Helmut Dietrich bastelt Krippen mit Kindern
Der Hackl Schorsch beim Jesuskind

In Helmut Dietrichs Werkstatt sind schon gut 300 Krippen entstanden. Für dieses Exemplar, eine Oberpfälzer Bauernkrippe, braucht er noch ein paar Figuren. Aber "der Hennersepp, der Moarkjackl und der Hias sind schon fertig", erzählt er. Bilder: bö (2)
Vermischtes
Schmidmühlen
24.12.2015
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Bei Helmut Dietrich ist aus einem Einzelstück eine Passion geworden. Momentan ist seine ganz persönliche Krippe im Wohnzimmer aufgebaut.

Eine Krippe wird nie fertig. Auch heuer war dies bei Helmut Dietrich so, als er sein Prunkstück im Wohnzimmer aufgebaut hat. Ein Tag reicht nicht, um alles in Position zu bringen. Und Dietrich - nach prüfenden Blicken aus allen möglichen Winkeln und zu seiner Frau Elfriede - zufrieden sagen kann: "Jetzt schaut es wieder gut aus."

Für Helmut Dietrich sind die letzen Monate des Jahren immer Kripperlmonate - so steht es in seinem Terminkalander. Die restliche Zeit sind Sammelmonate. Für das benötigte Material, von getrocknetem Moos bis zu Ästen und fein geschnittenen Latten. Etwa 300 Krippen hat der Schmidmühlener in den vergangenen 30 Jahren mit Kindern gebastelt. Dietrich ist der beste Krippenbauer der Welt: Davon sind zumindest die Kinder überzeugt.

Der Schubkarren-Kare


Bei seinem eigenen Exemplar hatte der Knecht heuer seinen Hammer verloren. Da musste der Tüftler noch schnell Ersatz zurechtbasteln. Ein paar neue Figuren sind auch wieder dazugekommen. Der Schubkarren-Kare, der alte Segerer, der Hackl Schorsch, der Sensendengler, der Schaf-Michl und der Hausierer haben Spitzenplätze um das Jesuskind herum beziehen dürfen. "Die Namen nehme ich mir von Menschen, die früher einmal in Schmidmühlen gelebt haben, denn dann hat man immer einen Bezug zur Heimat", verrät Dietrich lachend.

Immer schön sammeln


Das Sammeln von Moos und allerlei Sträuchern ist bei ihm fast schon eine Jahresaufgabe, um das richtige Arbeitsmaterial zur Hand zu haben. Fein säuberlich beschriftet lagert alles in Schubladen - vom Filzplättchen (als Steine für eine Gartenmauer) bis zum Weinkorken (als Stamm für eine Palme).

Selbst eine abgerissene Bandsäge kann der Experte noch gut gebrauchen: Fachgerecht zurecht geschliffen und mit kleinen Griffen versehen, dient sie dem heiligen Josef und anderen Handwerker-Figuren als Zimmerer-Werkzeug.

Getrocknete Haselnussgerten werden zu einem Holzstoß geschichtet, Fliesenkleber-Reste sind der ideale Baustoff für Gartenmauern. Aus einem Stück Rohr wird ein Nistkasten und dünne Holzabfälle sind perfekte Dachschindeln: "Mit einem Stück Fantasie gelingt vieles", sagt Dietrich. Für den passionierten Tüftler ist keine Herausforderung zu groß. "Gebaut wird nicht nach großen Plänen, sondern nach der Fantasie der Kinder und dem vorhandenen Material". Mitte der 70er-Jahre hat er "eine eigene Krippe gebaut, weil ich was Besonderes haben wollte", blickt der Tüftler zu den Anfängen seiner Leidenschaft zurück: "Die Kaufhauskrippen waren nicht so mein Stil und nicht so, wie ich mir unsere Krippe vorgestellt habe." Schließlich musste diese "auch meiner Frau Elfriede gefallen", fügt er schmunzelnd hinzu.

Kein Platz mehr fürs Auto


1986 fragte ihn der damalige Mesner Josef Mehringer, ob er nicht für Ministranten aus der Pfarrei einen Krippenbaukurs halten wolle. "Das war in der Zeit, als ich für die Pfarrei eine neue individuelle Krippe nach Schmidmühlener Bildern gebastelt habe." Damals wurde aus seiner Garage am Fuß des Kreuzbergs eine Werkstatt. "Das ging dann so weit, dass unser Auto keinen Platz mehr hatte." Jetzt wird hier in kleinen Gruppen mit maximal vier Buben und Mädchen gebastelt, geschnitten, geleimt und gemalt.

Zu seinen schönsten Erlebnissen gehört es, wenn auch die Kinder ehemaliger Schützlinge zu ihm kommen und mit leuchtenden Augen erzählen, dass ihr Vater auch schon da gewesen sei. "Das ist eine Dankbarkeit, die ich höher einstufe, als Urkunden, Orden und Ehrenzeichen."

Geschichten gibt's dazu


Ein Grund, warum er damals mit dem Basteln mit Kindern angefangen hat, war die Erfahrung, dass ohne Jugend, Vereine und Ehrenamt das gesellschaftliche Leben wegbricht: "Gemeinden, die keine aktiven Vereine mehr haben, sind drauf und dran, gesellschaftlich zu sterben", davon ist er überzeugt. Dietrich weiß aber auch: "Wennsd selber kein Idealist bist, brauchst so etwas gar nicht anzufangen."

In Sachen Ehrenamt kennt sich der Schmidmühlener aus wie nur wenige: Er ist Gründungsvorsitzender des Stammtischs Feuchte Ecke, der sich über Jahrzehnte um die Bewirtung beim Kreuzbergfest in Schmidmühlen gekümmert hat. Außerdem ist er Gründungs- und Ehrenvorsitzender des Fischereivereins und der Feuerschützen, und auch beim Heimat- und Volkstrachtenverein zählte er lange Jahre zur Führungsriege.

Wenn er mit seinen Schützlingen werkelt, "spürt man auch die Freude und die Begeisterung der Kinder - wenn aus ihren Händen etwas entsteht". Dass dabei auch die Mundart nicht zu kurz kommt, dafür wirbt Dietrich mit Begriffen und Bezeichnungen, die sonst vom Aussterben bedroht sind. Um die Zukunft des Ehrenamts ist Dietrich nicht bange. "Ich bin überzeugt, dass es immer wieder Idealisten geben wird, die sich in die Vereinswelt und die Gesellschaft einbringen, auch wenn gewisse Vereine da schon Probleme haben." Letzteres will er nicht von der Hand weisen.

Dietrichs Krippen sind das Eine. Das Andere sind seine liebevoll handgemachten Figuren. "Das ist der Hennersepp, dort ist der Moarkjackl und da hinten steht der Hias", zählt er auf, während er auf die Figuren deutet - "alles Namen von Schmidmühlener Originalen, die schon lange gestorben sind: Das begeistert auch die Kinder, weil ich ihnen dazu auch immer eine kleine Geschichte erzählen kann."

Ans Aufhören hat er noch nicht gedacht. Seine Vorräte reichen bestimmt noch ein paar Jahre für die Krippenproduktion.
Wennsd selber kein Idealist bist, brauchst so etwas gar nicht anzufangen.Erkenntnis des Kripperlbauers
Gemeinden, die keine aktiven Vereine mehr haben, sind drauf und dran, gesellschaftlich zu sterbenHelmut Dietrich
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