReihenfolgeDie Reihenfolge des Schmidmühlener Fischzugs ist genau festgelegt und immer gleich. An der Spitze des Zuges gehen zwei Männer, die eine beflorte Holzlaterne tragen. Hinter ihnen läuft der aktuelle Faschingsprinz. Danach kommt der Zeremonienmeister, der für den reibungslosen Ablauf sorgt. Es folgt der Bürgermeister von Schmidmühlen. Hinter ihm gehen der Fischmeister und der Brotträger, die für eben jene Speisen verantwortlich sind. Zu erkennen sind beide an ihrer weißen Schürze. Alle anderen Teilnehmer folgen in beliebiger Reihenfolge. Der Letzte trägt nochmal eine Laterne. (ehi)
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